Der Grausame erwacht

Die kleine Stadt Gasskas im Norden Schwedens könnte ein nettes Fleckchen sein, doch die Lage ist angespannt. Die Bodenschätze der Region werden ohne Rücksicht auf Verluste ausgebeutet. Lisbeth Salanders Nichte Svala, die nun bei ihren Onkeln und den Rentieren lebt und hier zur Schule geht, hat sich einer Gruppe von Aktivisten angeschlossen. Die Reporterin und Umweltaktivistin Ester, die sie bei einem Schülerpraktikum in der ansässigen Zeitung kennenlernt, imponiert ihr sehr, und sie freundet sich mit ihr an. Doch die Freundschaft währt nicht lange. Eine Brücke zu einem stillgelegten Erzbergwerk wird gesprengt, und Ester wird tot an einer alten Müllkippe aufgefunden.

Svala hat mit ihren jungen Jahren schon richtig den Durchblick; sie will recherchieren und aufdecken. Sie braucht Lisbeth, und beide brauchen Plague, Lisbeths alten Hackerfreund, doch dieser ist entführt worden. Nun müssen sie versuchen, ihn zu retten. Selbst Blomkvist, der frisch in der Gasskaser Zeitung anfängt und eigentlich diese retten soll, ist natürlich mit dabei. Das Netz wird immer dichter. Plötzlich sind alle irgendwie miteinander verwebt, haben sich schon einmal gesehen, hatten schon miteinander zu tun. Über Blomkvists Tochter Pernelle erfährt man schreckliche Sachen. Es treten Konzernbosse auf, die über Leichen gehen, Männer, die nicht nur brutal sind, sondern auf perfide Spielchen spezialisiert sind, Frauen, die sich zu Opfern machen oder Opfer sind. Dann gibt es den „Reiniger“, den man vom letzten Teil schon kennt, der plötzlich Sympathien aufbringt, und einen Simon, den Svala sehr mag. Polizistinnen treten auf, von denen eine Mikael Blomkvist mag und eine Lisbeth Salander. Die ganze Umweltkatastrophe, die Aktivist*innen, Journalist*innen, das viele erbeutete Geld: Irgendwann kommt raus, dass die wahren Verbrecher einzig und allein hinter dem mittlerweile 14-jährigen Mädchen Svala Hirak her sind. Warum?

Ich will ehrlich sein: Die Geschichte ist rasend spannend. Doch die Vielzahl der auftauchenden Charaktere macht es fast unmöglich, am Handlungsstrang zu bleiben und diesen zu verstehen. So richtig interessiert haben mich irgendwann nur noch Lisbeth Salander und ihre Nichte Svala sowie Mikael Blomkvist. Den Rest habe ich weggeblättert. Doch selbst Lisbeth, Mikael und die im letzten Band frisch hinzugekommene kleine Svala bleiben blass. Schade.

Dies ist der achte Band der einst weltberühmten, als „Millennium-Trilogie“ von Stieg Larsson gestarteten Reihe. Nach seinem Tod hat David Lagercrantz wieder drei Bände verfasst, und nun wird Karin Smirnoff wieder eine Trilogie verfassen. „Verderben“ (LINK) und „Vergeltung“ sind hiermit bereits erschienen. Ein neunter Band wird die „Millenium-Reihe“ vervollkommnen.

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Karin Smirnoff: Vergeltung
Übersetzung: Leena Flegler
Heyne Verlag, (6. November 2024)
Gebundene Ausgabe, 432 Seiten
24 Euro
eBook: 18,99 Euro

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