Alles was Räder hat, kommt bestens ans Ziel

Ich liebe es, Drehorte von mir geliebten Filmen oder Serien zu suchen. In München bin ich zum Beispiel schon auf den Spuren des Monaco Franze, vom Pumuckl und Der Hausmeisterin unterwegs gewesen. Da mir vor kurzem die Berliner Miniserie mit Jordis Triebel, Marzahn Mon Amour so sehr gefallen hat, war ich richtiggehend neugierig auf diese Orte.

Die S7 Richtung Ahrensfelde bringt mich in ca. 40 Minuten direkt von meinem Hotel Nähe Savignyplatz nach Marzahn. Die Fahrt macht Spaß, mein Platz am Fenster bietet interessante Ausblicke. Zoologischer Garten, Tiergarten, Bellevue, HBF, über Hackescher Markt, Alexanderplatz, lauter Sightseeing von oben. Jannowitzbrücke, Ostbahnhof, Warschauer Straße, hier schon mehr Durcheinander und Graffitis. Ich glaube, ich bin noch nie weiter als bis Ostkreuz gekommen. Was hier für Haltestellen kommen: Springpfuhl! Poelchaustraße! Und dann Marzahn. Dazwischen war schon sehr viel Grün zu sehen und viel DDR-Plattenbau. Bin direkt ein wenig aufgeregt, was mich in Marzahn erwarten wird! Beim Aussteigen kommt es mir gleich ein wenig bekannt vor, denn der S-Bahnhof Marzahn ist einer der Drehorte. Ich sehe mich um.

Es stimmt, was die Hauptfigur in der Serie sagt: Hier in Marzahn sind die Gehwege intakt, sie haben abgesenkte Bordsteinkanten und „alles, was Räder hat, kommt bestens voran und ans Ziel“. Ich sehe hier ältere Menschen mit Rollatoren, Menschen im Rollstuhl, die ohne Hindernisse geschoben werden können, fröhliche Fahrradfahrer*innen, die sogar nebeneinander fahren können, Kinder, die zu dritt nebeneinander Rollschuh fahren! Das ist ja ein Idyll!

Die Hauptperson in der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Katja Oskamp ist Kathi (Jördis Triebel). Sie muss – jenseits der 40 – beruflich neu anfangen. Dies gelingt ihr als Fußpflegerin in der „Beauty Oase Marzahn“. Ich hatte gelesen, die gibt es nicht wirklich. Doch das Drehteam hatte den Salon an der Marzahner Promenade so realistisch dargestellt, dass etliche Leute wohl die Nummer am Schaufenster angerufen hatten, um sich einen Termin geben zu lassen. Wo genau der fingierte Salon ist, ist nicht bekannt, vielleicht hier in der Nähe:

Die Damen vom Beautysalon sieht man oft hinter dem Salon bei der Zigarettenpause. An vielen Stellen, die ich hier entlanglaufe, könnte ich mir vorstellen, dass sie als Drehort genutzt worden sein könnten. Bemerkenswert bei allem: Alles auffallend sauber.

Die Marzahner Promenade hat einige kleine Geschäfte, Kneipchen, Döner- und Asialäden, Bäckereien, Banken, Lebensmittelläden, überall freundliche Menschen. Das „Eastgate“, die Shopping Mall direkt am S-Bahnhof, taucht in der Serie mehrfach im Bild auf. Es ist ein Shopping-Eldorado, wie in München das PEP oder das OEZ. Nur: Hier war es sehr viel entspannter, die Läden waren nicht so voll, das Personal ausgesprochen höflich.

Also ich darf sagen, Marzahn hat mich positiv überrascht. Nichts mit Glasscherbenviertel, mit düsteren Hoodie-Trägern, die im Rudel auftreten, randalierenden Mädchenbanden, Angst um meinen Rucksackinhalt.

Böse? Nein!

Fast wehmütig setze ich mich wieder in die S-Bahn Richtung Innenstadt. Dort wird mir mitten am ach so gesitteten Savignyplatz gleich der Kopf zurechtgerückt. In dem einen Café bekomme ich keinen Platz, weil ich nur was trinken will (nachmittags um 15 Uhr!), in einer anderen Kneipe mit durchaus genügend Platz schreit mich die Bedienung an, was ich denn noch in der Karte blättere, so viel verschiedene Weißweine hätten sie doch gar nicht! (Ich wollte nur ein Glas Weißwein, ohne Essen, und vielleicht nicht den allerteuersten, den sie mir beliebt zu überbringen).

Als Fazit kann ich sagen, Marzahn, trist? Keineswegs. Mir kam es lebens- und liebenswert vor. Und das nächste Mal werde ich mir auch noch die paar Stationen bis zur Endhaltestelle vornehmen.

 

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