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Rezension: Robert Venditti, Mike Huddleston – The Homeland Directive

Polit-Thriller mit TiefgangHomeland

Amerika wird angegriffen. Mal wieder. Dieses Mal haben Terroristen ein Virus freigesetzt, das in wenigen Tagen zum Tod führt und dessen Sterberate 90 % beträgt. Die Doktoren Laura Reagan und Ari Musa haben einst für das CDC (Center for Disease Control and Prevention) ein Heilmittel gegen das Virus namens „Zorro“ entwickelt, das aus Beständen der ehemaligen Sowjetunion stammt, und geraten nun ins Visier der Terroristen, die äußerst gut organisiert sind, denn offenbar haben sie einen Insider innerhalb der amerikanischen Regierung.
Ari Musa wird das erste Opfer der Verschwörer, und auch Laura Reagan ist nicht sicher: Sie wird nach einer Veranstaltung in einen Van gezerrt und entführt. Doch nicht von den Verschwörern – die unter der Kontrolle der Homeland Security stehen –, sondern von drei abtrünnigen Regierungsbeamten. Die drei Männer haben von der Verschwörung gegen die amerikanische Bevölkerung erfahren und auch, dass Laura darin verwickelt ist, ohne es wirklich zu wissen. Nun versuchen sie alles, um die Frau zu schützen und das Virus aufzuhalten, das auf eine äußerst perfide Weise verbreitet wird.

Wenn Sicherheit zur Religion wird …

Man erfährt schnell, dass der Secretary of Homeland Security aus einem eigentlich noblen Anlass handelt. Er will dem amerikanischen Volk die Sicherheit geben, die er ihm aufgrund seiner Stellung liefern muss. Die Sache hat nur einen Haken, denn für diese Sicherheit muss es nach der Meinung des Secretary die Freiheit aufgeben, die den Grundgedanken der USA bildet. Das Wohl vieler geht über das Wohl weniger, würde Spock jetzt sagen, und dies ist auch die Direktive des Homesec-Direktors. Leider sieht der US-Präsident das anders. Er scheut sich davor, unpopuläre Entscheidungen zu treffen, die sein Image in der Öffentlichkeit beeinflussen könnten. Denn die Wahlen stehen vor der Haustür. Und wie wir wissen, sind Politiker zu dieser Zeit immer besonders darauf bedacht, ein gutes Bild abzugeben. Allerdings muss man manchmal Böses tun, um etwas Gutes zu erreichen. Und dieses Ziel verfolgt der Secretary of Homeland Security mit Entschlossenheit und Kaltblütigkeit. Niemand, der diesem Ziel im Weg steht, ist vor seiner langen Hand in Sicherheit.

… was ist Freiheit dann noch wert?

Das lernen Laura und ihre Mitstreiter schnell. Um ihren Häschern zu entgehen, müssen sie ständig ihren Aufenthaltsort wechseln. Handys, Kreditkarten, Kontakt zu Familie und Freunden: Das alles ist tabu, denn darüber könnte die Homeland Security sie sofort orten und festsetzen. Und nicht nur die Homesec ist ihnen auf den Fersen, sondern auch verschiedene andere US-Behörden sowie die Polizei.
Ihre Flucht dauert eine ganze Weile an und führt sie durch verschiedene Städte der USA. Währenddessen findet Laura heraus, dass es sich bei dem Virus, das sich zunächst nur in Städten mit Nationalbanken verbreitet, um „Zorro“ handelt. Es ist ihr also möglich, ein Gegenmittel zu entwickeln und dieses kontrollierte Feuer aufzuhalten. Bevor sie jedoch die Chance dazu erhalten, werden sie von den Männern der Homeland Security angegriffen. Die vier Streiter für das Gute sind nun auf die Unterstützung eines mächtigen Verbündeten angewiesen, um dieser aussichtslos erscheinenden Situation zu entkommen …

Verbrauchtes Szenario, aber spannend erzählt und meisterlich illustriert

Eine Verschwörung im Inneren, die USA in Gefahr, ein Virus befällt die Bevölkerung – eine Rechnung, die schon oft aufgegangen ist. So auch bei The Homeland Directive von Robert Venditti. Die Graphic Novel ist grundsolide geschrieben, baut die Spannung langsam aber stetig auf und gipfelt dann in einem Duell zwischen Gut und Böse. Allerdings ist die Story schon etwas ausgelutscht. Wie viele Geschichten gibt es schon, die diese oder eine recht ähnliche Thematik behandeln? Viele? Ja. Zu viele? Vielleicht. Allerdings hat The Homeland Directive etwas, das es von anderen Büchern abhebt: Zeichnungen.
Die Tatsache, dass es sich hierbei um eine Graphic Novel handelt, lässt das Buch aus der Masse hervorstechen. Der einzigartige Zeichenstil von Mike Huddleston trägt sein Übriges dazu bei. Die Charaktere sind grundsätzlich in Schwarz-Weiß gehalten, nehmen jedoch die Farben des Hintergrunds an, der für jede neue Szene anders aussieht. In Panels, die ausschließlich Schwarz-Weiß daherkommen, setzen kleine Farbtupfer Akzente, wie zum Beispiel die roten Haare der Assistentin des Secretary of Homeland Security.
In Nahaufnahmen sind die Gesichter recht detailliert gezeichnet, je weiter die Entfernung, desto geringer wird dieser Detailgrad. Das ist jedoch typisch für Comics und soll dem Zeichner nicht angekreidet werden, der mit diesem Werk wirklich eine Graphic Novel vorlegt, die sich von der breiten Masse abhebt.
Mein Fazit: The Homeland Directive erzählt eine spannende Geschichte und hat einen eindrucksvollen und erinnerungswürdigen Zeichenstil. Lediglich das schon etwas ausgelutschte Szenario hinterlässt – trotz der spannungsvollen Story – einen faden Beigeschmack. Darum einen Punkt Abzug.

Robert Venditti ist der Autor von The Surrogates, eines Science-Fiction-Comics, der es auf die Bestsellerliste der New York Times schaffte und mit Bruce Willis in der Hauptrolle verfilmt wurde. Außerdem hat er die Percy-Jackson-Romane von Rick Riordan für den Comic adaptiert. Er lebt und arbeitet in Atlanta.

Mike Huddleston ist Absolvent des Kansas City Art Institute. Für seine Arbeiten als Comiczeichner, Illustrator und Konzept-Designer erhielt er diverse Preise. Er hat bereits für DC Comics, Vertigo und Wildstorm an Comics gearbeitet und Konzeptstudien für Hallmark Cards, Warner Brothers und Toyota erstellt. Er lebt und arbeitet in Chicago.

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Robert Venditti, Mike Huddleston: The Homeland Directive
Carlsen Comics, 2013
160 Seiten
16,90 € (Hardcover)
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