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Die schöne Leich‘

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Vergangenheit

Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Einwohnerzahl Wiens und die der Toten stieg, brauchte man einen größeren Friedhof. 1863 beschloss der Wiener Gemeinderat die Errichtung eines Zentralfriedhofs. Ein geeignetes Grundstück wurde gesucht, eine Ausschreibung über die Gestaltung durchgeführt, und man war sich einig über den interkonfessionellen Charakter des Friedhofs wie auch über die Möglichkeit, einzelnen Glaubensgemeinschaften auf deren Wunsch eigene Abteilungen zu überlassen. Am 1. November 1874 wurde der Wiener Zentralfriedhof offiziell eröffnet. Nur, was soll man sagen, der Wiener mochte diesen Friedhof nicht, und er war dementsprechend schlecht besucht. Das Gelände sei trostlos, die Anreise zu lang, und die endlosen Leichentransporte entlang der Simmeringer Straße seien deprimierend. Um diesem negativen Image entgegenzuwirken und die Attraktivität des Friedhofs zu steigern, beschloss der Gemeinderat 1881 die Errichtung einer Ehrengräberanlage. Dazu wurden die sterblichen Überreste verschiedener prominenter Persönlichkeiten von anderen Friedhöfen auf den Zentralfriedhof verlegt. Hinzu kam nach etlichen Jahren eine Friedhofskirche als weiterer Anziehungspunkt für die Besucher. Nach den minimalistischen „Sparbegräbnissen“ unter Kaiser Josef II. begann dann auch das wohlhabende Bürgertum, es den Adeligen gleichzutun, und inszenierte prunkvolle Trauerfeiern und Begräbnisse. Seitdem gibt es den Begriff der „schönen Leich“. Heute noch interessieren sich die Wiener für „schöne Beerdigungen“, und prominenten Persönlichkeiten wird eine letzte Ehre erweisen. Im Februar 1998 zum Beispiel wohnten der feierlichen Beisetzung von Popstar Falco in einem ehrenhalber gewidmeten Grab Tausende Menschen bei.

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