Liebe, Freundschaft, Verrat und Rache

Ich habe in letzter Zeit viele Historien-/Monumental-Serien gesehen. Angelsachsen gegen Wikinger (Last Kingdom), Christen gegen Wikinger (Vikings), römische Legionen gegen das keltische Herz Britanniens (Britannia), Menschen gegen Götter (Ragnarök) und alle gegen jeden (Game of Thrones). Nur von den Barbaren habe ich noch nichts gehört und gesehen, und das Schulwissen ist viel zu weit weg. Die neue Netflix-Serie Barbaren spielt im Jahr 9 nach Christus. Im Teutoburger Wald soll eine legendäre Schlacht stattgefunden haben. Hier kämpften Germanen – die Barbaren – gegen Römer. Und es war ein bisschen wie bei David gegen Goliath: Die Römer mussten eine verheerende Niederlage hinnehmen.

Im Zentrum der Handlung stehen drei Figuren, die sich aus Kindheitstagen kennen: Arminius, Folkwin und das Mädchen Thusnelda sind Freunde. Die römischen Besatzer fordern von den germanischen Stämmen erdrückende Tribute. Usus ist zu der Zeit, dass die Anführer der Stämme den Römern ein Kind mitgeben, als Pfand für Frieden sozusagen. Auf diese Art und Weise kommt Arminius zu den Römern, und Folkwin und Thusnelda wachsen ohne ihn auf. Heimlich werden die beiden ein Paar. Die Besatzer kommen regelmäßig wieder und fordern ihre Tribute ein. Gerade den jüngeren Leuten ist dies ein Gräuel, sie begehren auf, sie wollen von ihrer Arbeit und ihren Erzeugnissen leben können und nicht alles weggeben. Die Römer sind streng. Aufbegehren wird streng bestraft, Köpfe rollen, Kinder werden zu Krüppeln geprügelt, Menschen werden gekreuzigt. Leider sind die germanischen Stämme untereinander so verfeindet, dass sie sich nicht gemeinsam gegen die Römer zu Wehr setzen. Daher beschließen Thusnelda und Folkwin, auf eigene Faust zu handeln und das Imperium in einer verwegenen Nacht-und-Nebel-Aktion zu demütigen. Der goldene Reichsadler wird in einer spektakulären Aktion aus dem Lager der Römer gestohlen, denn diesen im Staub kniend küssen zu müssen, als Zeichen des Ergebens und der Demütigung, ist das Diskriminierendste obendrein. Der Diebstahl bleibt nicht ungesühnt. Der römische Statthalter Varus schickt Arminius, den er all die Jahre wie einen Sohn erzogen hat und zum Krieger ausbilden ließ. Arminius ist zuerst loyal den Römern gegenüber, aber eines Tages holt er zu einer Tat aus, die für alle große Konsequenzen nach sich zieht.

Einiges aus dieser Geschichte ist historisch belegt. Anderes wurde der Spannung geschuldet hinzugedichtet, immerhin sind wir nicht auf dem Doku-Channel, man will ja unterhalten werden. Dass man in manchen Medien aber moniert, dass die Damen so tolle Frisuren, ja, überhaupt Frisuren haben und Gewänder, das geht meines Erachtens zu weit. Dann bespöttelt man wieder das Latein, das die Römer sprechen, oder dass die deutsch sprechenden Barbaren reden, als würden sie sich im Ruhrpott in der Kneipe eine Currywurst bestellen. Es sind aber immerhin Barbaren! Ich sage, das ist eine äußerst aufwendig gemachte Serie, die absolut mithalten kann mit oben erwähnten ausländischen Produktionen. Gute Charaktere, stimmungsvolle und mystische Landschaften und Szenen, unverbrauchte Schauspielerinnen und Schauspieler, mal ganz anders eingesetzt als gewohnt. Dazu eine starke junge Frau mit dem Namen Thusnelda, die vor allem am Ende der sechs Folgen alles andere als eine Tussi ist! Ich plädiere für eine zweite Staffel!

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Barbaren
Produktionsland: Deutschland
Originalsprache: Deutsch, Latein
Genre: Historienfilm, Action
Cast: Laurence Rupp, Jeanne Goursaud, David Schütter
Von: Arne Notling, Jan Martin Scharf, Andreas Heckmann
1. Staffel, 6 Folgen, seit 23. Oktober auf Netflix

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