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dat is Punk, Alter, saufen, ficken, Musik hören – dat is niemals Punk

Roland_AdelmannWas denn nun? Es sind die Achtziger, wir sind in einem Kleinstadt-Kaff in Deutschland nahe der holländischen Grenze. Der Natur droht mit dem Waldsterben der Kollaps, und der Menschheit droht allgemein der Strahlentod durch die atomare Bedrohung im Kalten Krieg. Das sind die Rahmenbedingungen, mit denen eine Gruppe von jungen Menschen ihren Alltag bestreiten muss. So individuell sie und ihre Probleme sind, was sie eint, ist die Ablehnung der postfaschistischen Gesellschaft, die der Nazizeit in Teilen heimlich nachtrauert. Sie wollen sich vom deutschen Spießertum abgrenzen, und die Lösung dafür lautet Punk. Springerstiefel, bemalte Lederjacke und ein stacheliger Irokesenschnitt sorgen für Risse in der Fassade der feinen Gesellschaft. Weiterlesen

The Cure auf Speed?

Je-taime-passiveDie 2018 gegründeten JE T’AIME aus Paris hatte ich schon zu deren tollen selbstbetitelten Debüt vorgestellt (Link). dBoy verleiht der Band seine Stimme, Tall BastArd spielt Gitarre und Crazy Z den Baß. Doch anstatt richtig durchzustarten kommt plötzlich eine Pandemie dazwischen mit all ihren bekannten Folgen, und ich befürchtete schon, dass es bei einem One-LP-Wonder bleibt. Doch die Drei haben durchgehalten, weiter an ihrer Musik gearbeitet und sich dafür auch eine Zeitlang an die englische Küste zurückgezogen.
Passive ist nun der erste Teil eines Doppelalbums, das in Zusammenarbeit mit Manic Depression Records und Icy Cold Records erschienen ist, und dessen zweite Hälfte Aggressive im Oktober folgen soll. Weiterlesen

Alda – A distant fire

AldaDas vierte Album A distant fire der amerikanischen Band Alda vereint so unterschiedliche Musikstile wie Black Metal, Folk und Post Rock miteinander. Dass die Mitglieder Jace und Stephanie Bruton, Michael Korchonnoff und Timothy Brown dabei alles andere als konventionell vorgehen, zeigt sich schon an der Songdauer, denn die reicht von nur zwei bis zu epischen sechzehn Minuten. Stil-und Tempiwechsel bestimmen das musikalische Bild, und man braucht mehrere Durchläufe, um alles erfassen zu können, und entdeckt doch immer wieder Neues. Weiterlesen

Hier stimmt die (Al-)Chemie

672155Ein neues Album von The Awakening flattert ins Haus, This alchemy ist das mittlerweile zehnte. Dabei ist vor erst einem Jahr das letzte Soloalbum Waiting for a voice von Mastermind Ashton Nyte erschienen, dem aus Südafrika stammenden und mittlerweile in den USA lebenden Künstler. Die Pandemie erzeugt bei ihm keinen Stillstand, sondern fördert offensichtlich seine Kreativität. Da mir das Vorgängeralbum Chasm außerordentlich gut gefallen hatte (Link), bin ich natürlich dementsprechend gespannt. Weiterlesen

„Pretty fuckin‘ loud in Mexico City“

enforcer-live-by-fire-ii-album-cover-800x800Nach Solbrud (Link zur Review) schon wieder ein Livealbum, aber es geht ja gerade sonst nix. Die emsigen Jungs von Enforcer haben bislang fünf Studio-Alben rausgerotzt und touren sich unermüdlich den sprichwörtlichen Arsch ab. Mit Live by fire II, ihrem zweiten Live-Album, halten sie den bisherigen Höhepunkt fest. Es ist Zeugnis einer furiosen Show von Enforcer in Mexico City, die 2019 aufgenommen worden ist. Sowohl die Gatefold 2LP als auch die CD erscheinen mit einem umfangreich bebilderten Booklet. Die Fotos hat Sänger und Gitarrist Olof Wikstrand selbst zusammengestellt. Schlagzeuger Jonas Wikstrand, Bassist Tobias Lindqvist und Gitarrist Jonathan Nordwall vervollständigen das Quartett, das mit seiner Musik einen starken 80er-Vibe versprüht. Weiterlesen

Es sprechen die dunklen Seiten der Achtziger

Fall-ShockFall Shock ist eine italienische Band, die 2018 von Francesco Kay, einem Ghost Producer, Sänger und Schlagzeuger in Personalunion, gegründet wurde. Kurz darauf trifft er den Death Metal Gitarristen Markus O., gemeinsam haben sie den Sound vom Debütalbum Interior entwickelt, das unlängst bei Manic Depression Records erschienen ist. Der Tod mag vielleicht vorhanden sein, doch Metal sucht man dabei vergeblich. Stattdessen wagen sie den Tanz auf dem schmalen Grad zwischen Darkwave und Synthiepop. Weiterlesen

Das große Kopfschütteln

Neck_Cemetery-BIACNeck Cemetery entstammen Köln und dem Ruhrgebiet und haben sich zwar erst 2018 gegründet, sind jedoch keine unerfahrenen Neulinge in der Musiklandschaft. Sänger Jens Peters war zuvor bei Aleatory und Season Of Flames aktiv, Gitarrist Boris Dräger bei Black Sheriff. Yorck Segatz spielt aktuell bei Sodom Gitarre und früher bei Beyondition, Bassist Matt Hauser ist auch bei Hornado aktiv und Drummer Lukas Strunck bei Black Sheriff. Gemeinsam frönen sie ihrer Leidenschaft für den guten alten Heavy Metal und agieren dabei so trve und authentisch, wie nur irgend möglich, und davon möchte ich mich mit Born in a coffin überzeugen. Gastauftritte liefern hierbei Chris Boltendahl (Grave Digger) sowie Gitarrist Michael Koch (Ex-Atlantean Kodex).
Das bemerkenswerte Albumcover stammt übrigens von Besil Wrathbone, der mit seiner Kunst auch schon für Sodom und die Kult-Skateboardmarke Koloss tätig war. Weiterlesen

Vereinigung statt Teilung

2438191Aus Stockholm stammen die 2013 gegründeten A Projection, und damit befinden sich die Schweden in bester Gesellschaft, denn auch Henric De La Cour, Kite und The Exploding Boy stammen von dort. Deren Sänger Johan Sjöblom ist es auch, der mich letztes Jahr im Interview (Link) auf die Band aufmerksam gemacht hat. Das Debüt Exit stammt von 2015, Framework erscheint zwei Jahre später, und mit ihrem deutlich 80er-inspirierten Post Punk haben sie mich direkt begeistert. In der Zwischenzeit gab es gesundheitliche Probleme und Besetzungswechsel, Sänger Isak Erikson stieg aus. Doch nach einer schwierigen Zeit ist nun das neue Album Section bei Metropolis Records erschienen, für das Bassist Rikard Tengvall ans Mikro gewechselt ist. Linus Högstadius, Jesper Lönn und Gustav Forneus vervollständigen das Line-Up. Weiterlesen

666 m Kabel

Der heutige Konzertabend bedeutet gleich dreimal Neuland für mich, da ich mit allen drei Bands/Künstlern nicht vertraut bin. Rhys Fulber kenne ich jedoch als Soundtüftler von der EBM-Legende Front Line Assembly, die letztes Jahr eine beeindruckende Double-Headliner-Show zusammen mit Die Krupps absolviert haben (Link zum Bericht). Sein Dark-Techno-Solowerk ließ mich beim Reinhören überraschend aufhorchen, denn im Normalfall ergreife ich bei Techno die Flucht. Priest hingegen, die sich aus Ex-Mitgliedern von Ghost zusammensetzen, und bei denen im Vorfeld das Besetzungskarussel zugeschlagen hat, machen Synthie-Pop mit starken 80er-Jahre-Anleihen, und beim WGT hat es zeitlich leider nicht hingehauen. Craven, der den Abend eröffnet, ist mir zugegebenermaßen völlig unbekannt. Weiterlesen