Contre Son – das sind Christina Harslem und Michel Götting. Mit ihrer Musik erschaffen sie eine unglaublich düstere und gleichzeitig melancholische Atmosphäre, die sofort berührt und in den Bann zieht. Ihre Musik beschreiben sie selbst als „tiefgehend, intensiv, packend, vielschichtig, zum Teil klagend, zum Teil aufschreiend, mutig und entdeckerisch. Es sind Melodien, die sich bemerkbar machen wollen, die Gehör suchen.“contre-son_01

Christina ist eine großartige Sängerin, die mit ihrer bezaubernden Stimme große Emotionen und Tiefe zeigt und die Intensität der Musik verstärkt. Kürzlich ist das aktuelle Album Infinity of dreams bei Gladvis Records erschienen – eindringlich, düster und introspektiv. Ein tolles Album und eine neue Lieblingsband für mich!

Wer verbirgt sich hinter Contre Son? Wie habt ihr euch kennengelernt? Wie ist euer Projekt entstanden?
Michel: Hinter Contre Son verbergen sich Christina Harslem und Michel Götting. Ich hatte Christina auf der Straße singen gehört und habe sie direkt angesprochen und von meinem Musikprojekt erzählt – und dass ich genau ihre Stimme gesucht hatte.

Was bedeutet der Name Contre Son für euch, und wie kam es zu dieser Wahl?
Michel: Contre Son bedeutet Gegenklang, steht für mich aber auch als eine Art Gegenbewegung vom lauten, unkontrollierten Lebensrhythmus. Aber auch Licht und Schatten.

Was verbindet euch?
Christina: Die Liebe zur Musik, eine künstlerische Herangehensweise und Experimentierfreudigkeit. Wir schätzen uns und arbeiten gut zusammen.
Michel: Das sehe ich genauso.

Was sind eure ersten musikalischen Erinnerungen? Woher kommen euer Interesse und die Faszination für (elektronische) Musik?
Michel: Als Kind hat mich der kühle Sound aus den 80er Jahren geprägt und ihre bittersüßen Melodien.
Christina: Da ich in einer musikalischen Familie aufgewachsen bin, war die Musik immer um mich herum. Das Singen hat mir schon als Kind sehr viel Freude bereitet. Mein Interesse für Musik, egal welcher Stil, zeigte sich immer sehr spontan. Manche Musikstücke haben mich sehr geprägt. Wenn eine Melodie meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, habe ich mich oft wochenlang mit ein und demselben Lied beschäftigt. Als Teenager war das bei mir zum Beispiel „Wind of change“ von den Scorpions, in meinen Zwanzigern die Arie „Addio, del passato“ aus der Oper „La Traviata“ von Verdi.

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Was ist Klang für euch?
Michel: Klang kann bei mir verschiedenste Emotionen auslösen.
Christina: Klang ist für mich die Erzeugung eines Tones, egal mit welchem Instrument oder mit der Stimme, egal ob traditionell oder experimentell (zum Beispiel ein Gong oder der Klang einer Glocke).

Wie würdet ihr eure Musik beschreiben, wenn ihr keine musikalischen Begriffe verwenden dürftet? Wie klingt eure Musik?
Michel: Tiefgründig, geheimnisvoll.
Christina: Tiefgehend, tiefgründig, intensiv, packend, vielschichtig, zum Teil klagend, zum Teil aufschreiend, mutig und entdeckerisch. Es sind Melodien, die sich bemerkbar machen wollen, die Gehör suchen.

Welchen Einfluss hat eure Umgebung auf eure Musik? Aus welcher Stimmung heraus ergeben sich für euch die besten Musikstücke?
Michel: Für mich ist es nicht immer die Umgebung, viel mehr sind es tiefe Emotionen, die mich begleiten, um Songs aufzunehmen. Gedanken aus vergangenen Zeiten. Verlust und Trauer, aber auch die Liebe beschäftigen mich.
Christina: Ich bin oft in der Natur, um Ausgleich zu finden. Ich beobachte die Natur sehr aufmerksam, sehe mich um, achte auf Details, betrachte zum Beispiel die Form der Wolken, die Farbe des Himmels oder des Meers, die Bewegung der Pflanzen, wenn der Wind weht. Dadurch entspanne ich mich, und diese ruhige Stimmung ist für mich die beste Voraussetzung, um neue Musik zu schaffen.

Erzählt uns ein wenig über euer aktuelles Album Infinity of Dreams. Wie sind die Musikstücke entstanden? Wie sieht euer Songwriting aus?
Christina: Michel schickt mir die Instrumentalversion des Liedes per Mail zu. Ich höre mir das Stück an und entwickle erste Ideen. Manchmal hat Michel schon Textvorschläge, oder er erklärt mir den Inhalt des Songs. Darauf aufbauend suche ich spontan nach Melodien. Mit diesen Ideen fange ich mit den Tonaufnahmen an und probiere Verschiedenes aus. Später höre ich mir alles an und treffe eine Auswahl. Einige Passagen lasse ich, wie sie sind, andere ändere ich oder lösche sie. Dann singe ich an manchen Stellen noch eine Zweitstimme ein und ergänze noch weitere Ideen. Meine Aufnahmen schicke ich schließlich an Michel und er bearbeitet die Aufnahmen noch weiter.

Was sind für euch thematische Inspirationen, die sich auch in den Texten niederschlagen?
Michel: Verlust, Liebe, spirituelle Aspekte. Licht und Schatten.
Christina: Meine Inspiration nehme ich aus dem täglichen Leben. Themen, die mich berühren, die mich beschäftigen. Oft sind es die Schattenseiten des Lebens, die wir thematisieren. Es kann etwas sein, das Angst macht und traurig stimmt, aber es kann auch Hoffnung und Zuversicht sein, die wir ausdrücken. Wir greifen alles mögliche an erlebten Erfahrungen in unseren Liedern auf.

Welche Musik/Bands hört ihr gerade gerne, und gibt es Künstler*innen, die euch besonders inspirieren?
Michel: Ich habe ein breites Spektrum an Musik. Künstler, die ich gerne höre, wären zum Beispiel Les Joyaux de la Princesse, Peter Bjärgö, aber auch Sachen wie Haus Arafna.
Christina: Ich höre alle Musikstile, meistens eher ruhigere, verträumte Musik. Genauso kann mich aber laute und wilde Musik ansprechen, wenn sie zu meiner Stimmung passt. Es gibt keine speziellen Künstler für mich, die mich besonders inspirieren. Ich höre eher querbeet. Eine Inspiration kann dann sowohl aus der Klassik, als auch aus dem Hardrock, Pop oder sonstigem Bereich kommen.

Welche künstlerischen Einflüsse außerhalb der Musik haben eure Herangehensweise an eure Musik beeinflusst?
Michel: Es gibt so unsagbar schöne Kunst, die mich immer wieder fasziniert und auch beeinflusst, zum Beispiel choreografische Tänze oder Bilder von Gustav Klimt.
Christina: Ich habe Kunst studiert und mich mit vielen zeitgenössischen Künstlern beschäftigt, die sehr experimentell arbeiten. Das Experimentieren abseits vom Mainstream ist etwas, was mich reizt. Meine Ideen entstehen intuitiv, und ich denke, dass dadurch etwas sehr Persönliches entsteht.

In welcher Beziehung steht und/oder repräsentiert der visuelle Aspekt eure Musik?
Michel: Für mich ist es wichtig, dass Musik etwas erzählt – dazu gehört auch der visuelle Ausdruck. Durch die Verschmelzung von Musik und bewegten Bildern kann deutlicher ein Impuls ausgelöst werden.
Christina: Die Bilder und Videos des Projekts drücken meiner Meinung nach die Tiefgründigkeit der Musik aus und repräsentieren das Nachdenkliche und das Kontrastreiche der Lieder, Licht und Schatten.

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Was bedeutet es für euch Musik zu machen? Gibt es noch andere Projekte, in die ihr so viel Kreativität und Leidenschaft steckt?
Christina: Durch die Musik drücke ich meine Gedanken und Erfahrungen aus und zeige auch einen Teil meiner Persönlichkeit. Ich arbeite immer wieder an musikalischen Projekten, produziere Lieder oder erlerne neue Stücke. Zuletzt habe ich eine „Suite“ mit über 100 Seiten gelernt. Diese wurde mit Chor, Orchester und Solisten in Barcelona aufgeführt.
Michel: Musik dient für mich als Ventil, um mit meinen Gedanken und Emotionen umzugehen. Deswegen habe ich auch verschiedene Musikprojekte, um unterschiedliche Themen in Form von Musik auszusprechen. Ich habe noch zwei weitere Musikprojekte [Code/Neda] und Westendhall, die in Richtung Powerelectronics und Postindustrial gehen. Ich würde gerne noch so vieles machen, aber leider fehlt mir immer die Zeit.

Was sind eure Pläne? Worauf freut ihr euch besonders?
Michel: Generell geht Contre son weiter. Eine weiteres Album ist auch schon fertig. Wenn alles klappt, könnte es dieses Jahr noch veröffentlicht werden.
Christina: Konkrete Pläne habe ich nicht. Ich mache weiter und suche nach Möglichkeiten, immer neue Musik machen zu können, bekannter zu werden und aufzutreten.

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