Sick Midsummer Austria IX – Bandporträt: Dordeduh

Dordeduh_logo

Karpatenstürme

Vor fast zehn Jahren fand sich der Metal-Fan mitten in einem Verwirrspiel: Negură Bunget, Rumäniens Metal-Export Nummer 1, hatten ihre Auflösung bekanntgegeben (was neben dieser ganzen Geschichte um Gorgoroth zunächst ein bisschen unterging). Im Grunde lief es darauf hinaus, dass man – das sind Sol Faur und Hupogrammos auf der einen Seite und Drummer Negru auf der anderen Seite – sich auseinandergelebt habe und jetzt getrennter Wege gehen wollte. So weit, so schade, aber nachvollziehbar. Verwirrend wurde es erst, als Negru verkündete, dass er sämtliche Negură-Bunget-Rechte halte und die Band selbstverständlich weiterführen würde, während Sol Faur und Hupogrammos zunächst diverse Haken in diversen Gegenerklärungen schlugen, die wiederum Gegengegenerklärungen auslösten, bis dann schlussendlich Sol Faur und Hupogrammos ankündigten, dass sie fortan gemeinsam unter dem Namen Dordeduh Musik machen wollen. So weit, so turbulent die Gründungsgeschichte der diesjährigen „Ausnahme“-Band auf dem Sick Midsummer IX.

Dordeduh heißt übersetzt in etwa „Sehnsucht nach einer Seele/einem Geist“ und sind in den vergangenen neun Jahren seit ihrer Gründung zwar nicht untätig geblieben, haben aber bisher mit einer EP (Valea omului, 2010) und einem Album (Dar de duh, 2012) auch nicht gerade hektische Aktivität an den Tag gelegt. Musikalisch sind Dordeduh sowohl Fortführung als auch Erweiterung von Negură Bunget: Nach wie vor werden traditionelle Elemente (etwa choralartige Gesänge) und Instrumente (Holzpercussions, Flöten und dergleichen) mit Black-Metal-Riffs kombiniert, um einen einzigartigen Sound zu erzeugen, der spirituell tief in der rauen rumänischen Landschaft und folkloristischen Tradition verwurzelt ist. Dabei schaffen die beiden musikalischen Masterminds Sol Faur (Gitarre, Keyboard, Hackbrett, Xylophon) und Hupogrammos (Gesang, Gitarre, Keyboard, Hackbrett, Mandola, Semantron, Alphorn und Percussions – whew!), weder in Alternative-Black-Metal-Belanglosigkeiten, noch in Dudelsack-Folklore abzudriften, sondern spezialisieren sich auf das Erzeugen von Klanglandschaften, um uns dann mit jäh in die Höhe schießenden Black-Metal-Riffs den Ausblick darauf zu verstellen. Die werden dann langsam wieder abgetragen, das nächste Bild aufgebaut, wieder zugestellt, und so weiter (man erkennt das Schema). Das alles kann mehrmals in einem Song passieren, sodass selbige im Durchschnitt zehn Minuten lang sind. Was wird den Festivalbesucher also erwarten? Höchstwahrscheinlich ein genial-hypnotisches Konzert voller Tagträume, Karpatenstürme, Mythen und Wälder. Ich freu mich riesig drauf!

Ins aktuelle Dordeduh-Album Dar de duh könnt ihr auf YouTube reinhören! Mehr Infos zu Dordeduh findet ihr auf Facebook.

 

Bilder: Dordeduh / Sick-Midsummer.at

(654)