Quietschbuntes Serienvergnügen


London im Jahre 1813. Die Ballsaison ist eröffnet. Jedes Elternhaus mit Rang und Namen will seine heiratsfähigen Töchter an den betuchten Mann bringen. Wichtig ist für die Debütantinnen das Wohl und Urteil der britischen Königin. Zusätzlich gibt es seit neuestem fast jeden Tag ein kostenloses Klatschblatt, in dem eine mysteriöse Dame namens Lady Whistledown ihre Beobachtungen auf äußerst süffisante Art und Weise kundtut. Sie kann damit nicht nur für erfrischende Neuigkeiten sorgen, sie kann auch indirekt in Geschehnisse einwirken.

Die hoch angesehene Familie Bridgerton hat acht Kinder, vier Jungen und vier Mädchen. Der einfachheithalber beginnen ihre Namen nach der Geburtsreihenfolge mit dem ersten Buchstaben des Alphabets: Anthony, Benedict, Colin, Daphne … womit wir bei der Hauptperson wären. Daphne ist das Juwel der diesjährigen Ballsaison. Herkunft, Ruf und Benehmen sind tadellos, die Männer stehen Schlange. Die gesellschaftlich etwas schwächere Familie Featherington hat auch einige junge Damen im Rennen. Alle Töchter werden also ausstaffiert mit den schicksten Kleidern, mit Korsetten geschnürt und mit Diademen geziert. Los geht es, jeder Ball, jedes Event wird wahrgenommen, es gilt sich auf dem Markt der Eitelkeiten durchzusetzen! Es ist aber doch sicher alles ganz einfach: Das schönste und bravste Mädchen bekommt den besten Mann, oder? Einen Herzog, oder vielleicht auch einen Prinz? Die Irrungen und Wirrungen beginnen, List und Intrigen kommen zum Einsatz. Diese kommen natürlich zuverlässig ans Licht, Lady Whistledown kommentiert aus dem Off – im englischen Original mit der Stimme von Julie Andrews. Dass die zarte, aufs Eheleben völlig unvorbereitete Daphne mit ihrem Ehemann dann doch noch glücklich wird liegt ganz allein an ihr. Nicht Kleider machen Leute, sondern Köpfchen! Ganz am Schluss wird übrigens Lady Whistledowns Identität noch gelüftet – was für ein schönes Ende!

Diese Serie möchten vielleicht manche als Aufguss aus Das Haus am Eaton Place und Stolz und Vorurteil abtun. Ist es aber nicht. Bridgerton ist zauberhaft anders. Ein bunter Strauß an Darsteller*innen wirkt hier mit, People of Colour. Hier sind nicht nur die Dienstboten schwarz, sondern auch die Königin! Emanzipation ist ein Thema, Sinn und Zweck von Heiraten wird diskutiert, es gibt starke, frivole Frauen, die es treiben, mit wem sie wollen, und Menschen, die sich nichts einreden lassen. Bridgerton ist quietschbunt, wie schon der Trailer am Anfang zeigt. Die Damen in alle Farben eingekleidet, die die Farbpalette bietet, je bunter, je schöner. Drehen sich diese Farbtupfer dann im Kreis, hört man liebliche Violinenmusik dazu und erkennt sodann, dass man soeben Maroon 5, Ariana Grande oder Billie Eilish hört. Der Soundtrack enthält neben originaler Filmmusik auch Instrumentalcover moderner Popsongs, was eine schöne Überraschung ist.

Die Serie basiert auf den Bridgerton-Romanen der Schriftstellerin Julia Quinn. Diese schreibt historische Liebesromane, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Großbritannien spielen. Allerdings sind die Damen in ihren Romanen etwas moderner und feministischer als von Frauen in der Regency-Zeit zu erwarten wäre, mit Humor und geistreichen Dialogen.

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Bridgerton
1 Staffel / 8 Folgen à 57-72 Min.
seit 25. Dezember 2020 auf Netflix
Produktionsland: USA
Mit Regé-Jean Page als Simon Basset und Phoebe Dynevor als Daphne Bridgerton
eine zweite Staffel ist in Auftrag
Historiendrama

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