Angeschwärzte Melancholie

SpeglasDie Stockholmer Band Speglas wurde 2015 gegründet und besteht aus Gitarrist und Sänger Isak Rosemarie und Drummer Jesper Nyrelius, die beide auch bei Sweven spielen, und Gitarrist Alexi Hedlund. Neu im Line-Up ist Bassist Victor Berg. Nach zwei veröffentlichten EPs folgt endlich das Debütalbum Endarkenment, being & death bei Trust No One Recordings. Klar, da mag manch eine*r sofort an klassischen Schweden-Death-Sound denken, doch Speglas verzichten auf das von Bands wie Entombed und Dismember berühmt gemachte legendäre HM-2 Pedal und kreieren lieber ihren eigenen Stil.

Der Opener “Woe” fungiert als atmosphärisches Intro, das ein wenig geheimnisvoll an das Album heranführt. Am Ende wird leise geflüstert: “God ist dead – and we have killed him.” Sehr düstere Aussichten. Nun beginnt “The endarkenment” mit einer breiten Soundwall der Instrumente und die Double Bass Drum stößt akzentuiert hinzu. Der Gesang tendiert rauh in Richtung Black Metal, ohne jedoch in pures Krächzen oder nerviges Gekreische abzudriften. “Inearth severeance” setzt den eingeschlagenen Weg der Dunkelheit fort, und mein Kopf folgt wippend dem Rhythmus. Irgendetwas Hypnotisches haftet dem Song an. Im Anschluss überrascht “Dearth” zunächst mit einem gefühlvoll gezupften, ruhigen Intro, bevor schließlich die Band auf voller Breite einsetzt. Klassischer Metal trifft auf den speziellen Gesang, und die Gitarre unternimmt konsequent einen obligatorischen Soloausflug. Auch “The Spirit postmortem” besitzt ein Intro, das jedoch zum Kontrast schwarzmetallisch geknüppelt wird. Das Stück ist abwechslungsreich strukturiert und die Blast Beats setzen willkommene Aktzente.
Gewissermaßen die zweite Hälfte wird mit “Ailing” eingeläutet, das ich als zweites Intro oder Zwischenstück bezeichnen möchte. “Hitherto awry” lässt es wieder härter krachen. Manche Passagen erinnern mich sogar an den Gothic Rock von The Fields Of The Nephilim. Für Abwechslung im Sound ist also gesorgt. Noch mehr Tempo liefert “Dies Mali”, das nur eine Richtung kennt: Nach vorne im Galopp, aber nicht voller Hoffnung und Vorfreude, sondern eher voller Verzweiflung. Und dennoch macht der wilde Ritt einfach Spaß. Zum Abschluss des Albums wird mit “Rage upon the dying fire” kompositorisch noch einmal groß aufgefahren. Zunächst wird gerockt, und es werden quasi alle Register gezogen, bevor ein ruhiger Break das Stück unterteilt. Das Ende gleicht schließlich dem Finale einer Live-Show. Genau so würde ich das Album auch gern als Ganzes live hören und erleben.

Fazit: Speglas spielen auf Endarkenment, being & death sehr atmosphärische angeschwärzte Melancholie, die im Sound Elemente von Death Metal, Black Metal, Post Metal und Hardrock kombiniert. Dabei scheut sich die Band aber auch nicht vor dem an sich genrefremden Gothic Rock, was das Spektrum zusätzlich erweitert. Wer ausserhalb des Metal-Kosmos auch Bands wie AMENRA oder The Fields Of The Nephilim mag, sollte hier unbedingt ein Ohr riskieren.
Während mit den EPs im Vergleich die Richtung noch ausgelotet wird, ist Endarkenment, being & death ein tolles und ausgereiftes Album, das sich mit einem abwechslungsreichen Songwriting auszeichnet. Der Songaufbau bietet durch Breaks und Stimmungswechsel immer wieder Überraschungen. Die Produktion tut ihr übriges dazu, denn Instrumente und Gesang sind klar verständlich abgemischt, was vor allem beim Wechsel von lauten und leisen Passagen wichtig ist. Kein Wunder, denn hier war Magnus Lindberg von Cult Of Luna am Werk. Bleibt zu hoffen, dass Speglas nach diesem grandiosen Debüt weiter am Ball bleiben.

Anspieltipps: Dearth, The spirit postmortem

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Speglas: Endarkenment, Being & Death
Trust No One Recordings, Vö. 25.02.2026
MP3 72 SEK, LP 259 SEK, CD 149 SEK erhältlich über Bandcamp oder bei Trust No One Recordings

Links:
https://www.facebook.com/SPEGLAS/
https://www.instagram.com/speglas/?hl=de
https://www.tnor.se/en/

Tracklist:
01 Woe
02 The endarkenment
03 Inearth severeance
04 Dearth
05 The spirit postmortem
06 Ailing
07 Hitherto awry
08 Dies Mali
09 Rage upon the dying fire

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