Interview mit Mundtot

Mundtot ist eine aufstrebende Münchner Band, die viel zu sagen hat. Sehr kritisch setzen sich die vier jungen Männer mit Politik und Gesellschaft auseinander und wollen zum Nach- und Umdenken anregen. Am 20.04.12 erscheint ihr Debütalbum „Spätsommer“, das man mit Spannung erwarten darf. Bassist und Sänger Tino hat sich die Zeit für ein Interview genommen. 


Ambitionierte Band aus München: Mundtot
Quelle: Mundtot

Kyra Cade: Wer sind die vier Männer, die hinter Mundtot stecken?
Tino: Das sind Cesco, zuständig für die elektronischen Klänge, Flo am Schlagzeug, Davo an der Gitarre und meine Wenigkeit, Tino, am Bass und Gesang.

K. C.: Ihr habt euch 2009 als Elektroprojekt zusammengefunden, seid dann aber klassisch mit Gitarre, Bass und Drums aufgetreten. Warum war euch dieser Gegenpol zu reinem Synthiesound wichtig?
Tino: Auch dem wärmsten Analog-Synthesizer geht dieser organische Klang echter Saiteninstrumente, bzw. echter Drums ab. Zudem ist das klassische Rock-Line-Up audiovisuell einfach eine komplett andere Liveerfahrung. Egal wie bescheiden die PA ist, ein echtes Schlagzeug knallt, solang der Drummer reinhaut und eine E-Gitarre kracht einfach nochmal ganz anders als ein Sequencer.

K. C.: Warum nennt sich eine Band, die doch so viel zu sagen hat, „Mundtot“?
Tino: Der Name ist eben in unserer heutigen Zeit Programm. Das erschien passend.

K. C.: Wie viel Wut und Frustration stecken in euren Songs?
Tino: Frustration klingt immer nach Kapitulation. Mit Gejammer soll das jedoch nichts zu tun haben. Es ist uns jedoch auf jeden Fall sehr wichtig, ehrlich zu sein. Es gibt wohl nichts Schlimmeres als gespielte Emotionen.

Mit Leib und Seele hinter der Musik stehen

K. C.: Worauf möchtet ihr die Menschen da draußen aufmerksam machen?
Tino: Ein Handeln ohne Ziel ist ein sinnloses Handeln. Welchen Zielen wollen wir folgen? Gibt es etwas, wofür es sich zu handeln lohnt, oder bleibt am Ende nur die triste Gleichung: Work – Buy – Consume – Die? Das muss jede/-r für sich entscheiden.

K. C.: Was macht Mundtot aus?
Tino: Ein Zuschauer kam nach unserem letzten Auftritt zu mir an den Merchandisestand und sagte mir, dass wir ihm an diesem Abend am besten gefallen hätten. Auf meine Frage, wieso das so sei, antwortete er, dass es bei uns einfach nicht so scheint, als würden wir vier nur eine Rolle auf einer Theaterbühne spielen, sondern wirklich mit Leib und Seele hinter unserer Musik stehen.
Das fand ich ein sehr schönes Kompliment, weil es das ausdrückt, wie wir vier uns selbst sehen.

K. C.: Welche Künstler haben euch am meisten geprägt?
Tino: Das ist schwierig zu sagen, weil wir sehr verschiedene Einflüsse haben. Flo hört zum Beispiel überwiegend Metal und Funk, aber auch elektronischere Bands wie Project Pitchfork. Davo hingegen hört sehr viel Rock a la Pink Floyd, aber auch Punkbands und ist ein großer Rammsteinfan. Cesco mag es gern hart und laut (Industrialrock a la Marilyn Manson), aber auch ganz konträr dazu Klassik. Und ich höre sehr viel elektronische Musik (DnB, Minimal, Dubstep), aber auch gitarrenlastigeres, was dann von Killing Joke bis Slipknot reichen kann.

K. C.: 2010 war ein tolles Jahr für euch: Support für Mono Inc. und beim Regensburger Gothic Treffen u.a. mit Clan of Xymox und Combichrist auf der Bühne. Was war für euch das Highlight?
Tino: Ganz klar der Support für Mono Inc. München gilt ja eher als schwieriges Publikum, vor allem für Newcomer. Das Publikum an diesem Abend war aber einfach nur gut. Die Leute waren offen für neue Musik und sofort dabei, wir hatten unglaublichen Spaß auf der Bühne.

Headliner, Debütalbum und neuer Musikclip

K. C.: Dieses Jahr seid ihr sogar Headliner beim RGT. Macht das stolz? Erwacht da das „Wir haben alles richtig gemacht“-Gefühl?
Tino: Stolz macht es auf jeden Fall. Es freut uns unheimlich, dass wir dieses Jahr Headliner auf diesem schönen Festival sein dürfen.

K. C.: Am 20.04. bringt ihr euer Album „Spätsommer“ raus. Was erwartet uns?
Tino: Ein Album, in dem wir in elf Songs versucht haben, mit Hilfe elektronischer Sounds, Rockgitarren und deutschen Texten, unsere Stimmung in den letzten drei Jahren musikalisch einzufangen.

K. C.: Derzeit arbeitet ihr auch an eurem zweiten Musikclip. Der erste zum Song „Virus Mensch“ ist recht düster, stellenweise an Szenen aus „The Ring“ erinnernd. Spielt ihr gerne mit Abscheu, Ekel, Horror?
Tino: Die Assoziationen zu Filmen wie „The Ring“ waren eher Zufall und haben sich erst im Schnitt so ergeben. Wir haben einfach versucht den Text bestmöglich visuell umzusetzen. Bei diesem Song hat es sich einfach angeboten, mit düsteren Elementen zu spielen.

K. C.: Könnt ihr schon etwas über das neue Video verraten?
Tino: Nur so viel: Wie man auf Facebook schon sehen kann, wird es ein sehr schönes, altes, amerikanisches Musclecar enthalten.

K. C.: Könnt ihr schon sagen, wann der neue Clip zu sehen sein wird?
Tino: Wir planen den Release diesen Sommer.

„Schluss mit den Lügen!“

K. C: Ihr kommt aus München. Derzeit kann man aufFacebook abstimmen, wen man als Goth-Rock-Newcomer auf dem Dark Munich Festival 2013 sehen möchte. Wäre es etwas Besonderes für euch, auf diesem Festival in der Heimat aufzutreten?
Tino: Wir finden es sehr schön, dass es nun auch im Süden immer mehr Festivals für die Alternative- / Gothicszene gibt. Dieses Jahr fand das DMF ja zum ersten Mal statt und es sah schon sehr vielversprechend aus. Daher würden wir uns natürlich sehr freuen, 2013 dort zu spielen, gerade weil es unsere Heimatstadt ist.

K. C.: Mit wem würdet ihr gerne mal zusammenarbeiten?
Tino: Der absolute Traum wäre ein Album produziert von Trent Reznor. Dieser Mann ist pure Kreativität.

K. C.: Wenn ihr drei Dinge verändern könntet, welche wären das?
Tino: Wir würden nur eine Sache ändern: Schluss mit den Lügen, die uns die Medien jeden Tag mundgerecht servieren!

K. C.: Pläne für die Zukunft von Mundtot?
Tino: Weitere Songs veröffentlichen, noch mehr Auftritte und noch mehr Menschen erreichen zu dürfen.

K. C.: Ein paar Worte zum Schluss?
Tino: Danke für das Interview, ich finde es sehr schön und wichtig, dass man sich gerade in Subkulturen gegenseitig unterstützt.

K. C.: Vielen Dank für das Interview!

Interview mit Elandor

Eine junge Band aus Frankfurt am Main veröffentlicht Anfang Mai ein neues Album. Was als Solo-Projekt begann ist seit 2011 ein Trio und hat noch Großes vor. Die Newcomer Elandorlieben und leben Musik. Derzeit kann man für sie auf Facebook abstimmen: Es geht um die Teilnahme am DMF 2013. Bis dahin aber wird das Album „Dark Asylum“ veröffentlicht und es warten noch einige Auftritte auf die drei. Sie haben sich die Zeit für ein Interview mit uns genommen.


Elandor – Gothic-Rock aus Frankfurt/Main
Quelle: Elandor

Kyra Cade: Wer sind Elandor?
Elandor: Elandor sind eine dreiköpfige Alternative-Gothic-Rock-Band aus dem Raum Frankfurt am Main. Markus Kühnel, der Sänger der Band, legte den Grundstein und veröffentlichte in Allein-Regie die beiden ersten Alben „Kiss of Doom“ und „Symphonie of Twilight“ bereits unter dem Namen Elandor. Erst im Januar 2011 stießen Gitarrist Daniel Hawranke und Drummer Jan Ulzhöfer dazu und komplettierten das Trio.

K. C.: Ihr macht Gothic. Eine bewusste Entscheidung, oder hat sich das ergeben, beispielsweise weil ihr selbst gerne diese Musik hört?
E: Als Markus das Projekt Elandor startete war es definitiv eine bewusste Entscheidung für den Gothic-Rock gewesen. Einerseits waren hier natürlich die persönlichen Vorlieben in Sachen Musik entscheidend, andererseits war es Markus seinerzeit auch wichtig gewesen, Musik mit Charakter zu machen. Dadurch, dass diese Musik womöglich nicht unbedingt die breite Masse anspricht, ist dieses Kriterium definitiv gegeben. Es ist und bleibt eine Szene-Musik.
Zudem spielten die musikalischen Veranlagungen von Markus bei der Findung eines Genres ebenfalls eine Rolle. Durch seine tiefe und klare, beinahe schon „Tenor-artige“ Singstimme fielen ihm die gothic-typischen tiefen Gesangspassagen leicht, ohne aber in der höheren Singstimme zu eingeschränkt zu sein. Die Entscheidung für ein Gothic-Rock-Projekt fiel dann letztendlich nicht mehr allzu schwer.
Zur Bandgründung im Januar 2011 hat sich der Charakter der Musik nochmals verändert, ohne aber seine Wurzeln zu vergessen. Trotz dem Schritt zur Band blieb man also dem Gothic-Rock treu.

K. C.: Was ist das Besondere an Elandor?
E: Unsere größte Besonderheit liegt wohl darin, dass wir versuchen, melodische und technische Synthesizer mit handgemachter Musik zu paaren. Man kann unsere Musik im Prinzip stets in zwei Schichten aufteilen: Auf der einen Seite haben wir die technischen, teils harten, teils melancholischen Synthesizer, welche hauptsächlich am Computer entstehen und sich auch dort erst richtig entfalten können, auf der anderen Seite haben wir ehrliche, pure und handgemachte Musik in Form eines Drumsets, einer Gitarre und einer Stimme. Diese beiden Ebenen versuchen wir mit unseren Möglichkeiten und unserem Können verschmelzen zu lassen, damit sie ein neues, komplexes Gebilde schaffen.

Von ASP bis Phil Collins

K. C.: Welche Künstler / Bands haben euch beeinflusst?
E: Als Musiker kennt und hört man natürlich auch sehr viel Musik anderer Bands. Hierbei sind natürlich in erster Linie unsere musikalischen Vorbilder im Bereich Gothic zu nennen, beispielsweise ASP, Fields of the Nephilim, Him und The 69 Eyes. Aber unsere Inspirationsquellen erstrecken sich auch noch über die Grenzen des Gothic hinaus: Dazu zählen unter anderem Killswitch Engage, In Flames und Poets of the Fall, aber auch durchaus ältere Musiker wie Metallica, Nirvana, Simply Red und Phil Collins.

K. C.: Elandor war etwa zwei Jahre lang ein Solo-Projekt. Wie kam es zur Bandgründung?
E: Zunächst begann Markus mit dem Covern verschiedener Bands aus dem Bereich Gothic. Um sich selbst musikalisch weiterzuentwickeln löste sich Markus von den Coversongs und begann 2009 mit den Arbeiten an dem ersten Album „Kiss of Doom“, welches er auch 2010 privat veröffentlichte. Motiviert von den positiven Reaktionen in seinem persönlichen Umfeld machte Markus weiter mit den Aufnahmen zum zweiten Album „Symphonie of Twilight“. Diese Arbeiten überschnitten sich mit der Bandgründung im Januar 2011. Markus lernte Daniel und Jan auf einem gemeinsamen Auftritt in ihrer Heimatstadt kennen. Man sprach, machte Musik zusammen und fasste letztendlich den Entschluss, zusammen dass Projekt weiterzuführen.

K. C.: Was bedeutet „Elandor“?
E: Der Name Elandor an sich hat keine spezielle Bedeutung. Eine Freundin der Band schrieb einst eine Geschichte, in der ein Rabe Elandor genannt wurde. Auf Grund des passenden Zusammenhangs mit der Musik entschied man sich für den Namen.

K. C.: Am 04.05.2012 wird euer Album „Dark Asylum“ veröffentlicht. Was erwartet uns?
E: Das neue Album ist komplett von der gesamten Band geschrieben und komponiert. Dadurch, dass Markus vorher viel mit Samples gearbeitet hat, klang das Endprodukt zwar immer gut, aber man merkte, dass es mit dem Computer gemacht wurde. Diese Komponente fällt nun komplett weg, da sowohl Drums als auch die Gitarre manuell im Studio eingespielt wurden. Dies hat zur Folge, dass die Musik nun wesentlich weniger mechanisch klingt als vorher. Zudem, da man nun nicht mehr auf Samples angewiesen ist, ist der Band komplette musikalische Freiheit gegeben. Im Zuge dessen erwartet die Hörer das wohl schnellste, härteste, aber auch abwechslungsreichste Album, was Elandor je produziert haben. Ihr dürft also gespannt sein.


Quelle: Elandor

K. C.: Wer oder was inspiriert euch zu euren Songs?
E: Wir verarbeiten diverse Einflüsse in unserer Musik. Dabei kommen die Inspirationen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Große Inspirationen stellen beispielsweise Probleme in Beziehungen, mit Freunden dar, aber auch größer gefasste Bereiche, wie zum Beispiel auch gesellschaftliche Probleme. Weitere Inspirationsquellen sind aber auch Filme, Bücher, Spiele oder Geschichten. Wir sind immer offen für neue Ideen und gehen offenen Auges durch die Welt.

K. C.: Was ist Musik für euch?
E: Musik ist für uns kein Hobby, Musik ist für uns unser Leben. Unser ständiger Begleiter in allen Lebenslagen, egal ob positiv oder negativ. Musik ist das, was uns alle verbindet.

K. C.: Mit wem würdet ihr gerne mal zusammenarbeiten – und warum?
E: Alleine über unser Label Echozone haben wir natürlich schon gute Kontakte zu anderen Bands, wie beispielsweise Traumtänzer, Leichenwetter, Mundtot und Mystigma. Aber natürlich hat man auch noch persönlich so seine Favoriten, mit wem man ganz gerne mal zusammenarbeiten würde, so unter anderem ASP, Mono Inc., Evanescence, Nightwish, In Flames, Ville Valo von Him, Hannibal, Lahannya, Eisbrecher und auch Rammstein. Alle diese Bands stehen da aus einem Grund: Weil alle grandiose Musiker sind und es eine Ehre für uns wäre, mit diesen Bands zusammenspielen zu dürfen. Auch wenn diese Bands wohl eher allesamt unwahrscheinlich sind. Aber man wird ja noch träumen dürfen.

K. C.: Wo würdet ihre gerne mal auftreten?
E: Hier verhält es sich ähnlich wie bei den Wunschbands, geträumt wird viel. Aber zu einem Auftritt beim Amphi Festival, M’era Luna, Rockharz, Deichbrand, Rock am Ring / Rock im Park, Sonisphere oder Nova Rock würden wir definitiv nicht nein sagen.

K. C
.: Welche Pläne habt ihr für die Zukunft?
E: Wir hoffen natürlich auf einen erfolgreichen Release unserer neuen Platte „Dark Asylum“ am 04.05.2012 und dann werden wir schauen, was die Zeit so bringt. Wir freuen uns auf jeden Fall auf alle kommenden Aufgaben, die auf uns warten. Fest steht, dass wir nicht nur regional im Rhein-Main-Gebiet, sondern auch überregional in ganz Deutschland unterwegs sein werden. Haltet also die Augen offen und schaut regelmäßig unter der Rubrik Live auf unserer Website www.elandor-band.com vorbei. Da seid ihr immer up to date.

K. C.: Ein paar Worte zum Abschluss?
E: Wir bedanken uns natürlich ganz herzlich bei allen, die uns auf unserem Weg durch die Musikszene begleiten, allen voran Ulf Müller und Jörg Tochtenhagen, Torsten Geyer, Tim Aßmann und all unseren Freunden, die uns hierbei unterstützen. Vielen Dank nochmals dafür.

K. C.: Vielen Dank für das Interview!
E: Wir bedanken uns ebenfalls.

Albrecht Dürer

Albrecht Dürer, Nürnberg.bayern-online.de

Albrecht Dürer, Nürnberg.bayern-online.de

Albrecht Dürer ist ein deutscher Künstler, der zur Zeit der Renaissance lebte und wirkte. Er ist mir schon so manches Mal in der Alten Pinakothek und in Zeitschriften begegnet. Angeregt und unterstützt durch das Buch „Albrecht Dürer – Genie zwischen Mittelalter und Neuzeit“ von Anna Schiener und durch die neuesten Eindrücke aus meinem Besuch in der Alten Pinakothek, versuche ich hier einen Blick auf sein Leben zu werfen: Weiterlesen

Interview mit Vadot

Düsterer Synth- und Electropop erklingt, wenn man die Musik von „Vadot“ hört. Das Berliner Trio hat vor zwei Jahren die Neun-Track-EP „In Gottes Namen“ veröffentlicht und damit auf sich aufmerksam gemacht und arbeiten fleißig am nächsten Album. Sie haben sich die Zeit genommen, ein paar Fragen zu beantworten, um sich vorzustellen.


Vadot – Gegen inhaltliche Verflachung von Songtexten
Quelle: Vadot

Kyra Cade: Wer steckt hinter Vadot?
Vadot: Beate von Shuffle – am Schlagzeug; Skeet – an den Maschinen; Vadot – zuständig für Gitarre und Gesang besetzen die Band.

K. C.: Welchem Genre kann man euch zuordnen?
Vadot: Electro, Rock, Alternativ, um es in eine Schublade zu packen. Wir haben uns jedoch nie Gedanken um ein bestimmtes Genre gemacht. Wir sind alle große 80´s Fans. In den 90ern haben wir die „Pumpkins“, „Metallica“ und „Fünf Sterne Deluxe“ durch unsere Boxen gejagt. „Vadot“ liegt mit all den Einflüssen irgendwo dazwischen.

K. C.: Seit wann macht ihr Musik?
Vadot: Wir haben uns als Band Ende 2008 gefunden. 2009 spielten wir die ersten Konzerte zusammen. Aber natürlich gab es für uns alle einen großen Amöbensumpf an musikalischem Schaffen vor „Vadot“.

K. C.: Welche musikalischen Vorbilder waren prägend?
Vadot: DAF, Depeche Mode, The Cure, Smashing Pumpkins.

K. C.: Was macht „Vadot“ aus?
Vadot: Wir gehen alle sehr respektvoll miteinander um. Die Meinung des Anderen ist uns allen sehr wichtig. Die Band ist in gewisser Form für uns alle Zuflucht und Ruhepol. Das ist etwas sehr Kostbares.

Inspirieren kann alles

K. C.: Auf eurer CD „In Gottes Namen“ (2010) schlagt ihr ernste und auch sehr kritische Töne an. Habt ihr eine Message?
Vadot: Es gab in vielen Zeiten oft nur die Kunst oder die Musik als Zuflucht für eine freie, eigene Meinung. Ich vermisse diese Stimmen heute manchmal. Es gibt doch in unserer Welt mehr zu kritisieren denn je. Natürlich brauchen wir alle mal eine Auszeit. Feiern ist wichtig. Die zunehmende inhaltliche Verflachung jedoch nervt. Ich finde, das eine muss das andere nicht ausschließen. „Guten Tag, ich will mein Leben zurück“ von „Wir sind Helden“ ist für mich das beste Beispiel gegen den Stumpfsinn. Tanzbare Kritik üben, mit positivem Statement zum Leben.

K. C.: Gibt es Themen, über die ihr nie singen würdet?
Vadot: Das kann ich so nicht sagen. Man sollte niemals „nie“ sagen. Wer weiß, was das Leben noch für uns bereithält. Falls mich morgen ein Hamster inspiriert, bekommt er vielleicht auch eine Textzeile geschenkt.

K. C.: Wer oder was inspiriert euch?
Vadot: Hamster, Primeln und Elefanten ;) .

K. C.: In „Scheit Für Scheit“ zitiert ihr aus dem Märchen „Der junge König“ von Oscar Wilde. Warum hat euch gerade der dort beschriebene Traum von Tod und Habgier angesprochen?
Vadot: Ich fand die Geschichte einfach sehr passend zum Songthema. „Du wirst verglühen in den Flammen Deiner selbst“.

K. C.: Ihr bringt demnächst ein neues Album raus. Was erwartet uns?
Vadot: Es ist so ziemlich das Aufwendigste, was wir bisher produziert haben. Im Vorfeld gab es an die 30 Songs. Unzählige Textideen. Ganz zu schweigen von den nicht enden wollenden Versionen der einzelnen Lieder. Das Album wird wärmer und facettenreicher als sein programmatischer Vorgänger. Wir haben Stück für Stück zusammen erarbeitet und unseren gesamten Schweiß dort hineingegossen. Ich freue mich riesig auf die Veröffentlichung.

K. C.: Gibt es Autoren oder literarische Werke, die euch besonders am Herzen liegen?
Vadot: Hermann Hesse, Herta Müller, Sven Regner.

K. C.: Welche Musik hört ihr gerne?
Vadot: Krawall und Remmidemmi.

„Enthusiasmus auch noch in zehn Jahren“

K. C.: Mit wem würdet ihr gerne mal zusammenarbeiten – und warum?
Vadot: Uns würden sicher drei Seiten mit Namen einfallen. Keine Frage. Mit wem ist aber eigentlich gar nicht so spannend. Es gibt viel mehr Ideen für Songs und Platten, als sich momentan aus Zeitgründen umsetzen lassen. Sollten wir auch nur ein Drittel unserer Ideen verwirklicht haben, können wir ja mal über eine Kooperation mit „The Cure“ nachdenken.

K. C.: Wo würdet ihr gerne mal auftreten?
Vadot: Im Bällchenparadies von IKEA… Nein, im Ernst! Wir sind da leidenschaftslos und hart im Nehmen. (lacht)

K. C.: Welche Wünsche habt ihr für die Zukunft?
Vadot: Wir möchten das Ganze in zehn Jahren noch mit dem selben Enthusiasmus machen wie heute. Das würde uns wirklich sehr glücklich machen.

K. C.: Ein paar Worte zum Abschluss?
Vadot: Vielen Dank für das nette Interview. Es ist toll, dass es immer wieder engagierte Leute wie Euch gibt. Ihr macht die eigentliche Basisarbeit. Die Profis bedienen sich nur mittels „Copy & Paste“ .
Vielleicht noch etwas in eigener Sache…
Wir gehen für zwei großartige Festivals in diesem Monat mittels Online-Wahl ins Rennen. Wenn Ihr uns unterstützen möchtet, dann stimmt auf „Rock im Stadtpark“ für „Vadot“ mit „Gefällt mir“ + VADOT in „Berlin umsonst und draußen?“. Wir brauchen auch hier Eure Unterstützung per Mausklick. Hier geht es zu der Abstimmung:
03.08.2012 – ROCKIMSTADTPARK / Magdeburg
29.06.2012 – ROCKIMGRÜNEN / Berlin – Umsonst und Draußen

K. C.: Vielen Dank für das Interview!


Vadot – Noch viele Ideen in petto
Quelle: Vadot

Interview: Die Vorboten

Wenn man „Die Vorboten“ liest, denkt man in diesem Jahr vermutlich an böse Omen, die den angeblichen Weltuntergang verkünden. Doch weit gefehlt. „Die Vorboten“ kommen aus Norddeutschland und machen Musik, Kraut-Metal, um genau zu sein. Wer sich dahinter verbirgt erzählt uns Sänger und Gitarrist Karsten Palitschka in einem kurzen Interview.


Die Vorboten

Kyra Cade: Wer sind Die Vorboten?
Karsten Palitschka: „Die Vorboten“ sind fünf Typen aus Norddeutschland, die sich zum Ziel gesetzt haben, den Kraut-Metal zu erfinden. Das sind neben mir – Karsten Palitschka (Gesang, Gitarre) – Philipp Krätzer (Keyboards, Synthesizer), Thomas Mende (Gitarre, Zweitgesang), Florian Hermann (Schlagzeug) und Stephan Schuster (Bass). Das Songwriting liegt allerdings hauptsächlich in den Händen von Philipp und mir.

K. C.: Wie kamt ihr auf den Bandnamen?
K. P.: Unsere Vorgängerband „Kingdom Gone“ hatte einen Song namens „Die Vorboten“ im Repertoire. Der Name verkündet etwas Kommendes und kam uns auf unserer Mission, eine eigene Identität, ein eigenes Genre zu erschaffen, gerade recht.

K. C.: Ihr beschreibt eure Richtung als „Kraut-Metal“, also sehr gitarrenlastiger Metal. Wieso habt ihr euch für dieses Genre entschieden?
K. P.: Nein, Kraut-Metal ist Metal mit starkem elektronischem Einschlag, deutschen Texten, realen Inhalten und das Spiel mit dem sprachlichen Ausdruck. Wir bedienen uns vielmehr der typisch deutschen Tradition. Wir nennen das Kraut! Das sind vor allem die hier erfundene Elektronika, deutsche Texte, Inhalte über Themen, die genau hier passieren und der Kinski-mäßige Umgang mit der deutschen Sprache. Warum das Ganze? Wir bauen uns unsere eigene musikalische Identität auf und dafür müssen wir gar nicht weit weg. Viele eifern englischen und amerikanischen Musikriesen nach; das würde uns langweilen. Unsere Inspiration ist das Hier und Jetzt.

K. C.: Was unterscheidet euch von anderen Bands?
K. P.: Wir machen Metal mit realen Inhalten, deutschen Texten und klanglichen als auch sprachlichen Experimenten! Ich kenne keine Band, die all diese Elemente auf eine ähnliche Weise kombiniert wie wir. Wir setzen außerdem auf griffige, melodische Songs, die uns selbst mitreißen und uns zu energischen Liveshows motivieren, in denen wir viel mit dem Publikum agieren, anstatt einfach nur zu spielen.

K. C.: Welche Musiker haben euch als Band am meisten beeinflusst?
K. P.: Wir haben kein festes Vorbild. Einflüsse kommen überall her. Ob textlich oder musikalisch konsumieren wir aus unterschiedlichen Genres und finden am Ende des Songwritings nicht zu den Ursprüngen zurück. Und das ist auch gut so.

„Wir verschenken gerne unsere Musik“

K. C.: Ihr habt letztes Jahr euer erstes Album unter dem Titel „Aufschrei“ veröffentlicht. Seid ihr zufrieden mit der Resonanz?
K. P.: Wir können schon zufrieden sein, wenn man bedenkt, dass die Leute uns entweder lieben oder hassen. Es ist besser, ausgewogenes als einseitiges Feedback zu bekommen. Lieber sauer aufstoßen als geschmacksneutral zu sein. Schade war natürlich schon, dass wir grade in Deutschland vielen schwer zugänglich gewesen sind, zumal die ausländischen Reviews durchweg positiv waren. Aber das hat sich mit der neuen EP „Sturm & Drang“ jetzt ja auch hierzulande geändert.

K. C.: Ist bereits ein neuer Longplayer in Arbeit?
K. P.: Der ist sehr wohl in Arbeit und bereits in einem fortgeschrittenen Stadium. Die Texte und Songs sind soweit alle so gut wie fertig und die ersten Demos werden in Kürze schon an unsere Newsletter-Leser geschickt. Wer mithören will und seinen Senf dazugeben will, kann sich eintragen und bekommt gleich die neue EP als Vorgeschmack gratis dazu, unter http://musik.dievoboten.de

K. C.: Mir ist aufgefallen, dass ihr wahnsinnig viel veröffentlicht. Es gibt immer wieder kostenlose Downloads neuer Songs. Ein recht seltenes Angebot. Warum macht ihr das?
K. P.: Wir wollen in erster Linie gehört werden. Deshalb verschenken wir gerne unsere Musik. Wer uns mag, der kann uns kaufen, muss aber nicht. Wer unsere neue EP „Sturm & Drang“ als echte CD haben will, gibt in unserem Online-Shop so viel, wie er für richtig hält. Oder eben gar nix. Viel wichtiger ist uns, dass man uns weiterempfiehlt und uns damit hilft gehört zu werden. Und sei es einfach unseren Gratis-Downloadlink dem nächsten Kumpel zu schicken oder uns auf Facebook zu liken. Das bedeutet uns viel mehr und bringt uns dazu, weiterhin „wahnsinnig viel“ zu veröffentlichen.

Volle Konzentration auf Kraut-Metal

K. C.: Was sind eure persönlichen TOP 3-Alben?
K. P.: Wir hören alle komplett unterschiedliche Musik, dass wir das gar nicht für uns verallgemeinern können. Bei mir ändert sich das fast wöchentlich.

K. C.: Mit welchem Künstler / welcher Band würdet ihr gerne mal zusammenarbeiten?
K. P.: Im Moment haben wir nicht das Verlangen mit irgendjemandem zusammenzuarbeiten, sondern uns vielmehr um uns selbst zu kümmern. Bevor wir mit anderen musikalischen Identitäten zusammenkommen, wollen wir erst mal unsere eigene Identität Kraut-Metal aufbauen. Das ist vorerst genug Arbeit und Anspruch an uns selbst.

K. C.: Welche Pläne habt ihr für die nahe Zukunft?
K. P.: Im Spätsommer das Album rausbringen, weitere Begeisterte für unsere Mission gewinnen und jede Menge live spielen. Wer uns in seiner Stadt sehen will, kann sich einfach unter booking@dievorboten.de melden. Wir sind für jeden Spaß zu haben.

K. C.: Ziele, Wünsche, Träume der Vorboten?
K. P.: Die Inspiration nicht verlieren und den Spaß erweitern!

K. C.: Ein paar Worte zum Abschluss?
K. P.: Stay Kraut!

K. C.: Vielen Dank für das Interview!
K. P.: Danke auch! Alles Gute.

Rezension: Bastian Bielendörfer – Lehrerkind


Der neue Spitzel des Lehrerzimmers

Bastian Bielendorfer ist für das schulische Leben gezeichnet: Er ist der Sohn einer Grundschullehrerin und eines Gymnasiallehrers und hat das zweifelhafte Vergnügen, seine 13 Schuljahre als Lehrerkind zu absolvieren – an den Schulen der Eltern. Damit hat er von Beginn an ein Kainsmal auf der Stirn, das sagt: Schlagt mich, quält mich, lasst euren Frust gegen meine Eltern an mir aus. Nicht nur das, denn Papa und Mama sind nicht nur Berufsdidakten, sondern auch zu Hause mit Fleisch und Blut Steißtrommler, was der arme Bastian ertragen muss.

Der Autor schreibt über seine Kindheit und Jugend. Mit viel Sarkasmus gelingt es ihm, die Schwächen und Marotten seiner Eltern für den Leser darzustellen, als wäre er dabei gewesen. Bielendorfer, Jahrgang 1984, hatte es nicht leicht, so schreibt er zumindest, und Mitleid bekommt man allemal. Sein Vater ist ein geborener Scherzkeks, der den Sohn zum Bravsein bringt, indem er von einem armen, gefangenen Markus erzählt, der aufgrund seines Ungehorsams für immer in ein Gefängnis eingesperrt wurde und nichts zu Essen bekommt. Als Bastian mit einer selbstgebastelten Schultüte sein Schulleben beginnt, zerreißt diese auf dem Schulhof und er ist der Loser der Nation. Ein halbes Jahr später steht er in Pumucklunterhose vor der Bildungseinrichtung, aus Solidarität mit den Kindern in Afrika. Dass alle anderen Kinder vollbekleidet zum Unterricht erscheinen, fällt dem kleinen Bastian zu spät auf.
Auch der vermeintliche Urlaub in Russland entpuppt sich als mittlere Katastrophe. Dafür hat der mittlerweile pubertäre Sohn endlich einmal die Chance, sich an seinem pseudowitzigen Vater zu rächen, in dem er „Moskau“ von Dschingis Khan umdichtet.
Das Buch ist sarkastisch, ernst und mit netten Beschreibungen bestimmter Lehrertypen gespickt. 24 Jahre aus dem Leben des Autors werden erzählt und bringen einen oft zum Lachen. Schade ist nur, dass Bielendorfer irgendwann auch sein Abitur erlangt und das Buch trotzdem weiterführt. Man liest noch über den Zivildienst und das Studium, was aber sehr langweilige Sequenzen werden, im Vergleich zum Vorherigen.
Dennoch lohnt sich die Biographie, die nahezu kein Klischee auslässt und wird zum amüsanten Zeitvertreib. Ob einem der Autor leidtut, muss jeder für sich entscheiden. Eines jedoch steht fest: Leicht hatte Bastian es nicht.

„Eins! Ich habe eine Eins!“ […]
„Aha.“ […]
„Gut, na ja, aber du kannst ja nichts dafür, das sind die Gene.“
[Lehrerkind, S. 9f.]

:buch: :buch: :buch: :buch: :buch2:

Bastian Bielendorfer – Lehrerkind. Lebenslänglich Pausenhof
Piper Verlag 2011.
304 Seiten
9,99 € Taschenbuch
Piper Verlag
Amazon.de

Rezension: Lotte und Sören Hammer – Schweinehunde

Selbstjustiz als einziger Weg zur Gerechtigkeit?

Fünf Männer werden erhängt und verstümmelt in einer Turnhalle gefunden. Ein Motiv scheint zu fehlen, bis eMails auftauchen, die das Vergehen der Täter anprangern. Während in Dänemark eine unvergleichbare Hetzjagd beginnt und das Volk zur Selbstjustiz greift, steht das Ermittlerteam vor einem Rätsel. Wer ist der Mörder und warum hat er ausgerechnet diese Männer ausgesucht?

„Schweinehunde“ ist eines der Bücher, die vielversprechend beginnen und dann zur Lesequal mutieren. Obwohl Gesichter und Geschlechtsteile verstümmelt sind und die Hände abgetrennt wurden, kommt das angeblich beste Ermittlerteam Dänemarks nicht auf den Gedanken, dass es eine sexuelle Komponente geben könnte. Während Leser, Medien und das gemeine Volk schnell vermuten, dass die Opfer wohl eher Täter waren, tappen Simonsen, die Comtesse und recht unbedarfte Polizisten im Dunkeln. Sogar als merkwürdige eMails verschickt werden, die klar sagen, dass es sich bei den Leichen um Pädophile handelt, dauert es unendlich lange, bis der Kommissar dann doch mal davon ausgeht, dass Vergewaltiger aufgeknüpft wurden.
Unbegründet bekommt Simonsen freie Hand und unerschöpfliche finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt, um den Fall aufzuklären. Dabei fragt sich jeder vernünftig denkende Mensch: Was macht der Mann da? Sinnlos schickt er die Polizisten durch das ganze Land, damit sie dort Informationen einholen, die erheblich schneller und kostensparender per Mail oder Telefon weitergegeben werden könnten – und das geschieht auch. Während Pauline oder wahlweise auch Arne also durch das Land reisen, trudeln im Hauptquartier die angeforderten Infos ein und helfen doch nicht weiter. Immer wieder gibt es Szenenwechsel, die das Agieren der vermeintlichen Täter beschreiben und Dänemark stellt sich gegen die Polizei und schlachtet die nun öffentlich bekannten Pädophilen regelrecht ab.
Aus den USA ist bekannt, dass gegen aus der Haft entlassene Vergewaltiger ähnlich vorgegangen wird, so fremd erscheint einem die Beschreibung also nicht. Und natürlich steht man nicht auf der Seite der Täter – aber man hat doch ein gewisses Maß an Rechtsempfinden.
Das Buch wirkt unzusammenhängend und lieblos. Plötzlich duzen sich zwei Personen, die sich ein paar Sätze weiter im gleichen Gespräch doch wieder siezen. Das Ermittlerteam arbeitet weder zusammen noch effizient, jeder macht, was er will und irgendwie wird der Fall schon gelöst werden. Unvermittelt ist jemand tot und das bereits seit zwei Tagen, konnte aber eben noch aktiv werden. Es ist nicht seltsam, dass Briefe von Verstorbenen versandt werden – das kann durch Dritte geschehen, natürlich, aber der Kommissar wundert sich nicht einmal, versucht nicht, Spuren zu entdecken oder Hinweise auf den Absender. Als schließlich das ganze Land weiß, dass es an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Uhrzeit ein großes Interview mit einer involvierten Person geben soll, wissen die Ermittler angeblich immer noch nichts davon, verfolgen keine Mitteilungen auf einschlägigen Homepages und sind überrascht, als am nächsten Tag die Proteste beginnen, zu denen aufgefordert wurde. Ach ja, und Gesetze lassen sich inklusive Gesetzentwurf, Sitzung, Abstimmung etc. binnen weniger als 24 Stunden ändern.
Gefährlich sind zwei Dinge an diesem Roman: Erstens wird zur Selbstjustiz aufgerufen und die Welt strikt in Schwarz und Weiß geteilt. Keine Grautöne, keine Abweichungen. Zweitens, und das finde ich persönlich geradezu dramatisch, werden die Opfer der sexuellen Übergriffe alle gestellt. Zwar gibt es laut Roman eine ungeheuer große Zahl an missbrauchten Kindern, die auch bereit sind, über die Übergriffe zu sprechen. Aber anstatt sie auftreten zu lassen, werden Schauspieler eingesetzt und schließlich kommt raus, vieles ist unwahr. Es wird das Bild einer großen Lüge gezeichnet: Pädophilie existiert kaum, meist sind die Fälle nur ein Produkt reger Fantasie, also ist das alles nicht so schlimm. Das kann absolut nicht Tenor eines Romans sein, der allem Anschein nach auf dieses brisante Thema hinweisen und zumindest fiktiv ein wenig Gerechtigkeit einfordern will.
Die beiden Autoren scheinen leider vollkommen am eigentlichen Ziel vorbeigeschrieben zu haben und gestalteten ein langweiliges Werk, das nur so trieft vor Logikfehlern. Fast erscheint es, als hatten Lotte und Sören Hammer eine Idee und haben ohne Feinabstimmung abwechselnd die Kapitel oder bestimmte Erzählstränge verfasst, die dann einfach aneinandergereiht wurden. Sehr schade, denn die Idee ist gut, die Ausführung jedoch eine glatte Sechs.

:buch: :buch2: :buch2: :buch2: :buch2:

„Es ist nicht genug Platz zum Spielen“, rief er ihr aus der Halle zu.
„Warum nicht?“
„Weil da Männer hängen.“
„Dann spiel um sie herum.“

(Schweinehunde, S. 11)


Lotte und Sören Hammer – Schweinehunde
Übersetzung aus dem Dänischen: Günther Frauenlob
Droemer Verlag, 2011
550 Seiten
16,99 Euro (Hardcover)
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Verlagsgruppe Droemer-Knaur

Rezension: Max Urlacher – Die Putzi-Diaries

„Marianne, bitte, Sie sind eine Dame.“ – „Ich bin keine Dame.“

urlacher

„Putzi hatte beschlossen, mich zu mögen. Uneingeschränkt. Bedingungslos. Mit Wucht. So wurde die Putzfrau Marianne Schneider – mit ihren dicken Armen für die Arbeit und ihrem prallen Herzen fürs Übrige – Teil meines Lebens.“

Max Urlacher ist Schauspieler, Single, Mann und von daher schon mal wenig prädestiniert für die makellose Erledigung des Haushaltes, weshalb er sich nach einer Putzfrau umsieht. Empfohlen wird ihm Marianne Schneider. Doch wenn er gedacht hat, ihm müsse die Frau gefallen, die in seiner Wohnung die Herrschaft übernehmen wird, hat er sich getäuscht. Marianne hat Ansprüche und putzt nicht bei jedem, so dass sich Max schwuppdiwupp bei ihr in der Küche zum Antrittsbesuch und zur genauen Überprüfung seiner Persönlichkeit wiederfindet. Zwar redet Marianne die meiste Zeit über sich selbst – und sie hat viel zu erzählen! –, aber irgendwie besteht der eingeschüchterte Max den Test und wird ihr neuer Kunde. Ehe er sichs versieht ist Putzi, wie er sie schon bald liebevoll nennt, Ratgeberin in allen Lebenslagen, Köchin meistens schmackhafter Eigenkreationen und Karriereberaterin, zieht ihn hinein in ihr turbulentes Leben und ihre immer frei Schnauze geäußerten Ansichten, Gefühle und Gedankengänge. Doch so resolut Putzi auf der einen Seite ist, so empfindsam und verletzlich ist sie auf der anderen: Eines Tages bittet sie Max, sie als moralische Unterstützung auf ihr 40jähriges Klassentreffen am Bodensee zu begleiten, weil sie dort ihre verflossene Liebe von damals, Gerhard, wiedertreffen wird, den sie nie vergessen konnte und mit dem sie so gern einen Neuanfang wagen würde. Max kann diese Reise von Berlin an den Bodensee mit einem Reportageauftrag über die Romantische Straße verbinden, und schon geht es los: Das Putzi-Mobil (Max’ Auto) wird bis unters Dach mit lebensnotwendigen Dingen vollgeladen, Putzi quetscht ihre quadratische Figur hinters Lenkrad – Max fährt zu langsam –, und eine turbulente Reise quer durch Deutschland kann beginnen, bei der die beiden zu echten Freunden werden, Haschzigaretten mit einem fast italienischen Eisverkäufer rauchen, zwischendurch einen Freund von Max als Reisebegleitung haben, der gern als Inge-Meysel-Imitator auftritt, in einem Hotel auf eine echte Berühmtheit treffen und schließlich tatsächlich auf dem gefürchteten Klassentreffen landen. Ob Putzi Gerhard wiedertrifft und was aus den beiden wird, soll dann jeder selbst nachlesen, das große Finale sei hier nicht verraten.

Zuerst einmal: Putzi gibt es wirklich! Sie heißt tatsächlich Marianne, allerdings nicht Schneider, putzt bei Max Urlacher, der Theater- und Filmschauspieler ist, und die beiden haben all das, wovon in diesem Buch erzählt wird, erlebt. Vielleicht nicht immer ganz exakt so wie beschrieben, schließlich ist Max auch Schriftsteller, manchmal sollten auch Persönlichkeitsrechte gewahrt bleiben, und manchmal musste Max beim Schreiben die Wahrheit noch entschärfen, weil die Leser ihm sonst gar nichts mehr geglaubt hätten. Was nun letztendlich Tatsache und was schriftstellerische Freiheit ist, bleibt der eigenen Interpretation überlassen, aber das Wichtigste ist sowieso der Mensch Marianne, und der ist eine Wucht. Klein, Anfang sechzig, so breit wie hoch, mit einem (fast) unerschütterlichen Selbstbewusstsein, viel Lebensweisheit, viel Humor, einem durchaus vorhandenen Liebesleben (was für Max immer viel zu viel Information ist) und herrlichen Schrullen.
Max Urlacher schreibt liebevoll und voller Respekt über seine Putzi, sehr selbstironisch über sich selbst und höchst anschaulich über ihre gemeinsame Reise die Romantische Straße entlang. Lesen und sich über den grandiosen Fototeil in der Buchmitte amüsieren!

Zum Weiterlesen gibt es den Putzi-Blog: http://maxurlacher.com/putzi-blog/

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Max Urlacher ist Jahrgang 1971, aus Berlin, hat in München die Otto-Falckenberg-Schule besucht und arbeitet als Schauspieler für Theater und Fernsehen. Er hat bereits zwei Bücher veröffentlicht, 2005 Los Angeles-Berlin, ein Jahr, ein Briefwechsel zwischen ihm und seiner guten Freundin Franka Potente, sowie 2010 Rückenwind, sein erster Roman.

Verlag: Droemer
Ausgabe: Paperback (Klappenbroschur), 207 Seiten mit Fototeil
Preis: € 14,99 (eBook: € 12,99)

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