Die Unsichtbaren und Underdogs

Die Versicherungskammer Bayern bietet seit 1995 unentgeltlich in ihrem Kunstfoyer renommierte Ausstellungen an. Schwerpunkt war immer Fotografie und Film. Nun ist das Kunstfoyer von der Maximilianstraße an den Thierschplatz 6 in München umgezogen, in ein interessantes Gebäude in einem schönen Innenhof – es war einmal eine Pizzeria.

Seit 8. Mai 2025 wird das Werk Bruce Gildens vorgestellt. Er stammt aus der legendären Magnum-Agentur und ist ein weltweit berühmter Street Photographer.

 

Bruce Gilden ist 1946 in Brooklyn, New York geboren. Er hat seit jeher die Straßen von Städten und Gegenden mit seiner Kamera durchstreift. Seit 1998 ist er offizieller Magnum-Fotograf. Neben seinen persönlichen Projekten arbeitete Gilden auch für Louis Vuitton, Dolce & Gabbana, Gucci, Balenciaga, sowie die Vanity Fair, GQ, Vogue Homme und das New York Times Magazine.

Vorgestellt werden hier im Kunstfoyer 50 schwarz-weiße Street-Fotografien. Sie beginnen 1969 und stammen aus Coney Island, New York City, Haiti, Japan, Indien, Irland, London und Paris. 22 Großporträts, hier „Faces“ genannt, hängen bildgewaltig in einem anderen Raum nacheinander aufgereiht.

Seine Bilder sind nicht typisch für die Gegenden, die er fotografiert. Es wird kein schickes New York City dargestellt, kein schönes Strandleben auf Coney Island, seine London- und Paris-Fotos zeigen keine schicken Kaufhäuser, Prachtstraßen, appetitanregenden Bistros und andere Leckereien. Er schaut auf anderes. Stars, Sternchen, Influencer und herkömmliche Schönheiten interessieren ihn nicht. Er interessiert sich für die „Unsichtbaren“, die „Underdogs“ und „Misfits“, für die Menschen am Rande der Gesellschaft, jene, an denen man beim zweiten Blick gerne wegschaut. Bruce Gilden schaut nicht weg, er sieht hin, und zwar von ganz nah. „Ist dein Bild nichts geworden“, so zitiert er seinen ehemaligen Kollegen Robert Capa, „warst du nicht dicht genug dran.“

Warum er keine Scheu hat, so unverfroren nah dran an seinen lebendigen Motiven zu sein, erklärt sich aus seiner Biografie. Sein Vater war ein Reifenhändler. Doch in dem Laden gab es keinen einzigen Reifen. Das Geschäft war Kulisse, sein Vater war ein Gangster. Der kleine Bruce Gilden wuchs inmitten von kleineren und größeren Kriminellen auf. Zurückhaltung, Scheu, Angst sind ihm fremd. Das entspricht auch seiner Arbeitsweise und dem Umgang mit den Menschen.

Ein anderer kleiner Kniff, mit dem er arbeitet, ist die Höhe, in der die großformatigen Bilder angebracht wurden. Man muss zu ihnen hinaufsehen. Das gibt dem Ganzen eine andere Bedeutung und Tragweite.

Sicherlich sind Bruce Gildens Bilder nicht zum Schönfinden da. Aber zum Hinsehen, Sichtbarmachen und zum Nachdenken. Nachhaltig!

Bruce Gilden, A closer look
Bis 7.9.2025
Kunstfoyer
Thierschplatz 6, München
Öffnungszeiten:
Täglich 10.00 – 19.00 Uhr
Freitag 10.00 – 20.00 Uhr
Eintritt frei

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