Seltsame Menschen und allerlei andere mysteriöse Wesen

the witcher„Das musst du unbedingt anschauen, das ist das neue Game of Thrones!“ – „Das ist wie Herr der Ringe, glaub mir!“ – „Du hast doch Vikings so geliebt? Schau unbedingt The Witcher an!“

So riet man mir. So tat ich. Obwohl es mich abschreckte, dass es vor der Serie ein sehr bekanntes Videospiel gab, geschaffen nach den zwar spannenden, aber recht einfach geschriebenen Romanen des polnischen Schriftstellers Andrzej Sapkowski. Aber gleich die erste Szene fesselte. Der Held war schnell klar, und er gefiel. Es ist Geralt von Riva, ein Hexer, eine menschliche Mutation mit übernatürlichen Fähigkeiten. Er wird gerufen, wenn es gilt, ein Monster zur Strecke zu bringen, das bringt ihm Gold ein, das ist sein Lebensunterhalt. Am liebsten ist der Eigenbrötler alleine, nur mit seinem Pferd, mit dem er gerne das eine oder andere bespricht. Der langhaarige, schöne Held hat eines auf jeden Fall von ihm angenommen: Sein Grummeln klingt, wie wenn ein Pferd schnaubt. Viele Freunde hat Geralt nicht. In der Welt draußen ist er ein Aussätziger, die normalen Menschen verachten ihn ob seiner Kräfte, obwohl er ihnen immer wieder hilft.

Sehr bald kommt im Lauf der Handlung ein Barde hinzu, der einen Narren an Geralt gefressen hat und ihm nicht mehr von der Seite weicht. Zuerst ist ihm das äußerst lästig, zumal er ihn auch dauernd vor irgendwas retten muss. Dann scheint er den fröhlichen Sprücheklopfer aber doch irgendwie lieb zu gewinnen, auch wenn er ihn oft in Situationen bringt, in die man lieber nicht geraten würde. Yennerfer, eine mächtige Zauberin aus Vengerberg, kreuzt bald seinen Weg. Kräftemäßig ist sie ihm ebenbürtig, sie verlieben sich ineinander. Ihr wird sehr viel Zeit gewidmet in der Serie, sie ist sehr wichtig. Sie hat eine unglaubliche Entwicklung gemacht: vom missratenen, verkrüppelten Bastard, der nur um die Schweine herum sein durfte, danach in der Zauberschule, in der sie sich am Ende einer mörderischen Prozedur aussetzte, um schön zu sein, für einen hohen Preis. Aber eigentlich am tiefsten mit Geralt von Riva verbunden ist die kleine Prinzessin Ciri aus dem Königreich Cintra, obwohl er erst ganz am Ende der Staffel mit ihr zusammenkommt. Es gibt nämlich eine Vorbestimmung, laut derer er Ciri in Obhut nehmen und beschützen soll. Man sieht vorab sehr intensiv, wie Ciris Großmutter ihr Königreich gegen das verfeindete Königreich Nilfgaard verteidigt – und verliert.

Mehrere Handlungsstränge auf teils unterschiedlichen Zeitebenen laufen parallel und führen die Staffel zum Ende hin zusammen. Man muss, ohne Vorkenntnisse aus den Büchern oder dem Spiel, sehr mitdenken, um Vergnügen daran zu haben. Aber die Serie ist atemberaubend gemacht. Es gibt wilde Kämpfe wie bei Herr der Ringe, deftigen Sex wie bei Game of Thrones, Seilschaften wie beim Hobbit, starke Königinnen und Zauberinnen, Szenerien mit einfachem Volk wie in Märchenfilmen. Dann ist da noch das junge Mädchen, fast noch ein Kind, wie damals Arya Stark, das sich durchschlägt auf einem Weg, von dem es, wie auch die Zuschauer, bislang nicht weiß, wohin er geht.

Mit Henry Cavill als Geralt von Riva hat das Produktionsteam ein gutes Händchen bewiesen. Viele gute Männer waren im Gespräch (u.a. „Jamie Lannister“ aus Game of Thrones, „Ragnar“ aus Vikings), aber mit ihm können die Bücherwürmer, die Gamer und die absoluten Witcher-Newbies wie ich mehr als zufrieden sein. Absolute Schau-Empfehlung! Vorfreude auf Staffel 2!

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The Witcher
Produktionsland: USA, Polen
Genre: Fantasy, Action
Cast: Henry Cavill, Freya Allan, Anya Chalotra, Joey Batey
1. Staffel, 8 Folgen, seit 20. Dezember auf Netflix abrufbar

 

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