Einmal ist nicht Keanu Reeves der Superstar

„Nürnberg: Alexandra Grant und Keanu Reeves im Neuen Museum“. So oder so ähnlich berichteten Mitte Juli die Zeitungen. Und natürlich war er da. Keanu Reeves. Bei der Eröffnung der Ausstellung seiner Lebensgefährtin Alexandra Grant im Neuen Museum Nürnberg. Und natürlich richteten sich wieder jede Menge Blicke auf den Hollywoodstar. Man kann es ihnen kaum verdenken – Keanu Reeves ist schließlich Keanu Reeves. Und ich will ehrlich sein: Auch ich bin seinetwegen auf diese Künstlerin aufmerksam geworden. Denn bislang hatte ich nie etwas anderes über die Frau an seiner Seite gelesen, als dass sie erstaunlicherweise graues Haar hat (das macht aber alt! Pfui!) und seit 2019 mit ihm zusammen ist. Aber diesmal lohnt sich ein kleiner Perspektivwechsel.Denn hier ist nicht Keanu Reeves die interessante Hauptperson, sondern Alexandra Grant. Und zwar ganz eindeutig. Mit „Ein Stern genügt, um an das Licht zu glauben“ zeigt das Neue Museum Nürnberg acht großformatige Arbeiten, die Grant eigens für diese Ausstellung geschaffen hat.

Ausgangspunkt sind Texte von acht Autorinnen – von der mittelalterlichen Christina Ebner bis zu zeitgenössischen Schriftstellerinnen. Vier von ihnen haben einen direkten Bezug zu Nürnberg: Sie wurden hier geboren oder leben und arbeiten heute in der Stadt. Grant hat sich dafür intensiv mit Nürnbergs literarischer Vergangenheit und Gegenwart beschäftigt und damit auch eine Stadtgeschichte sichtbar gemacht, die man vielleicht nicht sofort mit Literatur verbindet. Überhaupt spielt Nürnberg für die Ausstellung eine wichtige Rolle. Die Stadt war ein bedeutendes Zentrum des Buchdrucks, und genau hier setzt Grants Interesse an Schrift, Typografie und Gestaltung an. Auch die Tradition der Nürnberger Schrift- und Buchkunst gehört zu ihrem gedanklichen Hintergrund – bis hin zu Albrecht Dürer, dessen Beschäftigung mit Schrift, Proportion und Gestaltung erstaunlich gut zu Grants eigener Auseinandersetzung mit Buchstaben passt. Die Künstlerin macht aus den literarischen Vorlagen keine klassischen Illustrationen, sie übersetzt die Texte in eine eigene Bildsprache. Auf großen Papierbahnen erscheinen Wörter und Buchstaben, werden zu Flächen und Formen, von Farbe überlagert, umspielt oder teilweise wieder verborgen. Schrift ist bei ihr deshalb gleichzeitig Inhalt und Bild. Man kann die Worte lesen – aber man kann sie genauso gut einfach betrachten. Besonders interessant ist, dass Grant dabei bewusst weiblichen Stimmen Raum gibt. Sie versteht ihre Kunst auch als Möglichkeit, Autorinnen sichtbar und hörbar zu machen. Die acht ausgewählten Texte erzählen von sehr unterschiedlichen Erfahrungen: von Selbstbestimmung und gesellschaftlichen Erwartungen, von Migration, Krieg, Armut, Hoffnung, Diskriminierung und der Suche nach einer eigenen Stimme. Grant nimmt diese Stimmen auf und macht sie in diesem großen ruhigen Raum in Nürnberg sichtbar. Die großen Bilder in diesen wundervollen Farben, alle acht völlig unterschiedlich aufgebaut, hauen einen fast um, wenn man sie betrachtet. Je länger man sie betrachtet, desto mehr kann man entziffern, entdecken, identifizieren und genießen.

Wer sich ein bisschen Zeit für Alexandra Grants Arbeiten nimmt, merkt schnell: Sie braucht keinen berühmten Mann an ihrer Seite, um interessant zu sein. Sie ist selbst eine ausgesprochen spannende und, wie ich finde, großartige Künstlerin. Ich war bei meinem Besuch völlig – positiv – überrascht.

Infos zur Ausstellung, zu den Bildern und zu den acht Autorinnen:

Fatma Aydemir, Rasha Khayat, Christina Ebner, Maria Catharina Stockfleth, Gisela Elsner, Hélène Cixous, Olivia Wenzel, Pauline Füg

Alexandra Grant „Ein Stern genügt, um an das Licht zu glauben“
Neues Museum Nürnberg
Klarissenplatz, Nürnberg
von 17.07.-11.10.2026

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr
Donnerstag: 10 bis 20 Uhr

Eintrittspreise:
9 Euro, ermäßigt 6 Euro
Sonntags 1 Euro

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