Unser WGT 2018: Samstag, 19. Mai

Phoebe:

Plakat Saeldes SancSaeldes Sanc und Ernst Horn sind für 17 Uhr in der Peterskirche angekündigt. Das ist ein Event, das man auch ohne WGT-Bändchen aufsuchen kann. Keine Ahnung, ob es voll werden würde. Lieber überpünktlich dort sein. Die Peterskirche an sich (mit dem höchsten Kirchturm Leipzigs!) lohnt einen kleinen Abstecher, und Hannah Wagner mit Ernst Horn ist toll wie immer. Hannah Wagner hat eine wundervolle ausdrucksstarke Stimme, mit der sie alle Töne in allen Stimmlagen exakt trifft. Zwischendurch immer wieder ein kleiner Joke zwischen Hannah und Ernst um das Mikro, Hannah Wagner wie gewohnt in Plauderlaune. Liebenswert!

Abends geht’s ins Heidnische Dorf. Hier spielt Qntal, die Münchner Gruppe um „Dr.“ Michael Popp und Sigrid Hausen („Syrah“), seit einigen Jahren einzigartig verstärkt um Sarah Newman („Mariko“). Weit über eine Stunde lang Musik vom Feinsten! Hauptsächlich aus Qntal VII und Qntal VIII – Nachtblume, mit mittelalterlichen Texten und Texten des deutschen Romantikers Joseph von Eichendorff sowie des deutschen Fantasy- und Science-Fiction-Autors Markus Heitz. „Nachtblume“, „Schnee“ sowie einige Klassiker aus den diversen Alben, dazu der fröhliche, unkomplizierte, liebenswerte Auftritt im mittlerweile dunklen und allmählich kalten Heidnischen Dorf, das sind Konzertauftritte, die man nicht vergisst. Nicht vergessen werde ich allerdings auch ein paar übel angetrunkene Zeitzeugen, die zumindest am Anfang etwas gestört haben.

Nachdem es am Ende doch schon sehr spät ist, kann man getrost gemächlich aufs agra-Gelände schlendern, dort noch etwas Kleines essen und sich dann in die Halle zu Wardruna um 0.30 Uhr begeben. „Wardruna ist ein musikalisches Projekt zur Erkundung und Erweckung der Erinnerung an die „nordische Spiritualität und Weisheit“ und die Runen des älteren Futharks.“ So steht’s in Wikipedia. Gegründet wurde Wardruna 2003 von Einar „Kvitrafn“ Selvik – den ich am Abend davor im Schauspielhaus gesehen habe – zusammen mit Gaahl und Lindy Fay Hella. Im Jahr 2014 wurde bekannt, dass Wardruna sich am Soundtrack für die zweite Staffel der Fernsehserie Vikings beteiligen würde. Ich muss gestehen, dass ich den Künstler mit seiner Band ansonsten vielleicht auch nicht kennen würde. Wenn man aber mal darauf aufmerksam wurde, fesselt sie einen. Natürlich ist der Auftritt in der agra pompöser und voluminöser als im Schauspielhaus. Die Musiker sind gewissermaßen gewandet, es gibt einen wunderschönen Bühenhintergrund in immer wieder anderen Farben, und es wird nicht viel erzählt, sondern zur Sache gegangen. Einars Stimme wieder einzigartig, die Sängerin hat auch eine volle, tolle Stimme, sie tanzt auch ganz eigen, wie eine Amazone oder eine Wikingerin. Leider bin ich weit nach 1 Uhr morgens vom Tag kaputt, die Beine wollen nicht mehr, ich muss sitzen. Bloß wo? Irgendwo an der Seite, um den Preis, nichts mehr zu sehen. Und wenn man die faszinierenden Instrumente, die charismatischen Musiker und die Bühnenbeleuchtung nicht mehr sieht, wird die Musik, obwohl sie hypnotisch ist, irgendwann langweilig. Da hilft es auch nicht, irgendwelchen Ausdruckstänzern im Publikum vom Rand aus zuzusehen. Dennoch ein tolles Konzert.

© golgafrinchan - Wardruna-FB

© golgafrinchan/Gothenburg – Wardruna-FB

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littlenightbird:

Am Samstag kann ich zunächst in der agra und im Heidnischen Dorf meinem Shoppingtrieb nachgehen, bevor ich völlig überstürzt zu einem „Geheimtipp“ hetzen muss: Death in Rome im Park des Parkschlösschens im Rahmen der „Blauen Stunde“. Durch die Fehlinformation der völlig ignoranten Ordner im HeiDo davon ausgehend, man könnte wie vor 20 Jahren den kurzen Weg durch dieses zum Parkschlösschen nehmen (nein, ist nicht, uns wurde dies am Vordereingang zwar bestätigt, am Hinterausgang wurden wir jedoch wieder zurückgeschickt, weil da jetzt Backstagebereich ist), sind wir viel zu spät dran und müssen um das ganze Gelände herum hetzend unseren Weg suchen (mit Einkaufstüten beladen und Plateauschuhen ein anstrengendes Unterfangen). Ich bin zwar völlig am Ende, aber es hat sich gelohnt: Wir können etwa zwei Drittel eines netten Konzertes, das in einem malerischen Pavillon auf einem Hügel mitten in der Parklandschaft an einem kleinen Teich stattfindet, zumindest akustisch mitverfolgen, denn die Optik ist durch die nur kleine Öffnung des Pavillons und die Traube der Menschen davor, die auf der Anhöhe stehen, ziemlich beschränkt. Doch man hört auch gut, wenn man es sich in der Wiese gemütlich macht. Da Death in Rome zu meinen bevorzugten Bands gehören und das Ambiente sehr schön und entspannt ist, bereue ich es nicht, mühevoll dorthin geeiert zu sein. Es wird zum Schluss auch noch Neil Mitra von Faun als Ehrengast angekündigt.

© Ray Montag - Death in Rome-FB

© Ray Montag – Death in Rome-FB

Abends höre ich mir Front Line Assembly in der agra-Halle an, wo man wie immer gut Platz hat und locker eingelassen wird. Ich finde die Band durchschnittlich, aber tanzbar. Meine Freundin ist anscheinend weniger begeistert („der hat so genuschelt wie ich morgens mit der Knirschschiene im Mund!“), aber die Texte hätte ich wegen der Ohrstöpsel und bei der nicht immer so perfekten Akustik in der agra eh nicht verstanden. Wer braucht schon Texte beim Tanzen? (Grins-Modus)

Nach einer feuchtfröhlichen Pause vor dem Absinth-Stand will die Clique zu Wardruna in die agra zurückkehren. Ich bin nicht sonderlich angetan von diesem nordischen Gedröhne, zumal ich es daheim derzeit tagein-tagaus höre, gehe aber mit und verbringe meine Zeit eher an der Cocktailbar in der Halle. Den anderen hat das Konzert sehr gut gefallen, für sie war es den Besuch wert.

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torshammare:

20180518_152729Der Samstag beginnt entspannt und langsam, mit Bummel durch die ganz aufs WGT eingestellte Stadt und Pizza bei Vapiano (wo ich den tollsten Hut des WGT sehe, ein wahres Wagenrad in Schwarz, mit Rüschen und aufgenähten Totenköpfen), dann geht es zur agra raus, die traditionelle Hallo-Runde zu Edition Roter Drache und dem Hands-Stand (den ich natürlich nicht ohne neue CDs verlasse) absolvieren, sich durchs Getümmel treiben lassen, um dann pünktlich um halb sechs zusammen mit Ankalætha Seigmen Teil 2 aka Zeromancer anzuschauen. Heute ist die agra-Halle schon merklich voller, stickiger und lärmiger, aber der Sound hält noch einigermaßen. Der sehr viel eingängigere Elektrorock von Zeromancer reißt die Leute auch gleich von Anfang an mit, der Jubel ist groß, und die Leute tanzen bis weit hinten. Das fällt bei Songs wie „Auf Wiedersehen Boy“, „Clone your lover“ oder „Sinners international“ auch nicht schwer. Die Band ist vom vorherigen Abend noch bestens eingespielt, macht ordentlich Dampf, und Alex Møklebust steht keine Sekunde still auf der Bühne. Der Jubel ist so groß, dass die Band sich völlig überwältigt immer wieder bedankt. Als Abschluss gibt es das hervorragende Depeche-Mode-Cover „Photographic“, das uns noch mal so richtig einheizt. Takk igen!

20180519_210904Danach geht es mit der Tram wieder zurück in die Stadt, denn im Täubchenthal bitten Frank the Baptist zur Audienz und Präsentation der brandneuen EP Angry kids of jealous gods. Nach einem schnellen Abstecher zum Merch-Stand sichere ich mir einen Platz in der zweiten Reihe und freue mich auf meine geliebten Bandhymnen. Ein wenig besorgt bin ich allerdings, wenn ich an den Sound vor drei Jahren beim FtB-Auftritt im Täubchenthal zurückdenke, der eine einzige Katastrophe war. Als das Intro verdächtig lange dauert und noch hektisch an einigen Kabeln herumgebastelt wird, befürchte ich das Schlimmste, doch dann hören wir Frank Vollmanns Stimme, ebenso wie alle anderen Instrumente – Halleluja! Nach der charmanten Begrüßung – „We’re Frank the Baptist and we’d like to touch you inappropriately“ – geht’s los, und direkt vor der Bühne scheinen nur eingefleischte Fans zu stehen, was sehr schön ist. Songs wie „Silver is her color“, „Ashes ashes“, „Diogenes travels“ oder der neue Song „Like vandals did (when in Rome)“ lassen einen aber auch nicht stillstehen. Die Band ist bester Laune, Frank kommuniziert entspannt-sarkastisch mit dem Publikum, unterstützt vom Beast from the East Julio am Bass, und alles wiegt sich zu den wunderbaren Melodien. Die Songs der neuen und streng limitierten EP fügen sich hervorragend in das alte Material ein, und besonders ein Track macht großen Spaß. Frank meint dazu: „We wrote a song for the Misfits and they fucked it up“ – alles muss man selbst machen! „Die die my darling“ kennt man bereits, wenn man FtB auf Tour mit Chameleons Vox gesehen hat (Review), das Cover macht aus dem Song etwas ganz Eigenes. Das wunderschöne „Thumbelina“ sowie „Scars forever“ und das legendäre „If I speak“ (beide von meinem FtB-Lieblingsalbum The new colossus) beenden den Auftritt, der wirklich rundum gelungen ist, wenn auch zu kurz. Wann kommt mal eine Headlinertour, Jungs?

Danach sammele ich meine beiden Mitbewohnerinnen ein, und wir versumpfen noch ein wenig im lauschigen Innenhof, während drinnen schon All Gone Dead zu spielen anfangen. Die hatte ich eigentlich auch sehen wollen, weshalb wir noch mal kurz reingehen, doch das Täubchenthal ist mittlerweile brechend voll, und von hinten matscht der Sound ziemlich. Wir verziehen uns also recht bald wieder und fahren in die Innenstadt, wo Ankalætha und ich uns noch ein wenig die Füße auf der La Revolucion Industrial in der Moritzbastei wund tanzen – Rhythm’n’Noise-Gewummer im Oberkeller ist schon schick … da hat München eindeutig noch Nachholbedarf.

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Mrs. Hyde:

Nach einem kleinen Shopping-Bummel durch die erstaunlich leere agra verbringen wir den gesamten Tag entspannt im Täubchenthal, den Readership Hostile eröffnen. Musikalisch wissen sie mit ihrem Deathrock zu gefallen, allerdings ist die Stimmfarbe von Sängerin Adrienne Pearson auf Dauer etwas anstrengend und treibt uns in den Außenbereich. Mit Joy/Disaster folgt eines meiner Highlights, da sie viele Songs vom tollen neuen Album präsentieren (Link zur Review). Auch Second Still halten das Niveau mit von Dark Wave bereichertem Post Punk weiter hoch, bevor es zu Frank the Baptist noch einmal voller wird, aber nicht eng. Der Sound ist heute gothlob optimal, ganz im Gegensatz zur letzten Show an selber Stelle vor drei Jahren, wo der Gesang von Frank leider völlig unterging, und so haben Band und Publikum viel Freude am Auftritt. Nun heißt es es All Gone Dead oder Siglo XX. Aber wegen befürchteter und oft schon erlebter tropischer Temperaturen und schlechten Sounds im Felsenkeller bleiben wir vor Ort und werden nicht enttäuscht. All Gone Dead liefern auch zwölf Jahre nach ihrer Trennung ein packendes Konzert, zu dem einige Batcaver auf die Empore ausweichen, um dort ausgiebig tanzen zu können. Wir bleiben noch auf der nun folgenden When We Were Young Party, die für uns gegen halb zwei ein jähes Ende findet, als ein Besucher meiner Begleitung versehntlich sein Bier über die Füße kippt, weil er seine Jacke ablegen will.

© Oliver Krapp - Joy/Disaster-FB

© Oliver Krapp – Joy/Disaster-FB

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Ankalætha:

Frühstück Juntti - 1 (1)Samstags muss ich ausnahmsweise mal relativ früh aufstehen, denn um 11.00 Uhr findet im Café Stein das zweite jährliche Mimimi-Frühstück statt. Hier treffen sich Mitglieder der Facebook-Gruppe „Weinen – Gotik – Trauer (WGT)”, um, wie es in der Einladung heißt, „gemeinsam in den Kaffee zu weinen” – aber bitte nicht zu viel, sonst ist der nicht mehr schwarz genug. Erkennen kann man die Mimimi-ler übrigens daran, dass ein Plüsch-Rentier namens „Juntti von Schlotterstein” auf dem Tisch sitzt – das mit dem Trauern und Klagen dagegen müssen wir, glaube ich, noch ein bisschen üben.
Fünf Stunden später bin ich dann auf dem Weg zur agra, allerdings ist nicht nur die Tram überfüllt, sondern auch die Straße außenrum, sodass der Markthallenbummel für heute leider ausfallen muss. Ich treffe mich am HANDS- Stand mit torshammare, und gemeinsam geht es zum Tanzen zu Zeromancer. Danach beschließe ich, Zanias wegen der Gefahr einer erneuten kompletten Überfüllung des Stadtbades sausen zu lassen und stattdessen gemütlich mit zu Frank the Baptist ins Täubchenthal zu fahren – muss aber beim Warten auf die Trambahn feststellen, dass mein linker Stiefel grade seine Plateausohle verliert. Bei 18cm ein durchaus ernstzunehmendes Problem – also heißt es erst nochmal: zurück in die Wohnung, Schuhe wechseln. Auf dem dadurch verspäteten Weg von Stiefel - 1der Linie 1 zum Konzert komme ich mit einer jungen Dame ins Gespräch, deren „Pech des Tages” meines noch toppen kann – geteiltes Leid ist halbes Leid, und ein gemeinsamer Weg auch nur halb so weit.
Der Rest des Auftrittes von Frank the Baptist macht glücklicherweise einiges wieder wett, das Täubchenthal ist heute angenehm gefüllt (genug Stimmung und genug Luft, es ist ein Traum), und zum Schluss habe ich nicht nur torshammare wiedergetroffen, sondern unerwarteterweise auch noch unser drittes WG-Mitglied. Nach einem gemütlichen Ratsch im Hof geht es dann gemeinsam mit torshammare noch in die MB zur „Revolucion Industrial” im Oberkeller und schließlich – ausgepowert und glücklich – nach Hause.

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