Wenn Hexen tanzen

HäxanHäxan (zu deutsch „Hexen“) ist ein legendärer Stummfilm des dänischen Regisseurs und gleichzeitig auch Schauspielers Benjamin Christensen aus dem Jahr 1922. Der Film ist als Lehrfilm zum Thema Hexen konzipiert und bedient sich zur Umsetzung sowohl dokumentarischer als auch schauspielerischer Mittel.
Nun hat sich die in Toronto beheimatete kanadisch-russische Musikerin Alia Synesthesia (eigentlich Miroshnichenko) dem Film angenommen und interpretiert Häxan mit einem neuen Soundtrack. Sie ist nicht nur ausgebildete Opernsängerin, sie spielt außerdem Drums und Cello, arbeitet mit Synthesizern und ist auch in Visual Arts aktiv. All diese Einflüsse kommen in ihrer Arbeit zum Tragen.

Nach der Premiere in Dänemark löste Häxan wegen den darin enthaltenen Nackt- und Gewaltszenen einen Skandal aus, in dessen Folge der Film gekürzt und zensiert wurde. In Deutschland wurde er aller Freizügigkeit der 20er Jahre zum Trotz sogar komplett verboten. Erst 1941 war der Film vollständig auch im Ausland zu sehen, als Christensen ihn erneut in die Kinos brachte. Auch heute noch faszinieren die Filmszenen, in denen die Horror-Elemente mit spielerischem Burlesque kombiniert werden und eine ganz eigentümliche Wirkung erzielen.
Auf YouTube lassen sich heute mehrere Vertonungen finden. Als Referenz dient oft die 1968 überarbeitete und lange einzig erhältliche Version mit dem Titel Witchcraft through the ages, die aber mit Jazzmusik vertont wurde, und in der William S. Burroughs den Film durchgehend kommentiert. Daher ist diese gleichzeitig sehr umstritten, weil sie so starken Einfluss auf dessen Charakter nimmt. Ursprünglich bildeten vorhandene klassische Stücke von Beethoven, Gluck und Schubert die Begleitmusik.Wie der Film in sieben Kapitel unterteilt ist, so orientiert sich auch Alia Synesthesia mit den einzelnen Musikstücken daran.

Kapitel I widmet sich dokumentarisch dem Mystifizismus und erklärt, wie der Glaube an Hexen und das Böse entstanden ist.
Kapitel II zeigt u. a. Szenen aus einer Hexenküche.
Kapitel III veranschaulicht die Methoden, die im berühmten Maleus Maleficarum oder Hexenhammer beschrieben werden.
Kapitel IV verfolgt weiter den Hexenprozess und das Geständnis, äußerst anschaulich durch den Hexensabbath dargestellt, der gleichzeitig den filmischen Höhepunkt darstellt.
Kapitel V zeigt das Schicksal der Opfer.
Kapitel VI präsentiert verschiedene Folterwerkzeuge der Inquisition.
Kapitel VI schlägt schließlich eine Brücke in die Neuzeit.

Doch wie beschreibt man einen Soundtrack, wenn die Leser*innen den Film vermutlich nicht vor Augen haben? Alia Synesthesia lässt sich zwar von Klassik und Oper inspirieren, geht aber experimentell vor und erschafft mit eletronischen Klängen einen neuen und zeitgemäßen Score, der u. a. mit Percussions arbeitet, der teils Drone beinhaltet und teils stark Ambient-lastig ist. Häxan wirkt auf mich in weiten Teilen surreal, und genau das transportiert auch der Sound. Trotz der modernen Umsetzung passt diese super zu dem alten Film. Darüberhinaus bin ich mir sicher, auch pur genossen spult sich bei geschlossenen Augen ein ganz eigener Film zur Musik ab.

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Alia Synesthesia: Häxan
Independent, Vö. 31.08.2021
Soundtrack MP3 10,00 $ erhältlich über Bandcamp
Film digital 15,00 $, USB Key 20,00 $, DVD 25,00 $ erhältlich über Horror and Opera

Homepage: http://aliasynesthesia.com
https://www.facebook.com/aliasynesthesia
https://aliasynesthesiamusic.bandcamp.com/
https://horrorandopera.com

Tracklist:
Haxan – Chapter l
Haxan – Chapter ll
Haxan – Chapter lll
Haxan – Chapter lV
Haxan – Chapter V + Vl
Haxan – Chapter Vll

Video dazu s.u. https://www.youtube.com/watch?v=Ij-9MK2Vm1E

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