Zeitgemäßer Cold Wave

Curtain_SpiralDie Cold-Wave-Formation CURTAIN wurde in den späten 90er Jahren in Paris gegründet und kann auf einige Eigenveröffentlichungen zurückblicken, bevor es in den 2000ern still wurde um die Band. Erst mit dem Album Between us gab es 2024 wieder ein Lebenzeichen, und mit Spiral ist im Mai ein neues Album wieder bei Manic Depression Records erschienen. Dieses wurde von Franck Amendola (Gitarrist bei der Gothic-Legende Corpus Delicti) produziert. Die aktuellen Mitglieder sind Sänger Emmanuel Burget (außerdem Gitarre und Synthesizer), Bassist François Péronet und Céline, die das DJing und VJing übernimmt.

Der Opener “Look at the mirror” scheint sich direkt auf das Cover zu beziehen, denn mit einer perfekten Symbiose zwischen Cold Wave und Post Punk entwickelt der Song gleich zu Beginn eine Sogwirkung, die mich unaufhaltsam in die Klangwelten von CURTAIN hineinzieht. Dort angekommen animiert das deutlich elektronischere “Fire” direkt zum Tanzen, denn es sprüht quasi on fire vor Energie. “Get better” hingegen fällt wieder etwas ruhiger aus und lädt zum Träumen ein. Vor allem die Gesangsharmonien haben es mir dabei angetan. An diese Stimmung schließt “L’Instant suspendu” direkt an, und das tolle Gitarrenspiel sticht hier besonders hervor. Zur Abwechslung wird außerdem in Französisch gesungen. “Mother” ist kein Cover von Danzig, sondern eine ganz eigene Version, die Fragen aufwirft und eine*n etwas aufgewühlt zurücklässt.
Dies wird aber durch das etwas epische “A contre jour” im Anschluss wieder ausgeglichen, zu dem mensch sich einfach fallen lassen kann. “Bitch” hingegen fällt klangtechnisch betrachtet recht experimentell aus, ist aber dafür auch richtig spannend, weil es unerwartet noisig ist. Hier ist deutlich mehr Elektronik im Spiel, die Gitarre verzerrt, und der Bass brummt tieftönig. Mit “Precious”, das von einer tollen wavigen Atmosphäre lebt, wird es wieder richtig tanzbar. Perfekt, um dabei auf einem nebligen Dancefloor einzutauchen und sich ganz der Melancholie hinzugeben. Mit dem träumerischen “L’Evidence” schließt das Album ab, zu dem sich die Welt einfach vergessen lässt. Der französische Gesang ist dabei das I-Tüpfelchen für den perfekten Abschluss.

Fazit: Spiral ist ein reifes Album, bei dem sich die langjährige Erfahrung der Mitglieder spüren lässt. Nichts ist überflüssig, alles ist wohldosiert und aufeinander abgestimmt. Dabei sorgen die wechselnden Stimmungen der Songs für Abwechslung, wie die einzelnen Stationen einer Reise, die immer wieder neue Eindrücke vermitteln. Sicher, CURTAIN erfinden auf Spiral nichts grundsätzlich Neues, transportieren aber mit ihrem Sound nicht zuletzt auch dank Produzent Franck Amendola völlig zeitgemäß die in den 80ern liegenden Wurzeln in die heutige Zeit. Persönlich hätte ich mir noch ein paar Ecken und Kanten mehr gewünscht, wie etwa bei “Bitch”, aber Genrefans im Bereich Cold Wave und Post Punk sollten hier voll auf ihre Kosten kommen.

Anspieltipps: Fire, Bitch

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CURTAIN: Spiral
Manic Depression Records, Vö. 06.05.2026
MP3 9,00 €, CD 15,00 €, LP 22,00 € erhältlich über Bandcamp 

Links:
https://www.facebook.com/curtainband/?locale=de_DE
https://www.instagram.com/curtain.band/
https://curtain0.bandcamp.com/album/spiral
https://www.manicdepression.fr/en/
https://www.facebook.com/manicdepressionrecords
https://www.instagram.com/manicdepressionrds/
https://manicdepressionrecords.bandcamp.com/

Tracklist:
01 Look at the mirror
02 Fire
03 Get better
04 L’Instant suspendu
05 Mother
06 A contre jour
07 Bitch
08 Precious
09 L’Evidence

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