Die Faszination des Bösen

Es beginnt fast wie in Notting Hill, zwei schöne Menschen in einer Buchhandlung. Doch damit hat es sich mit der Ähnlichkeit. Joe ist Geschäftsführer im Mooney’s, einem New Yorker Buchladen. Eines Tages kommt eine junge Frau in den Laden, auf die Joe sofort aufmerksam wird. Er macht sich sogleich so seine Gedanken, wie sie ticken könnte, dies sieht er sofort an der Art, wie sie angezogen ist, an ihrem Schmuck, an ihrem Gang. Sie bezahlt per Karte und damit hat er ihren Namen.

Guinevere Beck heißt die Lady, der einfachheithalber nennt sie sich Beck, sie wird Schriftstellerin werden. Wie praktisch, dass sie sehr aktiv in den sozialen Medien unterwegs ist. Facebook, Instagram, Twitter, er weiß bald alles von ihr, wo sie wohnt, wie sie lebt, wen sie trifft, was sie mag. Er bricht bei ihr ein, klaut ihr Handy, kann alles sehen, was sie mit dem neuen Handy macht. Sie hat eine Clique von Frauen um sich, die eigentlich laut Joe so gar nicht ihre Art sind. Ebenso die Beziehung zu Benji, ihrem Freund, kann er gar nicht nachvollziehen. Doch Beck ist finanziell nicht so gut gestellt wie ihre Freunde, sie möchte aber mithalten können und macht so einiges dafür. Joe ist schnell verliebt, das scheint wirklich die Eine zu sein, er ist besessen von ihr. Benji muss weg, und diese oberflächliche Bitch Peach ebenso. Wie raffiniert er es anstellt, damit niemand merkt, dass ein Mensch plötzlich nicht mehr vorhanden ist! Dieser Joe ist der gerissenste Stalker, von dem ich je gelesen oder gesehen habe. Und dabei sieht er so niedlich aus, ist liebevoll und außerdem ein super Freund! Er hilft dem Nachbarsjungen Paco, der fast jeden Abend im Treppenhaus sitzen muss, weil seine Mutter und ihr aktueller Freund Streit haben. Man könnte von außen wirklich meinen, er wäre ein Guter! Wenn da die Gedanken nicht wären, die die Zuschauer*innen mitgeteilt bekommen. Alles kommentiert Joe, wir hören richtiggehend die Stimme in seinem Kopf.
Es ist ein spannendes Auf und Ab mit den Beiden. Die beiden trennen sich, die beiden kommen wieder zusammen. Joe hat zwischenzeitlich eine andere Freundin, die er aber eiskalt abserviert, als er Beck wieder sieht und eine Affäre mit ihr eingeht. Ich weiß, dies alles klingt hier zwischendurch ein bisschen nach viel kindischem Hin und Her, außerdem ist es dann und wann ganz schön schlüpfrig! Aber ich kann euch versprechen: Wer hier alles subtil um die Ecke gebracht wird, wie hier mit Gefühlen gespielt wird, selbst mit den Gefühlen der Personen vor dem Fernseher – denn wir erfahren ja auch wie Joe so wurde wie er ist – das ist vom Feinsten. Zwischendurch musste ich mich wirklich fragen, wieso kann man sich mit diesem Psychopathen identifizieren? Es ist einfach die pure Faszination am Bösen. Das einzig „Gute“ am Ende ist, dass ihr euch gleich danach die 2. Staffel gönnen könnt. Empfehlung!

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You – Du wirst mich lieben
Originaltitel: You
Produktionsland: USA
Cast: Penn Badgley, Elizabeth Lail, Luca Padowan, Shay Mitchell u.a.
Genre: Psychothriller, Drama
2 Staffeln mit jeweils 10 Folgen à ca. 50 Minuten
Derzeit auf Netflix

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