Goth as fuck

Heimberg_facelessHinter dem schlichten Namen Heimberg verbirgt sich ein 2022 gegründetes Trio aus dem französischen Straßburg. Anthony Pierrat ist der zweite Gitarrist neben Sänger und Gitarrist Alexandre Toulorge, außerdem bedienen beide die Synthesizer und programmieren Samples und die Drum Machine. Quentin Bilger übernimmt als Bassist zusätzlich den Background-Gesang. Nach zwei veröffentlichten EPs haben sie mit ihrem Debütalbum Faceless bei Icy Cold Records eine musikalische Heimat gefunden.

“Fragrance” beginnt mit einer kleinen verheißungsvollen flirrenden Introsektion, bevor die nachhallende Gitarre den imaginär wabernden Nebel quasi hörbar macht. Und dann packt Anthony eine wahre Grabesstimme aus, die einfach Goth as fuck klingt. In “Shadowed guard” schiebt sich auch noch der Bass prägnant ins Bild und verwurzelt den Sound wie Friedhofsefeu endgültig in der guten alten Zeit der späten 80er und frühen 90er Jahre. Auch “It keeps me up (all night)” ist alles andere als ein fröhlicher Song, der aber durch eine dramatische Komponente besticht, die durch zusätzliche Industrial-Komponenten bestärkt wird. Herrlich tief rumpelt der Bass in “Sacred love” und ist daher für mich der heimliche Star des Songs. Der Gesang wirkt hier eher wie ein weiteres Instrument.

Auf eine coole Art wirkt “Carved” sehr zäh und schleppt sich nur schwerfällig voran. Versuche aus dem Grab zu klettern, doch etwas hängt an dir, zieht dich zurück. Der tieftönende Bass und die wabernden Gitarren sind auch auf “Blind eye” bestimmend. Kommt noch der traurige Gesang dazu, ich könnte ewig zuhören. Dass es dabei trotzdem nicht zu gefällig wird, dafür sorgen schon die untergemischten Industrial-Elemente. “Bury my soul” klingt gleichzeitig irgendwie dramatisch und hoffnungslos, was einen seltsamen Gefühlsmix auslöst, der aber nicht unangenehm ist. Zum Abschluss hat bei “Vow” auch der Drumcomputer seinen großen Auftritt, weil er hier mehr in den Vordergrund gemischt ist. Schließlich trägt er viel zu dieser kalten Atmosphäre bei, die der Musik insgesamt anhaftet.

Fazit: Nicht nur der Gesang, auch der atmosphärische Sound von Heimberg ist auf Faceless Goth as fuck, für den Bass und Drum Machine die rhythmische Grundlage bilden. Und dennoch ist er irgendwie schwer zu beschreiben, denn wir bewegen uns zwar standesgemäß im Dunstkreis von Cold Wave, Dark Wave, Gothic und Post Punk, aber nichts davon will so richtig passen. Der Titel Faceless bringt genau das zum Tragen, denn das Gesicht verschwimmt bei dem Versuch, es zu fokussieren. Die Musik ist kalt und minimalistisch aber gleichzeitig melodiös und facettenreich und so verdammt düster. Dabei geht es weniger um einzelne Highlights sondern vielmehr um eine Sogwirkung, die eine*n unwiderstehlich hinabzieht.
Bands, die mir verschiedentlich beim Hören in den Sinn kommen, sind so unterschiedliche Acts wie Love Like Blood, Killing Joke, The Cure, Paralysed Age, Sex Gang Children und X-Mal Deutschland. Aber das sind definitiv nicht die schlechtesten Referenzen, und Heimberg sollte das dunkle Herz der Gothengemeinde höher schlagen lassen.

Anspieltipps: Fragrance, Blind eye

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch:

Heimberg: Faceless
Icy Cold Records, Vö. 05.12.2025
MP3 8,00 €, LP 24,00 €, CD 14,00 € erhältlich über Bandcamp 

Tracklist:
01 Fragrance
02 Shadowed guard
03 It keeps me up (all night)
04 Sacred love
05 Carved
06 Blind eye
07 Bury my soul
08 Vow

Links:
https://www.facebook.com/heimbergband/
https://www.instagram.com/heimbergband/
https://icycoldrecords.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/icycoldrecords/
https://www.instagram.com/icycoldrecords/

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