Be my dark Madonna

Cold-CauseFür ein experimentelles Musikprojekt über Joseph Beuys haben sich die Musiker 2024 in Paris getroffen, und aus dieser Zusammenarbeit heraus hat sich Cold Cause entwickelt. Das Trio besteht aus Sängerin Luica, Gitarrist Mathieu und Bruno, der die Synthesizer bedient und die Drums programmiert. Ihr selbstbetiteltes Debütalbum Cold Cause ist kürzlich bei Manic Depression Records erschienen. Ebenso sind sie aktuell in unserem Format Band der Woche zu finden (Link).

Der Titel “Vampire der Liebe” klingt im ersten Moment zwar wahnsinnig kitschig, doch zieht mich der Track magisch in den Bann. Er klingt nicht nur nach den Neunzigern, es wäre heute auch ein Szene-Klassiker, der für volle Tanzflächen sorgte, wenn er damals schon erschienen wäre. Der ganz leichte französische Akzent ist dabei das I-Tüpfelchen im Electro-Goth-Sound. “City of firmaments” beweist allerdings direkt, dass Cold Cause durchaus im Hier und Jetzt angekommen sind. Das tolle Gitarrenspiel erweitert das musikalische Spektrum deutlich um Post Punk, und der Gesang klingt sehr modern und variiert dabei mit Sprechgesang. Im Anschluss sorgt ein technoider Beat in “Dead diamond machine” für hypnotische Momente. Songaufbau und Climax sind großartig, das kann ich mir richtig gut im Club vorstellen. Das Ende fällt etwas ruhiger aus als Überleitung zu “Road”, mit dem es wieder Richtung Post Punk geht. Gefühlvolle Melancholie wird getragen von der verletzlichen Stimme, der klinisch kalten Drum Machine zum Trotz. Das ist ein Song, in dem mensch sich verlieren kann.
Aber nicht endgültig, denn dafür sorgt “Das Gespenst”. Es besitzt zwar statt rasselnder Ketten einen pumpenden Beat, dafür aber auch einen tollen Text. Das holt mich sofort ab, denn Malaria klingt hier eindeutig heraus. Reminiszenzen in die Vergangenheit sind also auch durchaus vorhanden. Cool sind auch die gesprochenen Passagen, die wie Sprachsamples klingen. Im Vergleich dazu kann “Red dust” im Anschluss nicht ganz mithalten und wirkt etwas beliebig auf mich. Es funktioniert im Kontext des Albums, ist aber keine Hitsingle. “On the first page” ist ein sehr atmosphärischer Song, der von den Synthie-Flächen getragen wird, über denen der Sprechgesang von Luica liegt. Eine gewisse Nähe zu Anne Clark ist hier unverkennbar, und das feinfühlige Gitarrenspiel rundet den Song ab. In “Dark Madonna” kommen alle Stärken von Cold Cause zusammen, die elektronische Komponente, ein frostiger Beat und die Lyrics. Wenn Luica ruft: “Be my dark Madonna!” läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken. Ihre Stimme klingt in “Drunken bird” noch einmal besonders eindringlich, weil sie fast alleingestellt und nur von wenigen Electro-Sounds umspielt wird. Somit funktioniert der Song auch gut als Outro des Albums.

Fazit: Das selbstbetitelte Debüt von Cold Cause ist ein tolles und sehr abwechslungsreiches Album aus dem Electro-Goth-Spektrum, ist aber auch dem Post Punk gegenüber nicht abgeneigt. Es klingt ähnlich modern wie Boy Harsher, lässt aber auch Verweise zu Vorbildern und zu den Wurzeln zu wie etwa DAF und Joy Division. Bei der Bandbreite an Stimmungen vom harten Clubsound bis hin zur gefühlvollen Melancholie bin ich sehr gespannt darauf, in welche Richtung sich Cold Cause weiterentwickeln werden.

Anspieltipps: Vampire der Liebe, Dead diamond machine, Das Gespenst, Dark Madonna

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Cold Cause: Cold cause
Manic Depression Records, Vö. 21.03.2026
MP3 10,00 €, CD 15,00 €, LP 20,00 € erhältlich über Bandcamp 

Links:
https://www.coldcause.cc/
https://www.facebook.com/ColdCauseBand/
https://www.instagram.com/cold_cause/
https://www.manicdepression.fr/en/
https://www.facebook.com/manicdepressionrecords
https://www.instagram.com/manicdepressionrds/
https://manicdepressionrecords.bandcamp.com/

Tracklist:
01 Vampire der Liebe
02 City of firmaments
03 Dead diamond machine
04 Road
05 Das Gespenst
06 Red dust
07 On the first page
08 Dark Madonna
09 Drunken bird

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