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Unterwegs: Münchner Gschichten: Graffiti gegen Graffiti

Geht der Plan auf?

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Seit ein paar Jahren gibt es auf dem ehemaligen Rodenstock-Gelände im Dreimühlenviertel einen hochwertigen Wohnblock. Die Anwohner waren entsetzt, dass nun Yuppies einziehen würden und Gentrifizierung stattfände. Aber man hat sich weitgehend arrangiert, es wohnen doch auch weitgehend normale Leute dort. Nichtsdestotrotz hört das Haus nicht auf, eine Zielscheibe von Gentrifizierungsgegnern zu sein. Immer wieder wird die Fassade besprüht und beschmiert. Sogar auf den Fenstern des dortigen Kindergartens wurde eine Botschaft hinterlassen: „Verreck!“ Übel! Die Eigentümerin des Gebäudes, die Versicherungskammer Bayern, hat sich nun etwas ausgedacht, denn immerhin ist die Reinigung der Außenwände auch nicht gerade billig, von den Klagen der Bewohner und Ladeninhaber im Erdgeschoß ganz zu schweigen. Man könne doch Graffiti gegen Graffiti einsetzen.

Der Sprecher der Versicherungskammer weiß von dem Ehrenkodex in der Graffiti-Szene, dass man nichts übersprüht, was besser ist als das, was man selbst macht. Man hoffte, dass der Vandalismus damit ein Ende hat. Ein Künstler wurde engagiert. Ein riesiges Graffiti sollte entstehen, das spielerisch die Situation aufgreift, u. a. mit einem Männchen, das mit dem Zeigefinger droht. Eigentlich alles klar, oder? Vergangenes Wochenende sollte das Werk eines bekannten Künstlers (leider weiß ich nicht, wer!) fertig sein. Ein paar wenige Tage später habe ich es geschafft, dort noch einmal vorbeizugehen und es mir anzuschauen. Tja. Seht das Ergebnis:

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Es macht einen wütend und traurig zugleich.

Quelle Inhalt: tz vom 21.3.2019

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