Diese Bitch!

Die Mittzwanzigerin Murphy (Perry Mattfeld) ist nicht einfach. Sie raucht, trinkt und schleppt Männer ab, die sie dann mitten in der Nacht nach Hause schickt: Schlafen möchte sie dann doch alleine. Sie hat einen Hund namens Pretzel, den sie meist nur Hund nennt, und ihre WG-Mitbewohnerin Jess hat schon etliches mit ihr mitmachen müssen. Ebenso ihre Eltern: Sie haben eigens für sie eine Blindenhundschule aufgemacht, und wie dankt sie es ihnen? Sie schläft draußen vor der Schule ihren Rausch aus. Weswegen man diese komplizierte Bitch dennoch tapfer und liebenswert findet? Weil sie blind ist! Sie versucht ihr Leben so gut es geht ohne große fremde Hilfe im Griff zu haben. Jess ist die einzige, die ihr dabei noch einigermaßen helfen darf, und Tyson, ein junger Mann, der ihr vor einiger Zeit das Leben gerettet hat. Er ist ihr einziger Freund. Er dealt zwar mit Drogen, aber die beiden fühlen sich freundschaftlich zueinander hingezogen, Tyson geht normal mit ihr um, und er zeigt ihr ein Stück weit eine normale Welt. Doch Murphy findet ihn eines Tages tot am Boden liegen an der Stelle, an der sie ihn sonst immer traf. Nachdem sie die Polizei herbeiruft, ist er wie vom Erdboden verschwunden, man mag ihr nicht recht glauben, weil sie ja selbst Alkohol und Drogen gegenüber nicht abgeneigt ist. Das scheint für die Polizei doch eher das Produkt eines gewaltigen Rausches zu sein.

Wie sich diese spröde blinde junge Frau auf die Suche nach dem Mörder ihres Freundes macht, ist eine kurzweilig anzusehende Geschichte. Sie lernt dabei viele Leute näher kennen. Jeder ist wichtig und ein Puzzlestück zur Aufklärung der Sache um den jungen Tyson, und ebenso lernt man dabei auch Murphy kennen. Durch die Eltern, die Freundin und deren Geliebte, den Arbeitskollegen, Tysons Cousin und Mum, den Polizisten Dean und seine blinde Tochter, und vor allem durch den Besitzer des Foodtrucks, mit dem sie fast eine Beziehung aufzubauen schafft. Faszinierend, wie Murphy ihr Leben meistert, wie sie es schafft, einen Mord aufzuklären, im Alleingang, wenn es sein soll.
Dass das kein Betroffenheitskino ist, macht das Ganze noch sehenswerter. Denn trotz der schweren Thematik und des Krimistoffes ist In the Dark auch ein klein wenig eine Komödie. Wer diese Szene gesehen hat, vergisst sie nicht wieder und wird in Zukunft immer kichern müssen, wenn er einen Glastisch sieht: Murphy reißt in ihrer Lieblingsbar einen Typen auf, geht zu ihm mit in die Wohnung, dessen Frau kommt überraschend zurück und Murphy muss sich verstecken. Nachdem sie von der Frau aber gleich gesehen und angesprochen wird, meint sie nur: „Das hier ist ein Glastisch, oder?“ und wird aus der Wohnung rausgeworfen. Das ist nicht peinlich, sondern gut gemacht und cool.
Beim Nachlesen wird gleich klar, wie es zu solchen humorigen Szenen kam: Einer der Produzenten der Serie ist kein Geringerer als Ben Stiller. Gegen Staffelende wird es so spannend, dass man immer nach einem Teil gleich noch einen sehen will. Ich wünsche mir ein schnelles Erscheinen der 2. Staffel herbei.

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In the Dark
Produktionsland: USA
Seit 5. März 2020 auf Joyn Plus+ abrufbar
Dauer: 13 x ca. 45 Minuten
Genre: Dramedy, Krimi
Cast: Perry Mattfeld, Rich Sommer, Brooke Markham, Casey Deidrick, Keston John, Morgan Krantz, Thamela Mpumlwana u.v.m.

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