Steampunk – Teil I

Dampfgetriebene Abenteuer

Steampunk – was soll das eigentlich sein? Immer öfter dringt einem der Begriff ins Ohr, ob auf Festivals oder in der Literatur. Dampf und Punk? Wie soll das funktionieren?

Zurück zum Anfang, spätes 18. Jahrhundert, England: James Watt macht die Dampfmaschine industriefähig. Frühere Versuche, das heiße Gas zu bändigen, waren wenig erfolgreich, doch Watt schafft es erstmals, den Wirkungsgrad der Maschine so weit zu verbessern, dass sie tatsächlich nutzbar wird. Der Schlüssel zur industriellen Revolution. Ein weiteres halbes Jahrhundert später ruht die ganze industrielle Macht der britischen Nation auf den Kolben der Dampfmaschine. Später wurde sie von Elektro- und Benzinmotoren abgelöst, sodass sie heute beinahe vollständig aus unserem Leben verschwunden ist. Doch was wäre, wenn …?

Was wäre, wenn unsere Geschichte in der Vergangenheit einfach anders abgebogen und unsere Entwicklung anders verlaufen wäre? Wenn die Dampfmaschine sich weiter entwickelt hätte und in unserer heutigen Zeit noch immer eine entscheidende Rolle spielen würde? Stünden unsere Computer dann unter Dampf? Würden wir mit einem Luftschiff nach Mallorca fliegen? Gäbe es uhrwerkbetriebene Roboter?


Was wäre, wenn …? Mit dieser Frage treffen wir auch schon den Kern des Steampunk, dessen Vertreter sich um Antworten bemühen und sich dabei in eine Alternativwelt begeben. Doch das ist bei weitem keine Science Fiction der Moderne, denn seine Ursprünge findet dieses Genre in der Literatur des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, als Männer wie Hugh G. Wells und Jules Verne ihren Abenteuergeschichten ein wenig Dampf machten (Achtung, Wortwitz). Ihre Erzählungen sind im Wesentlichen Hybride aus Science Fiction und Abenteuerroman, sie verbinden die romantische Sicht des Entdeckers, der die Welt kennenlernt, mit dem kreativen, wissenschaftlichen Standpunkt des Erfinders, der sie neu formt, bestimmt von einer Aufbruchsstimmung, wie sie wohl nur im Zeitalter der Industriellen Revolution herrschen konnte.

Heute hat Steampunk die Grenzen der Literatur gesprengt und sich in ein multimediales Genre mit stetig wachsender Anhängerschaft verwandelt. Filme, Musik, Comics, Kunst – die Faszination an Uhrwerken und Dampfmaschinen greift um sich.


Was ist es nun, das diese Faszination ausübt? Natürlich kann jeder etwas anderes darin sehen, doch Alex, auch bekannt als der „Steampunker“, fasst die Sache so zusammen:

„Die Ästhetik des Genres fasziniert durch die Verbindung von Altbekanntem und Neuem, der Kombination von Ungleichzeitigem. Steampunk stellt eine Möglichkeit dar, die Phantasie auszuleben, neue Objekte in altem Gewand zu erschaffen. Es entstehen Werke, die einzigartig und selten reproduzierbar sind. Handwerkliches Geschick, authentische Materialien, Kreativität und Erfindergeist führen zu interessanten Arbeiten, die sich abheben von der uniformen Massenproduktion der Neuzeit und dem Betrachter die Möglichkeit geben, sich in seiner eigenen Phantasie zu verlieren.“

Die Verbindung zur schwarzen Szene war schnell gefunden, schließlich fußt der Steampunk im viktorianischen Zeitalter, dessen Klamotte ja bei einigen Gothic-Anhängern seit langem beliebt ist, und so mancher behauptet ja, die schwarze Szene wolle hauptsächlich so anders und individuell wie möglich sein. So begannen vor etwa zehn Jahren die ersten begabten Bastler, viktorianische Outfits mit Leder, Messing und Zahnrädchen zu verschönern.

Wichtig sind dabei vor allem zwei Dinge: Kreativität und Individualität. Selbstgemacht statt von der Stange gekauft! Da heißt es Opas Dachboden plündern, Flohmärkte durchkämmen und Antiquitäten ergattern. Nähen, nieten, löten. Wer sich nicht handwerklich begabt genug fühlt, kann aber von alten Hasen des Genres auch die passenden Accessoires erwerben.


Natürlich ist ein wichtiges Schlüsselwort des Steampunks heutzutage „multimedial“. Wer sich nicht in Schale werfen will, keine Kunstgegenstände, Gadgets oder Gewänder entwerfen mag, kann in Literatur, Film und Musik gut versteckt viele kleine Perlen des Genres entdecken. Manche Werke bleiben nah am Abenteuerroman der Jahrhundertwende, andere wagen den Schritt zur Fantasy oder begeben sich gar in die Zukunft der Alternativwelt Steampunk, um dem elektronik-orientierten Schwestergenre des Cyberpunks Gesellschaft zu leisten.


Wer jetzt Blut oder vielmehr Schmieröl geleckt hat, braucht nicht zu verzagen. Meine Faszination am Genre Steampunk ist noch nicht alt, doch ich möchte sie in einer kleinen Reihe mit allen teilen, die ebenfalls hineinschnuppern wollen. Nächste Woche gibt’s zu diesem Zweck ein Interview mit dem Steampunker (nicht irgendeinem Steampunker, nein, DEM!), in dem er uns Einblicke in sein Hobby gibt. Eine Woche später folgt dann noch eine kleine Auswahl an multimedialen Schmankerln, die man sich unbedingt zu Gemüte führen sollte!

Links für interessierte:

http://steampunker.de/home/

http://www.steampunk-artwork.blogspot.de/

http://clockworker.de/cw/was-ist-steampunk/

http://de.wikipedia.org/wiki/Steampunk

(Bildquellen: http://www.steampunk-artwork.blogspot.de/ und www.deutsches-museum.de)

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