Reise: Subkultur in Japan – Teil 2: Golden Gai in Shinjuku (Tokio)

Golden Gai in Shinjuku (Tokio)

Westlich vom Kaiserpalast gelegen und nördlich von Shibuya befindet sich Shinjuku, das zweite beachtliche Zentrum in Tokio mit einem großen Bahnhof, Geschäftsviertel und Einkaufszentren. Dies erreicht man einfach mit der Metro (Oedo Line [E], pink; Shinjuku Line [S], hellgrün; Marunouchi Line [M], rot) oder mit der Japan Rail Ring-Linie (Yamanote Line [8], grün). Hier befindet sich auch das Rotlichtviertel Kabuchiko, in dem sich auch viele Clubs zum Ausgehen befinden. Wobei Rotlichtviertel irgendwie relativ ist, denn zumindest offiziell ist Prostitution in Japan verboten, und anders als in Deutschland ist es hier sehr sauber und nicht schmuddelig. Auch fehlt die Aura „des Gefährlichen“. Direkt angrenzend liegt die Golden Gai, ein kleines Viertel mit engen Gässchen und winzigen 200 Jahre alten Häuschen. Die Golden Gai hat sich nach dem Krieg zur Amüsiermeile entwickelt, und so trotzen die unzähligen kleinen Kneipen und Clubs bis heute allen Versuchen von Investoren, einfach alles abzureißen. Viele Läden sind ausschließlich Mitgliedern oder japanisch Sprechenden vorbehalten, aber genügend laden auch Touristen mittels englischen Schildern ein. Eigentlich allen liegt ein spezielles Motto oder Thema zugrunde, so ist eine Bar beispielsweise Horrorfilmen gewidmet und entsprechend mit Plakaten und Figuren dekoriert. Grundsätzlich ist für jeden Geschmack etwas dabei.hodbar

Wir besuchen in dieser tollen Umgebung die Punkrock-Kneipe Hair of the Dogs. Ein kleines Neonschild mit einem Irokesen-Punker und dem Schriftzug Hair of the Dogs sowie ein Ramones– und ein Sex-Pistols-Poster mit dem berühmten Never mind the Bollocks weisen den Weg. Der Laden ist wirklich winzig, es gibt einen Tresen von 1,50 m Länge und nur sieben Barhocker. Das Klo ist kaum größer als das Porzellan an sich, und die letzten zwei Leute am Ende der Bar müssen aufstehen, damit man das Klo aufsuchen kann. Außer uns sind zwei Jungs und ein Mädel aus Australien da sowie ein japanisches Mädel und ein ebenfalls japanischer älterer Herr von ca. knapp 60 Jahren.
IMG_7648Gleich als erstes erklärt uns die Bardame, dass wir pro Person eine Charge von acht € zahlen müssen, um hier trinken zu dürfen. Andere Länder, andere Sitten. Es ist in Japan weit verbreitet, für den Besuch von Kneipen und Cafés acht bis zehn Euro Eintritt zahlen zu müssen, vor allem wenn diese mit einem bestimmten Motto aufwarten. Der Vorteil dieser Praxis ist aber nun wiederum, dass im Hair of the Dogs nur Leute sitzen, die unbedingt hier sitzen wollen, denn es gibt auch in der Golden Gai einige Kneipen, die keine Charge verlangen und voll sind mit den üblichen Party-Backpackern.
Nicht, dass wir keine gute Stimmung hätten. Aus den Boxen dröhnt der Punk, und mit den Australiern kommen wir schnell ins Gespräch. Mit den beiden Einheimischen gibt es leider Sprachprobleme, da sie kein Englisch sprechen und wir natürlich kein Japanisch, allerdings müssen sie ohnehin tags darauf arbeiten und bleiben nicht mehr lange. Zum ersten Bier, das leider mit sechs Euro für 0,33 l für Japan normal, für uns aber natürlich alles andere als günstig ist, bekommen wir von der Bardame einen Musik-Katalog und dürfen uns einen Song aussuchen. Sie spricht leider auch wenig Englisch, aber mittels Übersetzungen mit dem Handy klappt es dann doch ganz gut. Alles in allem eine coole Location, in der wir bei guter Musik viel Spaß haben und länger bleiben, als wir das ursprünglich angedacht hatten.

hod118.com/en/punk-bar-shinjuku-tokyo

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