Kollateralschaden
Es ist schon ein bisschen makaber, ein paar Tage bevor man eine Fahrt mit dem Flixbus unternimmt, eine Serie anzusehen, in der ein fatales Busunglück die Hauptrolle spielt. Trotzdem habe ich es getan. Lasst euch berichten, was passiert ist!
Ein Bus aus Berlin ist unterwegs nach Graz. Kurz nachdem der Busfahrer auf die Autobahn auffährt passiert ein grauenhafter Unfall. Er gerät in die Gegenfahrbahn und bringt damit nicht nur fast alle seine Insassen, sondern auch noch etliche andere Verkehrsbeteiligte zu Tode. Was ist hier nur passiert?
Ein Polizeiteam ermittelt. In einer großen Halle werden die Szenarien nachgestellt, die Angehörigen der Toten werden befragt. Es kommt sehr schnell heraus, dass der Busfahrer ein Doppelleben führte. Er hatte in zwei verschiedenen Städten, in Deutschland und in Österreich, je eine Frau und eine Tochter, beide sogar gleich alt. Hat ihn das irgendwie belastet? Wurde er bedroht, erpresst? Er war nicht betrunken, hatte keine Drogen genommen, er hatte keinen Herzinfarkt, aber er hat anstatt zu bremsen, als er in die Gegenfahrbahn geriet, sogar noch Gas gegeben.
Es gibt nur eine Handvoll Überlebende, und die sind nun ziemlich kunstfertig miteinander verwoben. Der Busfahrer, soviel vorweg, gehört nicht dazu. Wir lernen die beiden sehr sympathischen Ehefrauen und Töchter des Fahrers kennen, die irgendwie versuchen, das alles zu ergründen und zu verarbeiten. Eine sehr coole Polizistin und ein dafür sehr viel netterer Kollege – immer mit Hund – fahnden nach der Ursache der Katastrophe. Ein Fuhrunternehmer, ein Zeuge, hat ausgerechnet über dem Unfallort sein Büro. Er lernt in einem Krankenhaus eine junge Frau kennen, die auch im Bus war, aber nur überlebt hat, weil sie eine andere Frau nicht gerettet hat. Sie lernt hingegen den trauernden Partner der Toten kennen, schade, sie fände ihn auch sehr liebenswert. Eine andere Überlebende ist eine Frau, die im Brautkleid von ihrer Hochzeitsparty geflohen ist. Sie sitzt auf der Rückbank des Busses und erinnert stark an die Tochter von „Mrs. Robinson“. Doch was hat es mit ihr auf sich? Alle Episoden befassen sich mit anderen Überlebenden.
Warum heißt die Serie „113“? Die Zahl ist das Ergebnis einer Studie, die das Bundesverkehrsministerium in Auftrag gab. Demnach sind durchschnittlich 113 Menschen unmittelbar von dem Tod eines Verkehrsteilnehmers im Straßenverkehr betroffen. Es handelt sich dabei – auch im Durchschnitt – um elf Familienangehörige, vier enge Freundinnen oder Freunde, 56 Freunde und Bekannte und 42 Einsatzkräfte – Rettungsdienst, Polizei, Feuerwehr, Ersthelfer und Augenzeugen, Abschleppdienste und Bestatter. Krass, oder? Das meint zumindest einmal während der sechs Episoden ein ermittelnder Polizist. Die Vermischung der Unfallbeteiligten miteinander ist ein wenig konstruiert, doch das Ende ist schlüssig, und die einzelnen Teile waren sehr unterhaltsam anzusehen.

Hundertdreizehn
Drehbuch: Arndt Stüwe
Regie: Rick Ostermann
Cast: Lia von Blarer, Robert Stadlober, Anna Schudt, Patricia Aulitzky, Armin Rohde, Max von der Groeben, Felix Kramer, Eva Marlen Hirschburger, Allegra Tinnefeld, Friederike Becht, Antonia Moretti u.v.m.
6 Episoden seit 10. Oktober in der ARD-Mediathek
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