Rezension: Andrea Bottlinger – Aeternum

Gut ist Böse

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In Berlin gibt es eine Erschütterung, einem Erdbeben gleich, und der Alexanderplatz verschwindet im Nichts, als hätte es ihn nie
gegeben. Zurück bleibt ein tiefer Krater und die Stadt steht vor einem Rätsel. Auch Jul und Amanda wissen nicht, was genau passiert ist, sicher jedoch ist: Es war kein Erdbeben und keine natürlich Ursache. Amanda gehört einem Dämon und muss ihm dienen, will sie ihren gefangen gehaltenen Bruder nicht verlieren. Jul ist ein gefallener Engel, dem seine Flügel von Erzengel Michael abgeschnitten wurden. Nun kann er sie sich zurück verdienen und Amanda ihrem Herrn einen großen Dienst erweisen. Beide begeben sich in den Krater und auf die Suche nach dem Unfassbaren …

Nachdem Hexen (Harry Potter) und Vampire (Twilight) die Buchwelt beherrschten, kommen nun Engel dran. Andrea Bottlinger hat das rechtzeitig erkannt und einen spannenden Roman darüber geschrieben. Die Geschichte ist komplex, manchmal muss man noch mal nachlesen, wer gerade handelt und warum das problematisch ist. Dadurch wird das Lesevergnügen stellenweise ein bisschen getrübt, aber man findet sich dennoch rasch ein, lernt Amanda und Jul kennen, die bald auch aufeinandertreffen. Jul, der die Diener der dunklen Mächte bekämpft, Amanda, die sich unfreiwillig einem Dämon verschrieben hat, um ihren Bruder zu retten.
Bald schon dringen sie in den Krater ein und damit in ein Geheimnis um den Herrn und Dämon, Baal, den Widersacher Gottes. Eigentlich gibt es Gott nicht, er ist einfach verschwunden, vor Zeiten schon; Jul hat ihm abgeschworen und seine Flügel verloren. Dann aber geschah die Katastrophe am Alexanderplatz, und ein Video von seltsamen Wellenbewegungen tauchte im Internet auf. Erzengel Michael will Jul eine zweite Chance geben, die dieser ergreift, weil der Schmerz der abgetrennten Flügel zu bitter ist. Aber Jul verspielt seine Chance, verliebt sich in einen Menschen und lernt plötzlich Gefühle wie Mitleid und Liebe kennen.

Man muss weder gläubig sein, noch die Bibel kennen, um das Buch zu verstehen. Bottlinger gibt den Lesern alles an die Hand, was sie wissen müssen, und spinnt eine feine Fantasygeschichte um Engel, Dämonen, Macht und Ohnmacht. Aeternum ist wie eine Endzeitgeschichte, wie ein Armageddon, der Kampf zwischen dem Lamm und dem Tier. Vielleicht reizt das Buch zur Lektüre der Johannesoffenbarung, die anscheinend einen gewissen Grundstock des Romans darstellt.
Durch kurze erzählte Rückblicke baut sich langsam eine Art Weltgeschichte auf, die von Anbeginn der Zeit ein Kampf zwischen Baal und Gott ist.
Währenddessen scheint die Welt unterzugehen, ganz apokalyptisch eben, und man fragt sich: Wer muss gewinnen, damit die Welt gerettet wird? Kann sie gerettet werden? Und ist das Gute immer gut und das Böse immer schlecht?

Aerternum reißt mit und fasziniert. Ein toller Roman für Fantasyfans, der voller Historie und Religion ist und dabei die Frage nach Gut, Böse und der Apokalypse stellt.

Andrea Bottlinger, Jahrgang 1985, hat ihre Magisterarbeit über den Fatasyboom im deutschen Buchmarkt geschrieben und arbeitet als Lektorin und Autorin. Aeternum ist ihr Debütroman.

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Andrea Bottlinger – Aeternum
Droemer-Knaur, 2013
576 Seiten, Taschenbuch
12,99 € (Kindle: 10,99 €)
Amazon

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1 Antwort
  1. Enchi
    Enchi says:

    Das klingt absolut nach einem Buch, das mir gefallen könnte! Danke fürs Besprechen! :)

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