Stadtmuseum München

Für kurze Auszeiten eignet sich das Stadtmuseum München hervorragend. Es ist zentral gelegen, mitten in der Stadt, an einem der schönsten Plätze ganz Münchens. Außerdem hat es ein schönes Café im Haus, man kann am Sankt-Jakobs-Platz oder im Innenhof gemütlich und entrückt von dem ganzen Trubel sitzen.
Ein kleines Traditionskino befindet sich im Keller des Hauses, und auf mehrere Stockwerke verteilt gibt es verschiedene Ausstellungen.

Typisch München!

… ist eine Dauerausstellung. Gleich nach der Kasse sind schon im Vorraum drei Monitore installiert, die typische Münchner Filmszenen in Dauerschleife zeigen: aus Filmen wie „Die seltsamen Methoden des Franz Josef Wanninger“, „Derrick“, „Der Kommissar“, „Kir Royal“, „Münchner G’schichten“ und dem Münchner Tatort mit den Kommissaren Leitmeier und Batic aus der Gegenwart. Das ist sehr kurzweilig und witzig.


Die Ausstellung, auf verschiedene Stockwerke verteilt, bringt typisch Münchnerisches historisch in fünf Abschnitte gegliedert wie „Altes München“, „Neues München ab 1800“, „Die Stadt München – Monachia“, „Kasperl im Klassenkampf. Eine Revue“ und „Weltstadt München“. Diesmal interessiert mich „Weltstadt München“, worüber das Stadtmuseum selbst schreibt:
„Die Entscheidung, die Olympischen Spiele 1972 in München auszutragen, war ein Geschenk, das der Stadt zu einem nachhaltig wirksamen Imagewechsel verhalf. Zur Zeit der Bonner Republik wurde die „Weltstadt mit Herz“ als die „heimliche Hauptstadt“ gehandelt, ehe sie als „Medienstadt München“ zu ihrer aktuellen Bestimmung fand. Die Ausstellung „Typisch München!“ projiziert in der „Chill Out Loden Lounge“ eine Choreographie von Bildern, in denen sich die Stadt zwischen Fußballstadion und Bierzelt, Laptop und Lederhose, Presssack und Prosecco selbst gefällt.“

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Dieser Film, der Themen in kurzen Filmsequenzen von 1970 bis ins Jahr 2008 zeigt, dem Jahr der 850 Jahr-Feier, ist ein wirkliches Schmankerl: Er zeigt ein München, ein lustiges (Spider Murphy Gang mit „Schickeria“, Wutrede von Giovanni Trapattoni 1998, Tanz der Marktfrauen) oder auch edles (Witzigmann kocht im Tantris, Maximilianstraße, Moshammer), ein sich selbst feierndes (Einzug der Wiesn-Wirte, Fußball-WM 1974: das Finale in München), aber auch ein nachdenkliches, ein erschüttertes, und zwar spätestens an der Stelle, wo der Jubel und die Selbstinszenierung Münchens 1972 zur Zeit der Olympischen Spiele in Entsetzen und Trauer umschwenkt, wenn man sieht, wie die Geiselnehmer im Olympischen Dorf die israelischen Sportler töten.
In dem großen Raum vor der Chill Out Lounge mit dem Video – dem Arena-Saal – werden Exponate des modernen Münchens gezeigt: die Olympischen Spiele ’72, BMW, Im Biergarten, Die Schumann’s Bar, Medienstadt München, TV, Migration, Bierzelt und Arena.

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Wenn man zuerst die einzelnen Ausstellungsstücke gesehen hat und dann den Film, ist man ergriffen, hat man zuerst den Film und daraufhin erst die einzelnen Exponate angesehen, kann man wieder entspannen und schmunzeln. In beiden Fällen hat man etwas gelernt und ist man berührt.

Ab nach München! Künstlerinnen um 1900

 

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Provokant? Das fand ich schon, deshalb bin ich in diese Ausstellung gegangen.

 

Gabriele Münter, Franziska Gräfin zu Reventlow und Käthe Schmidt (verheiratete Kollwitz) sind bekannte Namen. Jeder, der sich mit Kunst und Malerei befasst, hat schon mal ein Bild von den Damen gesehen. Dass diese es selbst in München, das sowohl Kunststadt als auch ein Zentrum der Frauenbewegung ist, um 1900 noch so schwer hatten, hätte ich vor dieser Ausstellung nicht gedacht.
Ein Ziel der Frauenbewegung damals war die Verbesserung der Bildungsmöglichkeiten für Frauen. 1903 war den Frauen in Bayern der Zugang zu den Universitäten erlaubt. Dennoch wurden Frauen, die Künstlerinnen werden wollten, der Zugang zur Königlichen Akademie der Bildenden Künste bis 1919 verwehrt.

Die Künstlerinnen konnten sich damals zwar in Privatateliers und -schulen ausbilden lassen, diese hatten aber leider ein geringeres bis schlechtes künstlerisches Niveau. 1882 wurde der Künstlerinnen-Verein gegründet, 1884 eröffnete die Münchner Damen-Akademie, die nach dem Vorbild der Königlichen Akademie der bildenden Künste organisiert war.
Als Zeichenlehrerin konnten sie sich ausbilden lassen, Photographie konnten sie erlernen, in die „Weibliche Abteilung“ der Königlichen Kunstgewerbeschule konnten sie eintreten, ebenso in die Lehr- und Versuchsateliers für Angewandte und Freie Kunst. Nur richtig malen lernen, das war ihnen verwehrt, bis 1919.

Die Ausstellung zeigt auf 750 m² einen Überblick über das künstlerische Schaffen der Frauen. Aber das meiste der ca. 300 Werke bekannter und bisher unbekannter oder in Vergessenheit geratener Künstlerinnen stammt aus den Bereichen Möbelkunst, Schmuck, Glas, Keramik, Porzellan, Textilien und Fotografie, weil sie eben erst später professionell malen lernen durften.
Die sehr sehenswerte Ausstellung läuft noch bis zum 8. Februar 2015.

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Zofia Stryjeńska aus Polen versuchte, das Verbot des Zugangs zur Königlichen Akademie zu umgehen und immatrikulierte sich unter dem Namen ihres Bruders. Als Mann verkleidet studierte sie ein Jahr, bevor die Täuschung aufflog und sie die Akademie verlassen musste.

 Copyright Bilder: Stadtmuseum München

Stadtmuseum München

„Typisch München“

„Ab nach München“

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