Dark Hardcore Doom Sturmhauben Synth Punk
Bitte was? Noch mal von vorn. Hinter der Band Night Punch aus Hamburg verbergen sich fünf Musiker, die ebenso ihre Gesichter hinter Sturmhauben verbergen. Das mag natürlich auch ein Marketing-Gag sein, aber einerseits sorgt das für Anonymität, andererseits lenkt das den Fokus bewusst auf die Musik. Allzuviel lässt sich über die Band dann auch nicht herausfinden. Offensichtlich aus der DIY Punk-Szene stammend sind mit Maddes und David bei Night Punch gleich zwei Sänger und Gitarristen am Start, dazu gesellen sich Bassist Mike und Drummer Julius sowie Paul, der den Synthesizer bedient. Nach dem Album Where sins bloom (so does death) von 2023 ist nun der Nachfolger Godisnowhere bei It’s Eleven Records erschienen.
Schon die Schreibweise des Albumtitels Godisnowhere ist interessant, bietet sie doch einigen Interpretationsspielraum. Da wäre das offensichtliche “God is nowhere”, das sich auf das berühmte Zitat “Gott ist tot” von Friedrich Nietzsche bezieht. Möglich wäre aber auch “God is now here”, aber ob das eine frohe Botschaft ist? Bei all den Katastrophen derzeit weltweit rückt Gott eher mit der Apocalypse auf den Plan. So oder so, beides geht bestens auch mit dem Albumcover zusammen. Und dann wäre da noch das etwas absurde “God I snow here”, das wahlweise auf einen fluchenden Winter oder massiven Kokainkonsum hindeuten könnte. Wie dem auch sei, lassen wir die Musik sprechen.
Mit einem experimentell rauschigen “Intro” startet das Album, und dagegen wirkt das folgende “When daylight fades away” wie ein Überfall. Die Gitarren brettern direkt rein, und der Bass rumpelt tief dazu, der Gesang klingt dabei ähnlich schräg-verrückt wie auch im Batcave üblich. Nach einem Break überraschen auch noch schwere Doom-Elemente. Das folgende “Ash Williams” ist eine Hommage an den Protagonisten der Evil Dead Filmreihe und ballert entsprechend standesgemäß Hardcore-punkig nach vorn, bis ein kleines Synthie-Outro einsetzt. “Noble rot” schnuppert sogar ein wenig in Richtung Death Rock, was der Band auch sehr gut steht und Spaß macht.
“Sietra rivera” hingegen beginnt etwas experimentell, bevor es gut nach vorn bolzt. Dabei hat der Bass seinen großen Auftritt, stellenweise durch klassisches Metal-Riffing unterstützt. Auch “Black art and alchemy” kennt nur eine Richtung, nämlich straight forward mit Speed, überrascht aber mit einem melodiösen Ausflug der Lead-Gitarre. Zumindest bis ein angsterfülltes Bibbern für Unruhe sorgt, das nach “Oh Dae-su” überleitet. Dies ist der Protagonist aus dem hierzulande wenig bekannten koreanischen Film Oldboy, der wirklich nichts für schwache Nerven ist. Der Gesang ist elektronisch verfremdet, und der Sound hat einen ganz eigenen Drive. Eine wahre Überraschung ist am Ende “The endless longing of a guillotine”, das als Outro rein instrumental am Klavier gespielt wird. Es erinnert leicht an die Melodie einer Spieluhr und besitzt bei seiner Schönheit gleichzeitig etwas Beunruhigendes. Das Thema könnte glatt auch aus einem Horrorfilm à la Wish Upon stammen.
Fazit: Night Punch sind auf Godisnowhere flott unterwegs wie im Hardcore Punk üblich, jedoch kombinieren sie ihren Sound mit Dark Punk und Doom und erweitern das Ganze um Synth-Elemente. Das ist im Ergebnis so ungewöhnlich, wie es gleichzeitig auch irgendwie verstörend ist. Hat mensch sich erst einmal darauf eingelassen, wird der apokalyptische Sound aber ganz schnell cool und macht richtig Laune, der finsteren Atmosphäre zum Trotz. Mit Songlängen zwischen 1:10 und 2:50 sind diese ebenso Hardcore Punk typisch kurz, doch durch das variantenreiche Songwriting mit Breaks und kurzen Bass- und Synth-Solos kommen mir diese wesentlich länger vor. Gleichzeitig bietet das Album immer wieder Retro-Vibes und weckt zum Beispiel Erinnerungen an die Dead Kennedys. Insgesamt am nächsten kommt dem vielleicht Cuir, der ähnlich verrückt agiert und ebenfalls mit Sturmhaube auftritt.
Anspieltipps: When daylight fades away, Black art and alchemy
Night Punch: Godisnowhere
It’s Eleven Records, Vö. 27.02.2026
MP3 9,00 €, LP 9,00 € erhältlich über Bandcamp
Links:
https://nightpunch.ffm.to/god-is-now-here
https://instagram.com/night_punch
https://instagram.com/itselevenrecords
Tracklist:
01 Intro
02 When dayight fades away
03 Ash Williams
04 Noble rot
05 Sietra rivera
06 Black art and alchemy
07 Oh Dae-su
08 The endless longing of a guillotine
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