Kinderträume – auch für Erwachsene

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„Urlaub dahoam“ also. Ich hatte ein entzückendes Buch über Margarete Steiff gelesen und danach den sehr sehenswerten Film mit Heike Makatsch gesehen. Ich erinnerte mich an meine Sehnsucht nach Steiff-Tieren in meiner Kindheit und fand, das Steiff-Museum wäre einmal eine Reise wert.

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Es ist vom Bahnhof Giengen sehr gut zu Fuß zu erreichen, in ungefähr drei Minuten, immer den Bärentatzen am Boden nach!

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Beim Draufzugehen sieht man das Fabrikgelände, auf dem immer noch das „Jungfrauenaquarium“ steht. Das ist die im Jahr 1903 errichtete Fabrikhalle. Der seltsam anmutende Name kommt daher, weil in der verglasten Halle früher vorwiegend unverheiratete Frauen arbeiteten. Dann kommt man zu diesem großen runden Etwas, aus dessen Fenster von oben ein Riesenteddy winkt, das ist das Steiff-Museum. Es zeigt die Geschichte des berühmtesten Teddybären der Welt und die Firmengeschichte. Auf drei Etagen wird man durch die 2.400 qm große Ausstellungsfläche geleitet mit über 2000 Ausstellungsstücken.

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Alles beginnt im Nähzimmer der Firmengründerin Margarete Steiff. Sehr süß gemacht ist das. Eine Stimme aus dem Off erklärt den Zuschauern, was Margarete in diesem Zimmer gemacht und gedacht hat.

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Da bekommen Stofffetzen ein Eigenleben, die Nähmaschine fängt wie von Zauberhand zu nähen an, Fadenrollen bewegen sich auf dem Tisch.

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Danach stellen sich der Bär Knopf und das Puppenmädchen Frieda vor. Gemeinsam gehen wir auf die Suche nach den dreitausend verschollenen Bären, die bei einem Schiffsunglück versanken. Wir kommen dabei in der Unterwasserwelt vorbei, wo es kleine Clownfische gibt wie Nemo und Dorie, aber auch Seesterne und Seeanemonen und größere Fische. Wir kommen an den Nordpol zu kuscheligen Eisbären, sehen Vogelwelten, bis wir schließlich in einer ganzen Welt voller Teddybären sind!

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Danach kommt für Kinder der Höhepunkt: der Streichelzoo! Wer kann sich privat diese Riesentiere leisten? Aber hier kann man auf Elefanten reiten, Giraffen streicheln und allerhand andere wilde große Tiere. Und ganz ehrlich, es war nicht ein Erwachsener dabei, der nicht auch Selfies mit seinen Lieblingstieren gemacht hätte. Das absolute Highlight für Kinder ist eine 15 Meter lange und 800 kg schwere Schlange, die sich durch das Museum schlängelt, in ihr kann man von oben nach unten rutschen!

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Schön gemacht ist auch der historische Bereich. Hier kann man ausgewählte und heute seltene Stücke aus der über 140-jährigen Steiff-Historie sehen, viel Persönliches von und über Margarete Steiff, aber auch die Historie und Weiterentwicklung der Steiff-Tiere. Selbst das Original-Elefäntle von 1880 ist hier ausgestellt.

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Bei der Schaufertigung von Produkten kann man beim Nähen zuschauen. Schritt für Schritt wird gezeigt, wie Steiff-Tiere entstehen, teilweise in liebevoller Handarbeit, man kann es kaum glauben.

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Danach erwartet einen wie in fast jedem Museum ein Shop. Hier kann man in Steiff-Produkten schwelgen. Selbst ich habe mir einen Teddy mitgenommen, wenngleich er auch ganz klein ist und eigentlich auch nur ein Schlüsselanhänger. Ich bin zufrieden.

Geschichtsfakten am Rande:
Margarete Steiff lebte von 1847 bis 1909. Sie war die Tochter eines Bauwerkmeisters in der schwäbischen Stadt Giengen an der Brenz. Durch ihre Kinderlähmung auf den Rollstuhl angewiesen, hat sie sich früh mit Stoffen und Nähen befasst. Sie wurde eine Kinder-Versteherin. Ihr Motto war: „Für Kinder ist nur das Beste gut genug“. Sie hatte Freude am Kreieren von Tierskulpturen. 1880 gründete sie die Margarete Steiff GmbH. Das erste Steiff-Tier war das „Elefäntle“, eigentlich als Nadelkissen gedacht. 1902 kam der Teddy auf die Welt, mit dem Knopf im Ohr. Er hat seinen Namen vom amerikanischen Präsidenten Theodore Roosevelt.
Ein erstes Steiff-Museum entstand bereits 1980 in der Fabrikhalle, im „Jungfrauenaquarium“. Zum 125jährigen Firmenjubiläum wurde das neue Steiff-Museum gebaut, 2005 wurde es eröffnet. Ins Fundament eingegossen wurden u.a. eine Replik des „Elefäntle“, des ersten weichen Spielzeugs für Kinder, und eine Replik des ersten Teddybären 55 PB. Und warum das Museum so eine runde Form hat? Es ist dem Knopf im Ohr, so typisch für die Produkte von Steiff, nachempfunden.

Steiff Museum
Margarete-Steiff-Platz 1
89537 Giengen an der Brenz
Geöffnet Di – So von 10.00 – 17.00 Uhr

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