Dallas in Deutschland

c) NDR/Boris Laewen

Niedersachsen, Lüneburger Heide vor 150 Jahren. Das Land war arm, vielmehr waren die meisten arm, andere aber steinreich. Doch Johanna Lambert (Harriett Herbig-Matten) gehört mit ihrer Familie zu den Ersteren. Sie haben einen kleinen Schafhof, und Johanna muss auswärts auf einem Kartoffelacker malochen. Als sie sieht, dass eine andere Feldarbeiterin vor Erschöpfung zusammenbricht, will sie ihr helfen. Als der Bauer diese auch noch schlägt, fällt sie ihm in den Arm, um ihn daran zu hindern. Blöd für sie, denn danach „darf“ sie noch ohne Hilfsmittel drei Kartoffelfurchen ziehen, bekommt aber kaum Geld dafür und wird gekündigt. Zu Hause ist sie nicht willkommen.

Sie soll sich in der Stadt etwas suchen. Das will sie eigentlich nicht! Aber Flickerei bringt kein Geld ein, Richard (Aaron Hilmer), den sie eigentlich seit ihrer Kindheit liebt, kann ihr ja auch nicht helfen. Er ist zwar der Sohn des reichen Bauern Wilhelm (Tom Wlaschiha), wird aber selbst fast wie ein Tagelöhner gehalten. Auch dass sie mit der Tochter des Hauses befreundet ist, hilft ihr nicht. Der Bauer und seine Frau, die insgeheim zu Hause die Hosen anhat, sind zu stark. Dann kommt auch noch ihr Vater ums Leben! Er hat immer liebevoll zu ihr gehalten, wie auch ihre Mutter, aber sie ist strenger. Nun bleibt ihr, denkt sie, fast nichts anderes mehr übrig, als den nutzlosen Wald, den sie noch besitzen, zu verkaufen. Und da geht er los, der Kampf ums Öl und ums nackte Überleben. Denn der reiche Bauer weiß, dass das Land Öl hergibt, aber dazu braucht er den Wald der Lamberts. Wer hat nun wohl Vater Lambert umgebracht, und wieso? Johanna vermutet lange falsch. Der reiche Bauer baut also eine Ölraffinerie auf, beutet alle seine Arbeiter aus in Schichten rund um die Uhr. Keiner wird satt, es gibt kaum Sicherheitsvorkehrungen, Leute sterben. Richard, der hier Verwalter wird, kann kaum etwas dagegen ausrichten. Wieder ist es Johanna, die aufbegehrt. Sie freundet sich mit einem Wanderarbeiter an. Sie kämpft um bessere Bedingungen für alle. Doch die Gier nach Öl und Geld wird immer mächtiger. Der Bauer und Raffineriebesitzer will alle ausbluten. Er scheut vor nichts zurück. Als noch ein weiterer Herr ins Spiel kommt, ein Engländer, der sich mit ihm messen will, bessere Bedingungen für die Arbeiter schaffen will, die zu ihm kommen, bessere Fördermaßnahmen hat, gibt es auch noch an dieser Front Krieg, die Arbeiter immer mittendrin. Die anliegenden Landbesitzer, die noch ihre Höfe bewirtschaften und Felder und Tiere tränken müssen, haben bald ölverseuchtes Wasser, Menschen und Tiere sterben, und es kommt zu einem wahren Inferno.
Die fiktive Miniserie hat einen realen Hintergrund, und das macht es so authentisch und spannend. Sie spielt wenige Jahre nach der ersten realen, erfolgreichen Bohrung durch den Geologen Konrad Hunäus, der 1858 bei Celle Braunkohle suchte und dabei auf Erdöl stieß – rund 40 Jahre vor dem ersten Ölrausch in Texas. Auch das Dorf ist nicht real. Doch es wurde alles so real dargestellt, wie nur möglich. Das Museumsdorf Hösseringen südlich von Uelzen stand dazu zur Verfügung. Geschichte wurde damit erklärt: 80 Prozent der Ölarbeiter kamen als Wanderarbeiter aus anderen Regionen in Deutschland und Europa. Kinderarbeit war an der Tagesordnung. Gesetze zur Einschränkung gab es erst ab 1903. Frauen und Rechte? Da war die Gattin des reichen Bauern eine Ausnahme, die dort die Hosen anhatte.
Ganz besonders hervorzuheben sind zu dem tollen Cast ein paar außergewöhnliche Namen für eine deutsche Produktion: Harriet Herbig-Matten (Ruby Bell in der Serie „Maxton Hall“), Marton Csokas („Herr der Ringe“), Gwendoline Christie (Brienne von Tarth in„Game of Thrones“), Jessica Schwarz als strenge, aber doch liebevolle Mutter Johannas, Peter Schneider als ihr Vater Georg. Henny Reents, Lena Urzendowsky und nicht zuletzt Tom Wlaschiha, der in „Game of Thrones“ den Jaqen H’ghar gab, den geheimnisvollen gesichtslosen Mann, der Arya Stark zur Seite stand und markante, unvergessliche Sätze wie „Ein Mann hat keinen Namen“ von sich gab. Die Filmmusik von Oscar-Preisträger Hans Zimmer und dem Geiger Aleksey Igudesman rundet das Ganze ab. Eine wirklich feine Sache!    

Schwarzes Gold
6 Folgen à 45 Minuten seit 29. Dezember 2025 in der ARD Mediathek abrufbar.
Mit Harriet Herbig-Matten, Rinat Khairullin, Aaron Hilmer, Lena Urzendowsky, Henny Reents, Jessica Schwarz, Slavko Popadic, Merlin Sandmeyer, Peter Schneider, Marton Csokas , Tom Wlaschiha, Gwendoline Christie u.v.m.

 
 

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