Reise: Subkultur in Japan – Teil 1: Harajuku (Tokio)

Harajuku (Tokio)

Im Juli ging für uns ein langgehegter Traum in Erfüllung: eine Reise nach Japan. Abseits der touristischen Sehenswürdigkeiten, die man ohnehin in jedem Reiseführer nachlesen kann, möchte ich euch von meinen Erfahrungen mit den verschiedenen Subkulturen berichten. In einem Land, in dem der gesellschaftliche Konsens vor allem darin besteht, möglichst wenig aufzufallen, sich an die breite Masse anzupassen und sein Leben der Firma zu widmen, ist das subkulturelle Leben eine spannende Sache.IMG_7342
Doch schon am ersten Tag im für seine farbenprächtigen Vertreter diverser Subkulturen berühmten Stadtteil Harajuku müssen wir feststellen, dass es gleichzeitig gesellschaftlich völlig akzeptiert ist, seine jugendlichen Verrücktheiten auszuleben, zumindest bis das erwachsene Arbeitsleben beginnt. Anders als in Deutschland nimmt niemand sonderlich Notiz von mir in meinem Achtzigerjahre-Waver-Outfit mit weiter schwarzer Pluderhose, Schnallenpikes und Silberketten und blau gefärbten Haaren. Harajuku liegt westlich des Zentrums mit dem Kaiserpalast und Tokio Station und zwischen Shinjuku im Norden und Shibuya im Süden mit seiner weltberühmten Shibuya Crossing und ist einfach per Metro (Chiyoda Line [C], grün) oder mit der Japan Rail Ring-Linie (Yamanote Line [8], grün) zu erreichen.Zunächst aber besuchen wir den direkt an Harajuku angrenzenden Yoyogi-Park, wo sich seit Mitte der Achtzigerjahre jeden Sonntag bei gutem Wetter Tokios Greaser treffen, um Rock’n’Roll zu hören, dazu zu tanzen und einfach eine gute Zeit zu haben. 1986 traf meine Freundin auf dem Marienplatz in München einen japanischen Touristen, der sich über die Münchener Rockabillys freute, die sich damals am Fischerbrunnen trafen. IMG_7354Er erzählte ihr von den Greasern in Tokio und schickte ihr sogar später Bilder. Und nun, dreißig Jahre später, tanzen sie immer noch und haben sich allein dafür jeden Respekt verdient. Sie sind sich und dem Rock’n’Roll treu geblieben und haben mit der Zeit ihren ganz ureigenen Stil entwickelt. Normalerweise in schwarzes Leder gehüllt, ist es dafür bei den heutigen 35°C im Schatten einfach zu heiß, aber Jeans geht ja schließlich auch. Die Ältesten unter ihnen sind schon Mitte 50, aber es gibt auch jugendlichen Nachwuchs zwischen elf und dreizehn Jahren. Im Tanzstil der Greaser sind auch Elemente aus dem Breakdance enthalten, bei denen die teuren Cowboystiefel über den Asphalt schrammen. Also werden die Stiefel immer wieder mit Panzertape umwickelt, um sie zusammenzuhalten. Es macht Riesenspaß, ihnen mit einem Kaltgetränk in der Hand zuzusehen, aber schließlich ziehen wir weiter ins benachbarte Harajuku. Hier in der Takeshita-Dori und den Straßen rundherum ist das Zentrum der Jugendkultur allgemein und der Cosplay- und Lolitakultur im Speziellen. Leider ist die Brücke zum Yoyogi-Park, normalerweise ein beliebter Treffpunkt zum Sehen und Gesehen werden, komplett leer. Ist es heute einfach zu heiß für aufwendige Rüschenkleider und Perücken? Nein, wir finden später heraus, daß die Treffen von der Polizei vor ca. einem halben Jahr verboten worden sind.
IMG_9072Das ist sehr schade, da wir auch im Shoppinggetümmel in den kleinen Gassen kaum Lolitas entdecken, dafür nutzt gefühlt halb Tokio den freien Sonntag für eine Einkaufstour. Es gibt hier wirklich unzählige abgefahrene Läden, die größenmäßig zum Teil auch auf Ausländer eingestellt sind. So toll manche Klamotten auch sind, so teuer sind sie allerdings auch. Achselshirts für umgerechnet 120 Euro sind keine Seltenheit, aber man kann auch Glück haben, da viele Läden auch preisreduzierte Waren anbieten. Sehenswert ist der Stadtteil aber allemal. Daher machen wir am nächsten Sonntag noch einmal die gleiche Runde, erst zu den Greasern in den Park, dann nach Harajuku. Hier erleben wir eine Überraschung, denn im Laforet-Kaufhaus ist Sonderschlussverkauf, und überall bevölkern hier Lolitas und lebende Püppchen durch die Geschäfte. Kein Wunder, dass letzte Woche in der Hinsicht so wenig los war, denn bei Kleiderpreisen ab 200 Euro hätte ich auch eine Woche auf den Schlussverkauf gewartet, um mein Taschengeld auszugeben. Man kann das jetzt natürlich zwiespältig betrachten, wenn Mädchen und junge Frauen sich sehr kindlich stylen, aber der Anblick ist zugegebenermaßen faszinierend. Auf keinen Fall auslassen sollte man das Geschäft 6% Doki Doki, denn hier ist alles grellbunt, schräg, und hundertprozentig typisch Harajuku (4 Chome-28-16 Jingūmae auf Google Maps). Hier gibt es auch Flyer für die legendäre Tokyo Decadance Party, aber dazu später mehr.

 

 

 

 

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