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Deuteriumoxid (Schweres Wasser)

Manche Musik trägt so viel mit sich, dass man nach einigen Songs erst mal tief durchatmen muss. Bei Amanda Palmer geht mir das so, bei Kristin Hershs Veröffentlichungen mit 50 Foot Wave, und zunehmend auch bei Marie Landos Electro-Industrial-Projekt grabyourface. Gab es auf dem 2018 erschienenen Longplayer Keep me closer neben dem Tiefdunkel der Texte noch musikalische Kontra-/Lichtpunkte und Verschnaufpausen, eine (genretypische) Schönheit des Düsteren, fiel das folgende Summer on Saturn (2019) wesentlich kürzer aus und gleichzeitig noch viel dunkler, schwerer, im besten Sinne roher – drei Songs, die den Status einer eigenständigen Veröffentlichung völlig ausfüllen. Auch das 2020 entstandene Sea ist mit sechs Songs eher kurz, und das ist gut so. Hochkonzentriertes verdient auch vollste Konzentration beim Hören, wie sie über Albumlänge nur schwer zu halten ist. Und diese EP verdient die Aufmerksamkeit nicht nur, sie nimmt sie sich, sie packt einen, so ungefähr um den Magen herum, und zieht einen mit, halb hinhören ist hier eh nicht, also besser gleich gründlich zugehört. Weiterlesen

Jeder Baum sieht den andern

diaspora_coverAnfang November, Regen an den Scheiben, draußen geht der hervorragend neblig-trübe Herbsttag seinem frühen Ende entgegen und drinnen ist es der richtige Zeitpunkt, nicht rauszugehen, sondern sich lieber das neue Album von The Bedroom Witch anzuhören. Das Projekt aus Los Angeles existiert bereits seit 2011, seitdem sind vier Longplayer erschienen, ich wurde allerdings erst durch den Sampler Sacred Spells des Labels Psychic Eye darauf aufmerksam (zur Besprechung hier entlang). Der dort vertretene Track „This house is no longer“ machte gewaltig Vorfreude auf ein fünftes Album. Jetzt ist Diaspora also erschienen und wir stellen fest: Die Vorfreude war berechtigt.

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Kalte Töne, um das Herz zu wärmen

Oul_AntipodeDas Rezensieren von neuer Musik ist immer ein kleines Abenteuer, selbst wenn man die Band schon kennt oder glaubt, über den jeweiligen Künstler einiges zu wissen. Mehrere Durchläufe, gern mit ein paar Tagen Abstand, sind obligatorisch, und erst beim zweiten, dritten oder vierten Mal kristallisieren sich Ohrwürmer, Favoriten und Rohrkrepierer heraus. Sollte dies schon früher passieren, ist das bemerkenswert und geschieht tatsächlich recht selten, selbst bei bekannten und geschätzten Künstlern. antipode von OUL ist aber so ein Fall, denn schon beim ersten Hördurchgang haken sich einige Songs ganz fies im Ohr und in der Seele fest, und man muss die Scheibe nicht nur mehrmals hören, man möchte es sogar ganz dringend. Wer steckt nun hinter OUL und antipode, dem Debütalbum? Weiterlesen