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Westfriedhof München

Der Westfriedhof in München wurde vom damaligen Stadtbaurat Hans Grässel geplant und im Jahr 1902 eröffnet. In den 1920er Jahren musste die Bodenbreitstraße aufgelassen werden, um eine Erweiterung des Areals möglich zu machen1).
Es gibt elf Zugänge rund um diesen Friedhof (siehe hierzu auch den Plan der Städtischen Friedhöfe Münchens). Eine gute Einstimmung erhält man beim Eintritt über den Haupteingang an der Baldurstraße.

westfriedhof-aussegnungVon der Straße durch eine brusthohe Mauer abgegrenzt, erhebt sich dahinter die frühchristlich gestaltete Aussegnungshalle, die von außen durch ihren Kuppelbau auf sich aufmerksam macht. Laut Information der Friedhofsverwaltung diente das Mausoleum San Constantia in Rom als Vorlage. Innerhalb der Trauerhalle soll die Ausmalung der Kuppel imponierend sein – leider konnte ich mich davon nicht selbst überzeugen. Zu beiden Seiten des Gebäudes befinden sich Bogengänge. Durch einen von diesen gelangt man zu einer breiten Terrasse, die einen weiten Blick auf das Gelände zulässt. Unter anderem kann man auf der linken Seite einen Glockenturm sehen, der vielleicht schon so manchem Sterblichen seine Töne mit auf den letzten Weg gegeben hat.

westfriedhof-borstÜber eine Treppe gelangt man zur 49,72 Hektar großen Begräbnisstätte, auf der sich etwa 41.700 Grabplätze befinden2). Entlang einer breiten Allee, die von aufragenden Grabmalen gesäumt wird (unter anderem dem der Familie Borst, der so manchem Münchner auch durch die Borstei ein Begriff sein dürfte) und vorbei an der Ölberggruppe gelangt man zu einem von Bäumen beschatteten Bereich, in dem sich ganz unterschiedliche Grabstätten befinden. Die Vielschichtigkeit, die unterschiedlichen Materialien und die zum Teil kunstvolle Ausgestaltung der Grabsteine gilt es in den sich links und rechts erstreckenden Parzellen zu entdecken.

westfriedhof-gesellengrabBei diesem Spaziergang kann man auch vielen bekannte Persönlichkeiten begegnen, die hier ihre letzte Ruhestätte fanden. Man sollte sich Zeit nehmen für die Suche, nicht jedes Grab ist leicht zu finden. Beeindruckend ist unter anderem das „Gesellengrab“. Wikipedia gibt hierzu Auskunft: „Es erinnert an 22 junge Männer, Mitglieder des katholischen Gesellenvereins St. Joseph, die im Mai 1919 in ihrem Vereinslokal gezecht und danach die noch gültige Ausgangssperre nicht beachtet hatten. Sie wurden von einem Berliner Regiment aufgegriffen und für Spartakisten gehalten. Den Gesellen gelang es nicht, die Situation aufzuklären, was auch an Verständigungsproblemen zwischen den Bayern und den Preußen gelegen haben soll. Sie wurden alle erschossen.“
Erwähnenswert finde ich auch die geschichtlichen Vorkommnisse zum Gräberfeld der Englischen Fräuleins: „Im Nymphenburger Schloß sollte die ‚Hauptstadt der Bewegung‘ ein repräsentatives Jagdmuseum erhalten. Deshalb erfolgte 1938 ein Umbau im nördlichen Schloßflügel. Dabei wurde die Institutskirche der Englischen Fräulein als Bibliotheksbau in das Museums-Vorhaben miteinbezogen. Die unter der profanierten Kirche befindlichen Grüfte mußten daher umgehend geräumt werden. Dort ruhten Chorfrauen der Nôtre-Dame-Schwestern, die bis zur Säkularisation 1803 das Königliche Erziehungsinstitut führten. Die Gebeine von insgesamt dreiundvierzig Toten wurden am 5. März 1938 von der Gruft im nördlichen Schloßflügel in einer abgeschirmten Aktion in den Westfriedhof überführt.“ 1)

Beim Verlassen des Westfriedhofs über den Haupteingang kann man noch eine Sehenswürdigkeit entdecken: Unterhalb der Aussegnungshalle erstreckt sich eine Krypta. Über eine Steintreppe gelangt man erst einmal in einen düsteren Bereich, rechts erstreckt sich eine (vorerst) dunkle Wand, der vorher betätigte Lichtschalter scheint nicht zu funktionieren. Es geht weitere Stufen hinab, um die von natürlichem Licht erhellte unterirdische Grabanlage zu erreichen. In der Rotunde fällt sofort eine dunkle Baustelle ins Auge, die Teil einer Generalsanierung der Gebäude auf dem Westfriedhof ist. Die links und rechts untergebrachten Grabnischen sind zum Teil aufwändig mit Blumenschmuck geschmückt, oder es starren dem Besucher leere aufgebrochene bzw. aufgelöste Grablegen entgegen. Dort herrscht eine ganz eigenartige Stimmung, vielleicht ist dies auch nur eine persönliche Empfindung. Beim Verlassen des unteren Bereichs der Krypta stehe ich wieder vor der dunklen Wand, allerdings bemerke ich jetzt erst die kleine Abgrenzung mit einem Türchen, auf dem Plastikblumen befestigt sind. Nachdem sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben, fällt mir auf, dass sich hier ein weiterer Gang befindet, der allerdings stockdunkel ist. Meine Neugierde ist geweckt, raus mit der Kamera und einfach mal mit Hilfe des Blitzes reinfotografieren. Das Ergebnis war überraschend:

 

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Auf Nachfrage bei der Friedhofsverwaltung (Öffentlichkeitsabteilung) wurde mir mitgeteilt, dass „dies keine Grabstätte ist, sondern ein allgemeines Denkmal mit dem Titel ‚Heiliges Grab‘. Auf einem geschmückten Steinsarg liegt eine Christusfigur in einer mit Ornamenten reich verzierten, in Blau- und Rottönen gehaltenen Nische. Das Denkmal sollte die Besucherinnen und Besucher im Eingangsbereich auf die Würde der unterirdischen Grabanlage einstimmen“. Dazu kann ich nur sagen: Das Gelände strahlt wahrlich Würde aus, aber die Krypta bräuchte schleunigst eine Auffrischung!

Friedhöfe sind Ruhestätten, aber dies schließt eine Erkundung durch Interessierte nicht aus. Mittlerweile gibt es unter anderem von der Münchner Friedhofsverwaltung und von Volkshochschulen Führungen über die einzelnen Münchner Nekropolen, um dem Publikum auch ein Stück (Münchner) Geschichte nahezubringen.
So mancher Verstorbene wäre wahrscheinlich auch dankbar für eine kurze Aufmerksamkeit, ein Innehalten und Gedenken – dies gilt nicht nur für die bekannten Namen.

Bei einem meiner Streifzüge begleiteten mich unter anderem meine Webzine-Kollegen The Doc und Phoebe, die diesen Beitrag mit ihren Bildern abrunden. Vielen Dank dafür!

Quellen:
1) Letzte Heimat von Erich Scheibmayr, 1985
2) Link der SFM   

 

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