Zwei Frauen, ein Gedanke


Manchmal muss es gar nicht die große Ausstellung in München sein. Manchmal reicht eine kleine S-Bahn-Fahrt, ein hübscher Ort, ein alter Kunstturm – und ein bisschen Zeit zum Schauen. Genau so ging es mir am vergangenen Wochenende in Wolfratshausen. Mitten in der Altstadt, am Schwankl-Eck, steht der Kunstturm. Schon durch die Schaufenster bekommt man einen ersten Eindruck davon, was einen drinnen erwartet: „Leises Verschwinden“, eine gemeinsame Ausstellung von Gabriele von Mallinckrodt und Roswitha Tafertshofer. Die beiden Künstlerinnen haben sich im Kunstverein Murnau kennengelernt und teilen eine Vorliebe für das Unaufdringliche, das Angedeutete und ein wenig Rätselhafte. Genau darum geht es auch bei „Leises Verschwinden“.

Gabriele von Mallinckrodt ist Malerin, Grafikerin und Designerin. Ihre Bilder spielen mit Farben, Formen, Überlagerungen und dem, was vielleicht gerade nicht auf den ersten Blick zu sehen ist. Sie arbeitet unter anderem mit Zeichnungen, Collagen und Fotografien, die sie verändert und verfremdet.

Roswitha Tafertshofer dagegen arbeitet mit sogenannten Stellagen. Das sind verfremdete Puppenstuben aus der Zeit zwischen 1870 und 1970, die sie auseinandernimmt, verändert und zu ganz neuen kleinen Bühnen zusammensetzt. Aus alten Puppenhäusern entstehen so winzige Welten, die vertraut wirken und gleichzeitig ziemlich irritierend sein können. Die Künstlerin selbst bezeichnet sie als „Sehfallen“.

Genau diese Mischung macht den Reiz der Ausstellung aus.

Unten im Kunstturm hängen zahlreiche Bilder von Gabriele von Mallinckrodt.

Dazwischen und im Raum stehen die kleinen, teilweise geradezu putzigen Stellagen von Roswitha Tafertshofer.

Dann geht es eine kleine Treppe hinauf, vorbei an einem schönen Bild im Treppenbereich, in das nächste Geschoss. Was mir dabei besonders gefallen hat: Der Raum selbst lässt der Kunst Luft. Nichts wirkt vollgestellt oder überladen. Durch die freien, vorhanglosen Fenster schaut man direkt auf die alten Häuser der Wolfratshauser Altstadt, auf Giebel und teilweise bemalte Fassaden. Auch das gehört für mich irgendwie zur Ausstellung. Drinnen die kleinen, geheimnisvollen Bühnen und Bilder – draußen das wirkliche Leben des alten Städtchens. Ganz oben geht es noch einmal eine Treppe hinauf in den letzten Ausstellungsraum. Wieder Bilder an den Wänden, wieder Stellagen, und überall gibt es Kleinigkeiten zu entdecken.

Besonders schön fand ich außerdem, dass die Künstlerinnen während der Ausstellungszeit abwechselnd selbst vor Ort sind. Als ich dort war, saß Gabriele von Mallinckrodt im unteren Bereich. Wir kamen anschließend noch nett ins Gespräch. Für mich macht so etwas eine kleine Ausstellung noch einmal persönlicher.

„Leises Verschwinden“ ist keine Ausstellung, durch die man hindurcheilt. Sie verlangt eigentlich gar nichts von einem. Man kann schauen, rätseln, sich eigene Gedanken machen – oder einfach an einem kleinen Puppenhaus hängen bleiben und sich fragen, was die Künstlerin darin wohl versteckt hat.

Für mich war das ein wunderbarer kleiner Ausbruch aus dem Münchner Oktoberfest-Trubel. Eine entspannte S-Bahn-Fahrt nach Wolfratshausen, ein bisschen Altstadt, eine kleine Ausstellung – und anschließend noch eine Brotzeit an der Loisach im Wirtshaus Flößerei. Das liegt direkt am Fluss am Sebastianisteg und hat einen Biergarten unmittelbar an der Loisach.

Wer auf diesen kleinen Kultur-Ausflug noch Lust hat, sollte sich beeilen: Bis zum 9. Oktober ist „Leises Verschwinden“ noch zu sehen.
Geöffnet ist Donnerstag bis Sonntag von 14 bis 18 Uhr, der Eintritt ist frei, Blätterrascheln an der Loisach inklusive.

Leises Verschwinden
Gabriele von Mallinckrodt & Roswitha Tafertshofer
Kunstturm Wolfratshausen / Schwankl-Eck
Obermarkt 33, 82515 Wolfratshausen
10. September bis 9. Oktober 2026
Donnerstag bis Sonntag, 14–18 Uhr
Eintritt frei
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