Rezension: Sonia Rossi – Fucking Berlin

5 Jahre als Studentin, Nutte,
Ehefrau und Geliebte

 

fucking-berlinDie junge Italienerin Sonia Rossi kommt nach Berlin, um Mathematik zu studieren. Die finanziellen Mittel reichen nicht aus, darum verdient sie neben ihrem Studium ihren Lebensunterhalt als Prostituierte in Massagesalons, Bordellen und ähnlichen Etablissements. Im Verlauf dieser Geschichte spielen auch ihr Mann Ladja sowie Milan, ihr Geliebter, und am Ende ihr Sohn eine Rolle. Sie verlässt das Rotlichtmilieu nach fünf Jahren, eine lange Zeit zwischen vielen Männern mit unterschiedlichen Wünschen, verschiedenen Kolleginnen, Erfahrungen in anderen Städten und dem normalen Leben.

Dieses Buch ist ein Erfahrungsbericht über ein Studentenleben in Berlin, gewürzt mit den besonderen Themen „Huren, Freier, Sex u. Co.“. Man kann gut nachvollziehen, dass nach Rossis Ankunft in Berlin nicht alles glatt lief. Nach ihren schlecht bezahlten Jobs, unter anderem als Kellnerin, führt sie ihr Weg über das Internetstrippen in die Welt der Ganzkörpermassage, eines Nightclubs, zur Prostitution in- und außerhalb Berlins (auch in der Schweiz), um den Unterhalt für sich und ihre kleine Familie zu sichern.
Im Laufe der Geschichte lernt man Freund- und Feindschaften („Fotzenneid“) zwischen den Kolleginnen im Sexgeschäft und auch die Alkoholsucht und Drogenabhängigkeit im Bereich der Sexarbeiterinnen kennen. Aber auch die Hilfsbereitschaft einer fremden Kollegin in einem fremden Land, nachdem Sonia ungewollt schwanger wird.
Rossi versucht immer wieder ihren Weg aus der Prostitution zu finden, aber man kann Verständnis dafür aufbringen, dass sie nach Zeiten ohne Geld und des Hungers immer wieder in die Prostitution abrutscht.
Angereichert werden diese Seiten durch die Erzählungen, etwa von einem besonderen Kunden, den sie auch zu Hause besucht hat, weil er freundlich war, Zuwendung brauchte und sich dies im Laufe der Zeit auch bezahlt machte. Nicht wirklich gewundert hat mich die Geschichte über das sehr gute Geschäft mit einem Kunden, der die Vagina einer Schwangeren fotografieren wollte, weil es „nichts Geileres gibt“. Oder das Erlebnis mit einem Freier, der eine besondere Vorliebe dafür hatte, in der Unterwäsche seiner Oma verwöhnt zu werden.
Erschwert wird ihre Arbeit und ihr Leben vor allem durch ihren Mann. Es stellt sich dem Leser öfter die Frage, warum sie diesen Kerl so lange erträgt. Dann ist da noch Sonias Liebe zu Milan, ihrem verheirateten Geliebten, mit allen Vor- und Nachteilen.

Interessant finde ich so manche ihrer Anfügungen zu ihrem Job als Hure, wie zum Beispiel persönliche Bemerkungen zum Outfit und ähnliches, die zu erzielende Wirkung auf die Freier, Besonderheiten im Nightclub, das Preisniveau und den Aufenthalt in einem Laufhaus.
Der Roman ist einfach geschrieben, in der Art eines Erlebnisaufsatzes in der Grundschule. Das Buch gibt heitere und traurige, beklemmende und interessante Zeilen wieder. Man kann es lesen, muss aber nicht.

:buch:  :buch:  :buch:  :buch:  :buch2:

 

Sonia Rossi: Fucking Berlin
Ullstein-Verlag, 2008, 9. Aufl., 2008
€ 8,95
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