Albträume garantiert

serial
Trampen ist gefährlich: Man weiß nie, wer zu einem ins Auto steigt – oder ob man von einem Psychopathen mitgenommen wird. Da hilft es auch nicht, dass man wie Donaldson bewaffnet ist, denn der freundliche Anhalter ist clever.
Wenn man seinen Lieblingsautor schon immer mal treffen wollte, heißt das nicht, dass man nur plaudern oder gar mit ihm ins Bett möchte. Manchmal möchte man ihn töten, um dieses Erlebnis mit ihm zu teilen.
Und was ist, wenn zwei Psychopathen aufeinandertreffen und beide nur ein Ziel haben: zu töten!
In drei großen Buchteilen werden mordlüsterne Psychopathen vorgestellt, deren Wege sich kurzzeitig kreuzen, um Foltermethoden und Mordfantasien auszutauschen. Als ein Zusammentreffen gehörig schiefläuft und ein Opfer fliehen kann, findet sich zumindest eine der Bestien vor Gericht wieder, und zahlreiche Morde können in einem Rutsch aufgeklärt werden. Auf die anderen Killer wartet ein weitaus nervenzerfetzenderes Schicksal …Jack Kilborn ist kein Unbekannter. Der Drehbuchautor schreibt unter einem Pseudonym blutigsten Horror und lässt dem Leser gerne die Haare zu Berge stehen und nachts nur noch mit Licht schlafen. Blake Crouch steht dem Meister in nichts nach, weshalb die Verbindung alles andere als verwunderlich ist. Das Duo schreibt packende Thriller, die einen mitreißen, einfangen, anwidern und dennoch nicht den Blick abwenden lassen.
Serial ist ein gelungenes Debüt, das liebevolle Charaktere vorstellt, die man zuerst gerne hat – bis sie ihr wahres Ich zeigen, das ja auf der einen Seite total abschreckend ist und auf der anderen Seite doch geliebt werden kann. Trotz aller Morde und allem Schrecken haben Donaldson und die Gleichgesinnten etwas Tragisches an sich, das Mitleid erregt. Genau das ist gewollt, denn so erkennt man, wie die Serienkiller ihre Opfer gefügig machen, wie die Akteure immer wieder erfolgreich Unschuldige quälen und ermorden können.
Selbst als Leser zuckt man zusammen, wenn man die „Instrumente“ beschrieben und die doch teilweise sehr vage gehaltenen Schilderungen der Folter vorgesetzt bekommt. Es ist bestialisch und grausam und man wünscht sich nur noch den schnellen Tod – doch der lässt auf sich warten.Kilborn und Crouch – das Thriller-Genre hat neue Meister gefunden, die Schrecken verbreiten und es schaffen, so spannend zu schreiben, dass man eben nicht das Buch weglegt und angewidert in die Mülltonne wirft. Man liest weiter, man verschlingt die Geschichte, jede einzelne Seite, jede neue kranke Fantasie, als wäre man ein Junkie. Nebenbei stellt man sich kurz die Frage, wie man solche Ideen haben kann, ohne selbst absolut psychopathisch zu sein, aber das hier ist Kunst, das ist es, was einen Autor ausmacht: gute und mitreißende Geschichten, die so echt und authentisch wirken, als wäre man mitten drin und nicht zu Hause auf dem Sofa.
Die Geschichte ist definitiv nichts für schwache Nerven! Wer sich schnell ekelt, kein Blut „sehen“ kann oder eine zu lebhafte Fantasie hat, sollte die Finger davon lassen. Albträume sind garantiert.
Und Vorsicht vor Anhaltern, auch kleine Mädchen sind nicht immer brav!

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Jack Kilborn ist das Pseudonym eines US-amerikanischen Drehbuch- und Thrillerautors, der vor allem durch sein Debüt Angst bekannt wurde.
Blake Crouch studierte Englisch und Kreatives Schreiben und hat bereits mehrere Romane veröffentlicht, unter anderem Psychose und Kite.


Jack Kilborn, Blake Crouch – Serial
Heyne Verlag 2012
224 Seiten, broschiert
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Heyne Verlag

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