Frisch, frech, fröhlich, freizügig

GeschlechtsteilchenZwölf (oder zweimal Sex) Geschichten über Sex, den Spaß, der damit einhergeht oder einhergehen kann, humorvoll verpackt von einer neuen Autorin, die uns an ihren fantasiereichen intimen Gedanken und Erzählungen teilhaben lässt.
Schon die Eröffnungsgeschichte mit dem Titel „Kopfharem“ hat mich viel grinsen lassen und zeigt einer Frau eine Möglichkeit auf, wie man sich so manche Stunden am Tag vertreiben könnte. Aber die ist eher zum „Warm“-werden.
Bei „Aufpeppen“ wird dem weiblichen Wesen unter anderem erzählt, dass „die Qualität des Sex von der Lust der Frau bestimmt“ wird. Und dass so manches dafür getan werden kann, um selbst eingefahrene Beziehungen im Bett wieder zu erfrischen.
Dann gibt es da noch die zwischenmenschlichen Berührungen einer Hundehalterin und dem Trainer ihres Vierbeiners, obwohl anfänglich nicht klar ist, dass dies so enden könnte.
In „VIP“ wird auch mithilfe von Boshaftigkeit erzählt, wie mit einer guten Portion Fantasie eine sexuell unterforderte Frau in den Mittelpunkt gestellt wird.
Das Highlight für mich war das große Kopfkino in „Geburtstag“. Mit ihrer Sprachgewandtheit und ihrem erotischen Feingefühl hat die Autorin eine Geschichte konstruiert, die viel Spannung und Knistern beinhaltet.

Lulu Bachmanns Wortwitz und ihre sehr gut ausformulierten Situationen sind es wert, gelesen zu werden. Die Frau von gestern, heute und morgen wird daran bestimmt Gefallen finden – ein Buch, das man gerne auch ein zweites Mal aus dem Bücherregal holt.
Einzig der Untertitel hat mich etwas irritiert: Ist eine Frau mit einer so reichen erotischen Fantasie gleich versaut? Ich kann das eindeutig mit „nein“ beantworten und würde mich auf ein Nachfolgewerk der Autorin freuen.

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Lulu Bachmann: Geschlechtsteilchen – Offenbarungen einer versauten Frau
Heyne HardCore Verlag, 2012
€ 7,99
Heyne Verlag
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5 Jahre als Studentin, Nutte,
Ehefrau und Geliebte

fucking-berlinDie junge Italienerin Sonia Rossi kommt nach Berlin, um Mathematik zu studieren. Die finanziellen Mittel reichen nicht aus, darum verdient sie neben ihrem Studium ihren Lebensunterhalt als Prostituierte in Massagesalons, Bordellen und ähnlichen Etablissements. Im Verlauf dieser Geschichte spielen auch ihr Mann Ladja sowie Milan, ihr Geliebter, und am Ende ihr Sohn eine Rolle. Sie verlässt das Rotlichtmilieu nach fünf Jahren, eine lange Zeit zwischen vielen Männern mit unterschiedlichen Wünschen, verschiedenen Kolleginnen, Erfahrungen in anderen Städten und dem normalen Leben.

Dieses Buch ist ein Erfahrungsbericht über ein Studentenleben in Berlin, gewürzt mit den besonderen Themen „Huren, Freier, Sex u. Co.“. Man kann gut nachvollziehen, dass nach Rossis Ankunft in Berlin nicht alles glatt lief. Nach ihren schlecht bezahlten Jobs, unter anderem als Kellnerin, führt sie ihr Weg über das Internetstrippen in die Welt der Ganzkörpermassage, eines Nightclubs, zur Prostitution in- und außerhalb Berlins (auch in der Schweiz), um den Unterhalt für sich und ihre kleine Familie zu sichern.
Im Laufe der Geschichte lernt man Freund- und Feindschaften („Fotzenneid“) zwischen den Kolleginnen im Sexgeschäft und auch die Alkoholsucht und Drogenabhängigkeit im Bereich der Sexarbeiterinnen kennen. Aber auch die Hilfsbereitschaft einer fremden Kollegin in einem fremden Land, nachdem Sonia ungewollt schwanger wird.
Rossi versucht immer wieder ihren Weg aus der Prostitution zu finden, aber man kann Verständnis dafür aufbringen, dass sie nach Zeiten ohne Geld und des Hungers immer wieder in die Prostitution abrutscht.
Angereichert werden diese Seiten durch die Erzählungen, etwa von einem besonderen Kunden, den sie auch zu Hause besucht hat, weil er freundlich war, Zuwendung brauchte und sich dies im Laufe der Zeit auch bezahlt machte. Nicht wirklich gewundert hat mich die Geschichte über das sehr gute Geschäft mit einem Kunden, der die Vagina einer Schwangeren fotografieren wollte, weil es „nichts Geileres gibt“. Oder das Erlebnis mit einem Freier, der eine besondere Vorliebe dafür hatte, in der Unterwäsche seiner Oma verwöhnt zu werden.
Erschwert wird ihre Arbeit und ihr Leben vor allem durch ihren Mann. Es stellt sich dem Leser öfter die Frage, warum sie diesen Kerl so lange erträgt. Dann ist da noch Sonias Liebe zu Milan, ihrem verheirateten Geliebten, mit allen Vor- und Nachteilen.

Interessant finde ich so manche ihrer Anfügungen zu ihrem Job als Hure, wie zum Beispiel persönliche Bemerkungen zum Outfit und ähnliches, die zu erzielende Wirkung auf die Freier, Besonderheiten im Nightclub, das Preisniveau und den Aufenthalt in einem Laufhaus.
Der Roman ist einfach geschrieben, in der Art eines Erlebnisaufsatzes in der Grundschule. Das Buch gibt heitere und traurige, beklemmende und interessante Zeilen wieder. Man kann es lesen, muss aber nicht.

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Sonia Rossi: Fucking Berlin
Ullstein-Verlag, 2008, 9. Aufl., 2008
€ 8,95
Amazon

„Alles ist möglich. Dies ist London.“

Als die kleine Emily durch einen Unfall im Londoner Waisenhaus ein Auge verliert, stirbt für sie jede Aussicht auf eine Zukunft außerhalb des Heimes. Die kinderlosen Paare wollen süße Kleinkinder, keine „einäugige Missgeburt“, und genauso wenig ein „Schokoladenmädchen“. Also fristen Emily und ihre beste Freundin Aurora in der „Anstalt für heimatlose Kinder“ ihr tristes Dasein. Bis Emily eines Tages von einer Ratte angesprochen wird, die sie bittet, ein Auge auf eines der neuen Kleinkinder zu haben – das natürlich prompt von einem Werwolf entführt wird. So entkommen die beiden den grauen Wänden des Waisenhauses – dem strengen Blick des Reverends, den Schlägen des Hausmeisters und den Besuchen der unheimlichen „Miss Snowhitepink“, die Kinder mit sich nimmt und wenn überhaupt, dann nur hoch verstört zurückbringt. Plötzlich finden die Freundinnen sich in einer Welt wieder, die sie nie zu träumen gewagt hätten: die „Uralte Metropole“, die Stadt unter der Stadt, in der sich allerhand seltsame Gestalten tummeln und ein Geheimnis nach dem anderen gelöst werden will. Können die Waisen ihren Mentoren Wittgenstein und Micklewhite trauen? Und was ist mit Lord Brewster, der Ratte? Wer ist das Kind, auf das Emily hatte aufpassen sollen, und was hat das ganze eigentlich mit ihr und ihrem Glasauge zu tun?

Meisterlich entführt Marzi den Leser in eine Welt, die an märchenhaften Mysterien und Fantasie kaum zu überbieten ist. Die Uralte Metropole ist ein Gewirr aus Geheimnissen, Intrigen und machtpolitischen Spielchen, in dem das einzelne Leben nur wenig Wert hat. Und mitten drin zwei elternlose Mädchen, die nur mit großer Mühe herausfinden, was all die Erwachsenen eigentlich im Sinn haben.
London ist gekonnt und detailliert beschrieben, was der Geschichte für Kenner der Stadt ein vertrautes Gefühl vermittelt (auch wenn ich persönlich es merkwürdig finde, dass man hier ständig nur Kräutertee trinkt!), außerdem erinnert das britische Setting zuweilen auf charmante Art an Harry Potter. Davon abgesehen baut Marzi, geschickt wie immer, eine Fülle an Anspielungen auf Literatur, Musik und Film ein, die dem Roman und vor allem den handelnden Personen eine erstaunliche Tiefe geben. Es fallen Zitate aus Dracula, Sherlock Holmes, Faust und diverser elisabethanischer Lyrik. Sogar ganze Personen sind angelehnt an die Großmeister der englischen Literatur und Filme, so treffen wir doch auf den bezaubernd schönen Dorian und zwei Jäger mit bemerkenswerter Ähnlichkeit zu Rowan Atkinson.
Auch antike Mythen werden von Marzi eingeflochten, scheinen sich in Reihe und Glied anzuordnen, um sich logisch und sinngemäß in seine Geschichte einzureihen, egal aus welcher Epoche oder Kultur sie auch stammen. Jüdische Sagen treffen alttestamentliche Bösewichte, mit einem Hauch griechischer Mythologie garniert und den Geschichten der Moderne abgerundet. In London tummeln sich nicht nur Elfen, Werwölfe und Irrlichter, sondern sogar Engel und vergessene Götter haben ihren Weg in die Uralte Metropole unter der nicht ganz so alten Metropole gefunden. Und hier unten irgendwo, so munkelt man, sollen sich sogar noch wesentlich ältere und mächtigere Wesen herumtreiben, als die Protagonisten sich vorstellen können…
Den Mädchen, und mit ihnen dem Leser, wird im Lauf der Zeit klar, dass es in dieser Welt weder „Gut“ noch „Böse“ gibt, nur ein breites Spektrum an Graustufen. Vertraute werden zu Verrätern, im Feind scheint doch etwas Gutes zu sein, nicht einmal sich selbst kann man vollends trauen. Nur eins ist klar: Emily und Aurora würden immer zusammen bleiben. Oder? Letztendlich werden sich die Mädchen doch nur immer wieder bewusst, dass sie nichts als kleine Kinder in einer Welt sind, in der die Erwachsenen rücksichtslos nach Macht streben, und selbst die Engel scheinen nicht das zu sein, was sich ein Waisenkind darunter vorstellt.

Lycidas wird vom Ich-Erzähler Wittgenstein erzählt, der sich Emilys nach ihrer Flucht aus dem Waisenhaus annimmt. Dennoch springt Marzi, wo es nötig wird, in einen allwissenden Erzähler über, allerdings immer im Stile Wittgensteins, der seine Erlebnisse in diversen Rückblenden und Vorgriffen schildert. In diesen Stil muss man sich ein wenig einlesen, letztendlich gewöhnt man sich aber schnell und zumindest ich habe großen Gefallen daran gefunden, da sich über ganze Handlungsbögen hinweg der Kreis wieder schließt und letztendlich so die Quintessenz des Buches unterstrichen wird: „Zufälle gibt es nicht!“
Der erste Teil der „Uralte Metropole“ – Reihe besteht im Grunde aus einer Trilogie, mit dem typischen Aufbau des einleitenden Buches mit kleinem Showdown, ruhigem Zwischenteil, der vor allem der genauen Skizzierung der Charaktere dient, und großem Finale im dritten Teil. Marzi spielt hier geschickt mit Vor- und Rückgriffen, stets so subtil, dass er den Leser in ein regelrechtes Déjà-Vu drängt. Oft bemerkt man die eigentliche Handlung kaum, denn er versteht es prächtig, falsche Fährten zu legen und die Aufmerksamkeit genau so lange auf ein Thema zu richten, bis man es für wichtig hält, nur um dann an einem anderen Handlungsstrang weiter zu arbeiten.
Lycidas hat mich von der ersten Seite an gefesselt und nicht mehr losgelassen. Die geschickten Kapiteleinteilungen tragen dazu bei, dass man das Buch einfach nicht aus der Hand legen möchte, und die Geschichte ist zu fantastisch und gekonnt konstruiert, um Langeweile aufkommen zu lassen. Marzi ist ein Meister der Anspielungen und des organischen Erzählens, jede Anlehnung wird absolut nahtlos eingefügt und alles hinterlässt den merkwürdigen Eindruck, als könne es wirklich so sein. Trotz seines Hangs zu jugendlichen Protagonisten driftet Lycidas nie in die Sparte Kinderbuch ab, sondern zeigt schlicht die Hilflosigkeit der Unschuldigen in der heutigen, von Machtgier zerfressenen Welt.
Ein echtes Highlight der modernen Fantasy-Literatur!

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Christoph Marzi – Lycidas
Heyne, Taschenbuch, 2011
862 Seiten
9,99€

Lycidas bei Heyne

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Christoph Marzi

„I hate to love you, but I do…“

Die Fans haben sehnsüchtig gewartet, dass der 17.02.12 kommen möge. Nicht, weil die Faschingsferien in Bayern beginnen, sondern weil an diesem Tag eine neue Scheibe der St. Pauli Band Lord of the Lost in die Läden kommt. Die Hamburger, die sich selbst nicht in ein Genre zwingen lassen wollen, sich mal als „Pussy-Wetting-Goth-Rock“ vorstellen oder von Amazon jüngst als „Glam-Goth-Rock“ bezeichnet wurden, machen ihr eigenes Ding und bieten dabei eine breite Palette an musikalischen Stilrichtungen. Auch die neue EP „Beside & Beyond“ scheint so gar nicht zu dem bisherigen zu passen – und schließt genau deswegen nahtlos an die beiden letzten Alben an.
Der Vorverkauf begann am 15.01. und war gigantisch. Die eigentlich auf 1000 Exemplare limitierte EP ging weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln, landete auf Anhieb auf Rang 6 der Amazon Bestseller in der Sparte Musik und war Aufsteiger des Tages. Mit einem derartigen Erfolg hatte niemand gerechnet und nicht ohne Stolz teilte Bandleader Chris „The Lord“ Harms mit, dass es nicht bei den 1000 Exemplaren bliebe.

Nun ist sie also da, sehnsüchtig erwartet und die Zeit bis zum Album, das Mitte September erscheinen soll, überbrückend.
Sieben Titel, von denen keiner neu ist. Lediglich „Beyond Beautiful“ ist relativ unbekannt und stammt vom vergriffenen The Pleasures-Album „Oh Yeah“ von 2008. Ein sehr gefühlvoller Song, weiche Klänge, die ruhige Stimme des Sängers, der mal wieder Herzschmerz ins Mikro haucht, ohne dabei kitschig zu werden. Mit einer Melodie, die dahinplätschert, wird einmal mehr beschrieben, dass es mit der Liebe nicht so einfach ist und man jemanden hassen und gleichzeitig so sehr lieben kann. Unter der Regie von Moritz Krebs haben die Hamburger dazu einen Clip gedreht, der heute pünktlich um 12 Uhr auf youTube online gestellt wurde. Mit viel Gefühl und Ästhetik ist ein nicht jugendfreies Video entstanden. Von der anfänglichen Liebe zwischen den beiden Darstellern wird man eingefangen und sicherlich schlagen Frauenherzen höher, wenn der Chris Harms sich unbekleidet zeigt und dem wunderschönen und elfengleichen weiblichen Geschöpf widmet. Fast fühlt man sich als Voyeur, der da absolut nichts zu suchen hat. Im Vergleich zum Clip zu „Sex On Legs“, der das Sexuelle in der härteren BDSM-Gangart dargestellt hatte, lässt „Beyond beautiful“ kaum einen Wunsch von Romantikern unerfüllt. Bis Harms der Frau unter ihm ins Gesicht schlägt, sie würgt und fassungslos auf die zitternden Hände blickt, die so sanft und doch so brutal sein können. Detailaufnahmen der hübschen Darstellerin zeigen wundervolle lange Wimpern, die noch einmal unschuldige Schönheit repräsentieren. Der Song, um den es eigentlich geht, ist nur musikalische Untermalung, achtet man aber auf Text und Bild wird deutlich, wie fein beides aufeinander abgestimmt wurde.

Doch nun zurück zur EP, die mit dem zweiten Song Fans und Band einen Wunsch erfüllte. Letztere bekam nämlich endlich das Okay für die Coverversion von Lady Gagas „Bad Romance“, eine kleine Hommage an die vom Bandleader verehrte Sängerin. Live performen Lord of the Lost schon seit langer Zeit dieses Lied – und das auf beindruckende Weise. Wenn es dunkel ist und man eine „Gothic-Rock-Band“ vor sich hat, erwartet man kaum etwas aus den aktuellen Charts, das Chris Harms mit nicht weniger Sexappeal dem Publikum entgegenschleudert, als es Lady Gaga tut. Immerhin war es derart beeindruckend, dass ich auf die Band aufmerksam wurde, obwohl der Rest des damaligen Auftritts ein Rückkoppler-Desaster war. Trotzdem ist „Bad Romance“ etwas ruhiger als das Original und die musikalische Umsetzung mit Gitarrenklängen und wenig aufdringlichen Drums gefällt mir persönlich erheblich besser.

Auch „Dry The Rain“ ist dabei. Der Song vom Debütalbum „Fears“, eine rockige Nummer, die sich den Schmerz von der Seele schreit, ist für die EP in einer Akustikversion aufgenommen worden. Leise Pianoklänge und ein bisschen Gitarre, mehr braucht Harms nicht als Untermalung für seinen Gesang. Etwas befremdlich ist es schon, die Nummer plötzlich in derart milder Form zu hören, aber das passt zum Setting der EP, wie man an anderer Stelle noch feststellen wird.

Wem The Pleasures kein Begriff sind, hier eine kurze Einführung: Die ehemalige Band von Chris Harms ist ein Hamburger Glam-Rock-Quintett – dessen Drummer Christian „Disco“ Schellhorn seit Januar auch für Lord of the Lost die Sticks schwingt. Auf ihrem Album „Oh yeah“ von 2008 findet sich neben „Beyond Beautiful“ die schöne Ballade „October 29“, die nun auch ihren Weg auf die EP gefunden hat. Unterschiede? Ja, die gibt es, aber die sind recht marginal und würden sich in musiktheoretischen Details verlieren. Mal wieder ist von Liebe, von Angst und von allem die Rede, was weniger wert ist, was so nebenbei läuft, bis man die Eine im Leben trifft. Wunderschön für Verliebte eben.

Eine Pianoversion von „Love Is Not Enough“ vom „Antagony“-Album, stellt einmal mehr die Stimme des Bandleaders ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Das Piano ist nur Beiwerk, spielt die bekannte Melodie. Es fehlen die härteren Passagen vom Original, es fehlt das Verzweifelte, Aggressive, das man gewohnt ist.
Dafür wird das traurige „Sooner or later“, das allzu gerne als Zugabe bei Live-Auftritten gegeben wird, etwas melodiöser. Da ist plötzlich viel mehr Gitarre und Schlagzeug dabei, als auf dem „Fears“-Album, auch wird mehr ins Mikro geschrieen. Die dargebotene Live-Version versetzt diejenige noch einmal zurück zu dem Zeitpunkt, als Harms auf der Bühne kniete und dieses Lied als Abschluss eines Konzertes gegeben hat. Da hilft nur noch eins: Augen schließen und etwas mehr als vier Minuten träumen!

Mit Mono Inc. waren die Hamburger Glam-Goth-Rocker auf Tour. Dadurch sind sie einem breiteren Publikum überhaupt erst bekannt geworden. Nun haben sich die Bands zusammengetan und das oben bereits erwähnte „Dry The Rain“ gemeinsam als Orchester-Version eingespielt. Wer sich in Musik fallen lassen kann, der möge es tun und hier die Augen schließen. In meinem Kopf laufen dabei Bilder ab, nein, sogar ganze Filme: „Braveheart“, „Der Herr der Ringe“ oder auch ganz schnulzig „Vom Winde verweht“, denn das Stück würde so gut passen, wenn Scarlett ihrem Rhett in die Arme fliegt, die Gefährten gen Mordor ziehen oder Wallace für die Freiheit stirbt. Viel zu schnell aber ist es vorbei, leider. Diese Version hätte gerne doppelt so lang sein können.


Dank an Drummerin Any Wayst und Gitarrist Sebsta Lindström, die Ende 2011 die Band verlassen haben.

Fazit: Lohnt sich diese EP? Auf jeden Fall! Sie ist nachdenklich, zurückhaltend und traurig, wenn man sich denn so weit auf Musik einlassen möchte. Im Vordergrund steht die ruhige und dunkle Stimme von Chris Harms, der einmal mehr sein gesangliches Können unter Beweis stellt und damit absolut überzeugt. Die Instrumente treten meist in den Hintergrund und sind schmückendes, aber gelungenes Beiwerk. Ein richtiger Ohrwurm ist nicht dabei, dafür ist die EP auch nicht gemacht. Sie vermittelt viele Emotionen, Liebe, Freude, Hass, Trauer und einen großen Freiheitsdrang.

Lord of the Lost stehen derzeit mit Eisbrecher auf der Bühne, im Frühling / Sommer sind sie auf Festivals zu erleben und im Oktober 2012 als Support der Letzten Instanz.

Anspieltipp: Bad Romance

Lord of the Lost – Beside & Beyond
Label: Out of Line
17.02.2012
Preis: 9,99 € (Digipack: 4,73 €)

Beyond beautiful
Bad Romance
Dry The Rain (Acoustic Version)
October 29
Love Is Not Enough (Piano Version)
Sooner or Later (Stage Version)
Dry The Rain (Orchestra Version fest. Mono Inc.)

„Welche grausame Macht hat mich veranlasst, für eines der obskursten Magazine in der Geschichte des Verlagswesens über den Honolulu-Marathon zu berichten?“

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Cover

Für das Magazin Running fliegt Thompson nach Hawaii, um über den Honolulu-Marathon zu berichten – auf seine Weise, die wir bereits von seinem Bericht über das legendäre Mint 400 kennen. Er deckt sich mit diversen Rauschmitteln ein, fliegt auf die Insel, mietet einen Bungalow, sieht sogar einen Teil des Marathons vom Straßenrand aus, die Wahrnehmungsfähigkeit unterstützt durch jede Menge Alkoholika und Drogen.
Doch dann kommt ein Hurrikan auf, Thompson und sein Verleger Ralph nebst Familie sitzen fest. Das Chaos nimmt seinen Lauf und steigert sich in einer immer dichter und bedrohlicher werdenden Atmosphäre, bis es schließlich zur Eskalation kommt, als Thompson verkündet, er sei die Inkarnation des Hawaiischen Gottes Lono… Weiterlesen

„Ohne Sünde wär’s hier so langweilig“

Der Hirsch in Nürnberg füllt sich nur langsam. Die erste Reihe ist dichtbesetzt, Hauptsache eine Hand am Gitter, dahinter ist es leer. An der Bar tummeln sich einige Besucher, aber es scheint nicht voll zu werden heute Abend.
Weit gefehlt. Denn kurz bevor Hämatom auf die Bühne stürmen, füllt sich die Location doch und die ersten Sprechchöre rufen nach der Band. Die startet gleich voll durch, holzt drauf los und gibt mit dem ersten Song an, wo der musikalische Hammer an diesem Abend hängt. Das Publikum ist zweigeteilt: Entweder sind da kreischende Fans, die allem Anschein nach dieser Band hinterher reisen und jede einzelne Note der Songs im Schlaf kennen, oder aber es sind verwunderte Blicke derer, denen Hämatom noch fremd ist.
Während Sänger Nord sich die Seele aus dem Leib singt, drischt Drummer Süd auf sein Drumset ein. Die Hände sind oben, die Köpfe werden geschüttelt und die Texte laut mitgesungen. Mir fällt auf, dass viele Passagen der Lieder aus Sprichwörtern oder Kinderreimen bestehen, da fällt es nicht sehr schwer, beim zweiten Refrain auch die Stimme zu erheben.
Mit Totenkopfmasken, Spitznieten auf dem Kopf oder einer Henkersmaske präsentieren sich die vier Musiker gut gelaunt einem Publikum, das immer mehr Spaß an der Musik entwickelt. Man rückt nach vorne, klatscht mit, jubelt – und findet es toll, dass beim EAV-Cover „Willkommen im Neandertal“ ein Gorilla auf die Bühne kommt und sich hinter Percussions stellt. Selbiger tritt aber auch an den Bühnenrand und headbangt, wenn er sonst nichts zu tun hat. Ein gelungener Gag. Auch der Schnipselregen, der über die Fans ergossen wird, ist eine nette kleine Idee.
Viel Leidenschaft zeigt neben dem Sänger, der noch schnell „Spieglein“ zum Besten gibt und seinen Hass auf Heidi Klum und Topmodels rausbrüllt – sehr zur Freude der anwesenden Weiblichkeit -, auch Schlagzeuger Süd hinter seinen Drums. Dabei muss das arme Instrument dran glauben und ein Becken geht zu Boden.
Auch kritische Töne werden angeschlagen und so wird ein Schild hochgehalten, auf dem der letzte Refrain zum Mitsingen steht: „Schau, sie spielen Krieg. Ob er ihn wohl besiegt? Jetzt bluten sie aus Kopf und Bein, so doof muss man erst sein.“
Ein gelungener Auftritt von Hämatom, die dem Publikum ordentlich einheizen und Nackenschmerzen verursachen. Sie haben heute Abend sicherlich neue Fans dazugewonnen.

„Halb ausgezogen, aber glücklich.“

Die Umbaupause dauert nicht allzu lange. Es müssen schließlich nur die Bühne leergeräumt und das Schlagzeug ausgepackt werden. Es wird dunkel, Drummer Bam Bam stolpert auf die Bühne, findet aber doch noch seinen Platz. Nach und nach erscheinen die anderen Musiker, bis schließlich unter lauten Jubelrufen Lex nach vorne kommt und auch sofort loslegt. Das Publikum ist erstaunt, aber begeistert: Megaherz beginnen nicht mit den Songs des neuen Albums, sondern mit altbekannten Liedern, wie „Glas und Tränen“, „Beiß mich“ und „5. März“. Da kann jeder mitsingen und das wird auch getan. Auf diese Weise können auch die mithalten, die mit den neuen Texten noch nicht so vertraut sind. Lex spricht Nürnberg an, nimmt die ganze Bühne ein, läuft herum, tanzt, bangt, flirtet mit den Kameras und der ersten Reihe. Er ist gut gelaunt und auch wenn er einige Tage zuvor ankündigte, die Stimme sei angeschlagen: Davon ist nichts zu bemerken und der Sänger gibt wirklich alles. Die Band hat sichtlich Spaß, grinst, bewegt sich, animiert immer wieder zum Mitklatschen oder -singen.
Mit „Jagdzeit“ wird dann aber endlich Neues vom aktuellen Album „Götterdämmerung“ präsentiert. Der Hirsch kocht geradezu. Es wird gemosht, was das Zeug hält und in den ersten Reihen steht man dicht gedrängt, obwohl nach hinten viel Platz wäre. Die auftretenden Soundprobleme werden rasch behoben, viele bekommen davon nicht einmal was mit.
Zwischen den einzelnen Songs steht Lex lächelnd auf der Bühne, ruft den anderen Bandmitgliedern etwas zu oder zieht sich kurz um. Das schwarze Sakko wird gegen ein weißes ausgetauscht, das Licht wird zu einem bläulichen Schimmer und der „Mann im Mond“ steht allem Anschein nach wahrhaftig vor uns. Mit Gefühl präsentiert der Sänger den neuen Song und kommt damit gut an. Wie spontan der Ausflug ins Publikum war, weiß ich nicht. Jedenfalls stand „Freiflug“ nicht auf der Setlist. Der Sänger rutscht von der Bühne, dreht sich auf den Rücken und wird auf Händen getragen. Passend dazu sein Gesang: „Und ich flieg…“. Lex fliegt auf den Händen seiner Fans einmal quer durch den Hirsch. Mit einem Grinsen gelangt er schließlich wieder auf die Bühne und zupft seine Klamotten zurecht. „Halb ausgezogen, aber glücklich“, murmelt er.
Beim „Rabenvater“ wird sowohl auf als auch vor der Bühne der ganze Hass rausgebrüllt, ein ernstes und unschönes Thema, das Megaherz hier anschneiden.
Nach einer Stunde ist es vorbei und die Band verlässt die Bühne. Es gibt nicht einmal groß Applaus dafür, im Gegenteil: Sofort ertönen die Zugabe-Rufe und man muss Megaherz auch nicht lange bitten. Wunderkerzen werden verteilt und angezündet, „Happy birthday“ wird angestimmt und Lex setzt sich auf einen Barhocker auf die Bühne, grinst und bedankt sich. Überhaupt lacht der Frontmann ziemlich viel. Die gute Laune ist überdeutlich und ich habe noch nie einen Sänger derart gelöst auf der Bühne stehen sehen.
Drei Lieder gibt es, das Publikum wird zum Tanzen aufgefordert und interpretiert das ziemlich frei: Irgendwas zwischen Hüpfen, Bangen und tatsächlichen Tanzschritten wird versucht. Doch auch danach hat der Hirsch noch nicht genug und Lex kommt erneut nach vorne. Da die „alten Herren“ noch eine kurze Raucherpause brauchen, die Sucht will schließlich befriedigt werden, unterhält er die Fans mit einer etwas wirren Geschichte über lange Unterhosen, die er aber nicht trägt trotz der Kälte und seinen deshalb abgefrorenen Eiern, alles natürlich nur uns zuliebe.
Nach „Heute Nacht“ wird noch mal eines der schönen, alten Stücke ausgegraben. Denkt man, dass die Stimmung nicht noch besser, noch aufgeheizter werden könnte, wird man nun eines Besseren belehrt. Der Saal tobt! Lautstark wird mitgesungen, sich in den Armen gehalten, gebangt und mit den Fäusten in die Luft geschlagen, als jeder voller Inbrunst „Miststück“ brüllt. Vermutlich haben alle Anwesenden ein solches vor dem inneren Auge, das er gerade anbrüllt.
Zufrieden verlassen Megaherz nun die Bühne.

Es war ein toller Abend, beide Bands haben alles gegeben und berauschende Auftritte hingelegt. Der Nacken wird noch etwas schmerzen und die Stimme erst morgen zurückkommen, aber das war es wert.


Setlist Megaherz
Intro
Glas und Tränen
Beiss mich
5. März
Kopfschuss
Jagdzeit
Prellbock
Mann im Mond
Herz aus Gold
Dein Herz schlägt
Freiflug
Rabenvater
Feindbild
Gott sein
1. Zugabe
Licht am Ende der Welt
Abendstern
Heuchler
2. Zugabe
Heute Nacht
Miststück

Die Geschichte vom gothen Mädchen
und dem Bösen Wolf

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Die 17-jährige Vesper Gold hat es nicht leicht, glaubt sie zumindest. Nach der Scheidung ihrer Eltern soll sie nun bei ihrer Mutter leben, musste von Berlin nach Hamburg ziehen, spricht ihren Vater kaum. Die Mutter – eine weltweit gefeierte Pianistin – ist ständig unterwegs und hat keine Zeit für ihre Tochter, in die Schicki-Micki-Schule für verwöhnte Sprösslinge reicher Eltern passt Vesper, die am liebsten Schwarz trägt, natürlich auch nicht so recht hinein. Ihre einzige Freundin ist Ida,

Ein Märchen über große Liebe und großen Verlust, eingebettet in das Jahr 2010, das ist „Grimm“. Anfangs hatte ich aufgrund des Settings a la 17-Jährige bekämpft die dunklen Mächte die Befürchtung, es könne in ein Kinderbuch abrutschen, wurde allerdings eines Besseren belehrt. Die Geschichte bleibt bis zur letzten Seite fesselnd und voller unerwarteter Wendungen, ich wollte das Buch kaum aus der Hand legen. Marzi versteht es ausgezeichnet, den Leser zu fesseln und immer nur mit gerade so viel Spannung zu füttern, dass er den Bogen nie überspannt. Wo nun eigentlich „Gut“ und „Böse“ liegen, scheint niemand so genau zu wissen…eine alleinerziehende Mutter. Kurzum: Vesper ist ein verlorener Teenager, der sich in eine andere Welt wünscht.
Als sie von einem merkwürdigen Fremden verfolgt wird, ihr Vater unter mysteriösen Umständen stirbt und Vesper schließlich auch feststellen muss, dass ihre Mutter nicht mehr sie selbst ist, beginnt sie, sich ihr langweiliges Leben zurück zu wünschen, doch all dies ist nur der Anfang. Weltweit schlafen Kinder plötzlich ein und sind nicht mehr wachzubekommen. Wölfe streifen durch die Straßen, und scheinen es auf sie abgesehen zu haben. Und wer ist dieser komische junge Mann, den sie im Museum trifft? Die beiden verbindet mehr, als Vesper im ersten Moment gedacht hätte…

Sprachlich befinden wir uns auf einer geradezu märchenhaften Ebene. „Grimm“ liest sich durchweg wie ein modernes Märchen, wunderbar malerische Vergleiche und geradezu poetische Beschreibungen erleichtern es dem Leser, in diese Welt einzutauchen. Der Schreibstil ist zum Teil etwas assoziativ, oft werden Gedanken von Vesper wiederholt und verändert, um Situationen zu unterstreichen. Die Charaktere werden mit viel Liebe zum Detail beschrieben, und ein echtes Schmankerl für Freunde des britischen Fernsehens ist auch dabei: Leander ist der elften Inkarnation des „Doctors“ aus dem BBC Klassiker „Doctor Who“ nachempfunden. Vom Tweedanzug über die Fliege bis hin zu „GERONIMO!!“ passt alles perfekt, was mich mehr als einmal zum Schmunzeln brachte.
Erwähnenswert ist auch, dass Marzi regelmäßig diverse Lieder einflicht, die Vesper in Stresssituationen auf ihrem iPod hört, um sich zu beruhigen. Durch Titel und Texte, die wir alle kennen, fühlt man sich Vesper näher und kann sich so viel besser in ihre Gefühlswelt hineindenken, als in anderen Geschichten möglich wäre. Außerdem rückt die moderne Popmusik das Geschehen näher in die Wirklichkeit, die Welt scheint realer zu werden und man fühlt sich selbst in die Rolle des ganz normalen Mädchens versetzt, das erkennen muss, dass seine Welt nur eine Geschichte war.
„Grimm“ ist ausführlich recherchiert worden, allein die stets logisch eingebundenen Märchenfiguren und der Hintergrund, weshalb sie einst aus der Welt verschwanden, zeigt große Liebe zum Detail und eine sehr flexible Fantasie. Man findet beim genauen Hinsehen etliche Anspielungen, wie den erwähnten Doctor Leander oder ein kleines Zitat aus Shakespeares „Hamlet“. Das alles gestaltet die Geschichte enorm organisch und lebendig, als würde der böse Wolf jeden Moment aus dem Buch springen.
Zusammengefasst also ein irrer Lesespaß für Fans von Terry Pratchett, Neil Gaiman und Märchenbüchern, den man so schnell nicht vergessen wird. Christoph Marzi ist für mich die Entdeckung des Jahres, und ich werde hoffentlich seine anderen Werke verschlingen, so wie ich „Grimm“ verschlungen habe. Disney für Erwachsene!

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Christoph Marzi – Grimm
Heyne fliegt, Gebunden, 2010
556 Seiten
17,99€
Heyne
Amazon
Christoph Marzi

„Never again I see your face“

FragileChild können auf ein gutes Jahr zurückblicken. 2011 startete mit der Unterzeichnung des Plattenvertrags beim Label Schönklang, es folgten die „Selfhate-EP“ und die Auskopplung von „Ways of Redemption“ im Sommer. Neben zahlreichen Auftritten in Deutschland und den Niederlanden stand im September ein besonderes Highlight an: FragileChild waren als Support beim Gig der Hamburger Goth-Rock-BandLord of the Lost in Nürnberg dabei.
Bereits im Dezember wurde das aktuelle Album „Pulse of Life“ veröffentlicht. Mittlerweile haben die beiden Franken Dennis und Mex einen Musikclip zu „Deep Inside“ auf youTube gestellt. Der Song wird zudem im März 2012 als Remix auf einer DigitalSingle erscheinen. Keine Geringeren als Lord of the Lost haben sich dessen angenommen.
Zuvor veröffentlichen FragileChild aber am 27.01.12 die gleichnamige Single.

Eine ruhige Melodie durchsetzt mit etwas E-Gitarre und Elektro, so beginnt die Scheibe „Fragile Child“. Der Song „Foreve(r)“ lässt Raum für Träume und Erinnerungen: an die Liebste, an einen nahestehenden Menschen, an die, die uns verlassen haben. Beruhigend und fast tröstend klingt die Musik. Sicherlich ist es kein Titel, den man in Discotheken hören wird, aber für zu Hause, für besinnliche Minuten ist er genau richtig.
„Fragile Child“ hingegen wartet mit mehr elektronischen Klängen auf. Schnellere Beats und die unverkennbare Stimme von Sänger Dennis K. stehen hier im Vordergrund. Für alle Tänzer und Liebhaber des Darkwave à la Blutengel ist das Stück bestens geeignet. Der Text hingegen ist eher deprimierend. Vom Hineingeboren-werden in eine Welt voller Hass ist die Rede, von Leid und Schmerz; eben von allem, was ein Kind fragil, also zerbrechlich macht. Der Song ist eingänglich und hat Passagen, die aus reinen Synth-Flächen bestehen. Diese nehmen kurzzeitig das Tempo und die Härte aus dem Lied.
Mit einem schnellen Elektrobeat wird das letzte Stück eingeleitet. Ebenfalls sehr gut tanzbar und durchaus für den Mainstream geeignet. Vom Text sollte man sich dann allerdings nicht beeinflussen lassen. Der ist wieder melancholisch und stimmt sehr nachdenklich. „Wherever you are“ spricht vom Verlust, von einem leeren Platz im Leben und Blumen auf einem Grab. Fast erscheint es, als würden die Franken hier all ihren Schmerz rausbrüllen. Wer das aber ausblenden kann oder sich davon nicht beinträchtigen läßt, der hat hiermit einen wirklich guten, tanzbaren Song für die nächste Industrialparty vorliegen.

Fazit: Die Single ist gelungen und macht Lust auf mehr. Ein guter Start in ein neues Jahr ist hiermit gemacht und trotz der Melancholie, die in allen drei Titeln mitschwingt, deprimiert die CD nicht. Im Gegenteil: Es fällt schwer sitzenzubleiben und nicht das Tanzbein zu schwingen und sich passend zur Musik zu bewegen.


FragileChild – Fragile Child
Label: Schönklang
VÖ: 27.01.12

Foreve(r)
Fragile Child
Wherever you are