Plötzlich allein – und ein Ekelpaket!

Tonys Frau ist an Brustkrebs gestorben. Übel. Denn die ganze Beziehung und das Sozialleben des Paares basierte wohl auf dem Agieren seiner Frau. Jetzt ist Tony down, übellaunig, eigentlich will er sich das Leben nehmen. Doch da der gemeinsame Hund noch Bedürfnisse anmeldet, muss er irgendwie zumindest rudimentär funktionieren. Der Hund will essen, Gassi gehen, womöglich spielen. Es kostet Tony Kraft, doch er tut es, zumal der Hund damals verantwortlich dafür war, dass sein Suizidversuch nicht gelang. Wenn du dir im Wasser das Leben nehmen willst, an Land aber dein dich liebender Hund Amok bellt, dann musst du wieder an die Oberfläche tauchen. Und ab da für den Hund da sein. Dennoch, trotz des Hundes will Tony ab jetzt nur noch ehrlich sein. Alle stößt er vor den Kopf. Seinen Kolleg*innen bei der „Tambury Gazette“ teilt er mit, dass das viertrangige Käseblatt niemanden interessiert, mit seinem Vater im Pflegeheim ist er ungeduldig und verständnislos, mit dem Briefträger hat er täglich heftige Dispute. Denn: Er will nicht mehr diplomatisch sein, einstecken, er will mit jedem nur noch ehrlich sein, auch wenn er durch diese ruppige Art die Leute abschreckt. Also ist er ehrlich, das schon, aber er zerstört Existenzen, greift in deren Leben ein. Er macht sich über seine Zeitgenossen lustig, auch wenn diese denken, miteinander befreundet zu sein. Alle, wirklich alle geben sich große Mühe, den beleibten Bären seelisch zu retten, vor allem seine tote Frau mit den kleinen Videomessages, die sie ihm hinterlassen hat à la „Du bist witzig, bleib so!“, „Der Hund braucht Futter und Gassi-Gehen“ und „Such dir eine neue Liebe“. Aber letztlich ist er es selber, der sich plötzlich aufrafft – vielleicht auch durch die täglichen Gespräche am Grab mit dieser reizenden, frechen älteren Dame – und er findet, er muss das Blatt umdrehen. Er erkennt, dass es alle nur gut mit ihm meinen. Er erkennt, dass es schrecklichere Schicksale als seins gibt, und er will denen, die es in dieser schlimmen Phase gut mit ihm meinten, was Positives zukommen lassen.

Und wie dieses kleine kranke, psychisch kaputte Ekelpaket plötzlich mit seinen Mitmenschen umgeht: Das ist herzzerreißend. Es gibt eine zweite Staffel, die seit kurzem auch bei uns schon abrufbar ist, und ich bin sehr gespannt darauf. Hervorzuheben ist die musikalische Untermalung: Mal altmodisch, mal ganz modern, mal verspielt, immer passend gewählte Pop-/Rock-Stücke, die zur Situation passen. Schön!

:popcorn: :popcorn: :popcorn: :popcorn: :popcorn:

After Life
Produktionsland: Vereinigtes Königsreich
Seit März 2019 auf Netflix abrufbar
Dauer: 12 x ca. 25 Minuten
Genre: Schwarze Komödie, Britcom, Dramedy
Von: Rick Gervais
Cast: Rick Gervais, Tom Basden, Tony Way, Diane Morgan, Ashley Jensen, Kerry Godliman, David Bradley, Paul Kaye, Penelope Wilton, Mandeep Dhillon u.v.m.

(694)