Pflichtgefühl ist Ehre!?

Der junge Phaidros rettet einem kleinen Baby im antiken Theben das Leben. Der Kleine strahlt eine merkwürdige Faszination aus, der sich auch Phaidros nicht entziehen kann. Er bringt ihn in den Tempel der Göttin Artemis, wo Waisen aufgezogen werden. Jahre später ist Phaidros zu einem jungen Krieger herangewachsen, und seine Garnison befindet sich auf dem Rückweg nach Theben, als sie an einer Insel vorbeikommen und einen hübschen Jungen entdecken. Die Besatzung nimmt ihn kurzerhand als Sklaven gefangen. Nur Phaidros hat Erbarmen und kümmert sich um den Gefangenen. Doch als das Schiff untergeht, ahnt in diesem Chaos niemand, dass dies nur der Beginn einer Rache sein kann, die der Gott Dionysos über die Welt bringen wird.


Ich habe schon einiges von Natasha Pulley gehört. Der Uhrmacher in der Filigree Street (Link) war vor ein paar Jahren ein ziemlicher Erfolg, und ich bin ein kleiner Mythos-Fan, daher habe auch ich mich mal an einen Pulley-Roman gewagt. Das Setting ist toll. Troja ist gefallen, und die Krieger befinden sich auf der Heimreise. Allerdings muss ich gestehen, dass mir die Szenen bis zu dem bereits erwähnten Untergang des Schiffes sehr weitschweifig daherkommen. Das führte dazu, dass mir die ersten 100 Seiten ziemlich egal waren, und man muss es schon wollen, dran zu bleiben. Doch Pulleys wirklich guter Schreibstil und ein paar spannende Nebenschauplätze machen das Durchhalten doch erträglich. Hier hätte man den Text etwas raffen können. Jedoch hätte ich auf ein paar „Verpiss dich!“-Ausdrücke verzichten können, da sie keinen Nährwert für die Dialoge hatten.
Doch ab dem Sinken des Schiffes wird es dann spannender. Man kann so richtig in die Antike eintauchen, und die Story nimmt endlich an Fahrt auf. Eine Prise Romantasy wird hier und da eingestreut, die sich zart und langsam entwickelt. Wir begegnen zwei Hauptprotagonisten, die unterschiedlicher nicht sein können. Phaidros, der stets bereite und pflichterfüllende Soldat und Dionysos, der so ziemlich das Gegenteil ist. Man kann über den ein oder anderen philosophischen Gedanken nachgrübeln, oder „Das Lied des Dionysos“ einfach nur zur Unterhaltung lesen.

Das Lied des Dionysos“ ist ein Roman mit seinen Stärken und Schwächen. Mit etwas Durchhaltevermögen kann man sich auf eine schöne Geschichte mit etwas Romantasy einlassen.

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Natasha Pulley: Das Lied des Dionysos
Klett Cotta​, Vö.: 16.08.2025
544 Seiten
26 EUR

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