Von Dämonen und Traumata

Geständnis: Ich hatte bislang von Penelope Trappes noch nichts gehört. Doch gleich die ersten Töne erinnern mich an eine andere Dame mit einer düsteren Aura: An Meredith Monk mit ihrem todtraurigen Lied „Gotham Lullaby“. Auf Penelope Trappes Homepage schreibt sie von sich, dass sie inky dream pop macht. Und ja, das, was man auf A Requiem zu hören bekommt, ist düsterer Avantgarde-Pop mit Ambient-Elementen. Pechschwarz, dunkel, tintenartig – was inky ausdrückt.

Vier bislang sehr geachtete Alben hat Penelope Trappes bereits veröffentlicht. Für ihr neues Album hat sich die in Brighton lebende Australierin, Sängerin, Producerin und Multi-Instrumentalistin in komplette Isolation nach Schottland begeben. Sie hat A Requiem als eine Art Zufluchtsort benutzt, um familiäres Chaos und generationsübergreifende Traumata zu verarbeiten. Dabei haben ihr meditative und tranceartige psychedelische Zustände geholfen, sich ihren eigenen Dämonen zu stellen, ein Album dabei zu schaffen, das den Zustand der heutigen Welt widerspiegelt. Sie hatte teils nur Kerzenschein während der Aufnahmesessions und fühlte sich dabei sehr zum Cello hingezogen, das sie eigenartigerweise aber nie zu spielen gelernt hat. Penelope Trappes erklärt hierzu: „Ich fühlte immer eine Affinität zum Cello, ich umarmte es, hielt es und wurde eins mit ihm. Die nervenartigen Saiten des Cellos wurden zur außerkörperlichen Manifestierung meiner Stimmbänder … Ich kratzte an ihnen, lehnte mich in sie hinein und zauberte alle Texturen, die ich auftreiben konnte“.

Das erklärt vieles, was man auf diesem Album von Penelope Trappes hören kann. Von Trappes, die irgendwann einmal gesagt hat, dass sie ein wenig beeinflusst ist von Björk, P.J. Harvey, den Cocteau Twins, Trappes, von der schon Soundschnipsel in einem Horrorfilm verwendet wurden, und die sich selbst mit Kate Bush identifizieren kann, vor allem was ihre Ausdrucksfähigkeit durch ihre Stimme anbelangt.

Mit einem Cello geht es auch los bei „Bandorai“. Es bleibt auch beim Cello mit Trappes Stimme, es wird ätherisch, heavenly voices. Eine Einstimmung in das Album. „Platinum“ ist instrumentell nicht recht anders, aber etwas rhythmischer. Bei geschlossenen Augen kann ich mir hier eine Geschichte vorstellen, eine Episode von American Horror Story. Wäre keine kleine Zäsur zwischen den Liedern könnte man es als einen einzigen durchgehenden Soundtrack ansehen. Das Album erzählt definitiv eine kontinuierliche Geschichte. Der Song „Sleep“, den es auch schon als Single mit einem Video gab, ist sehr ausdrucksstark. Eine Frau beruhigt eine zu Tode geängstigte ältere Dame. Ist es ein Horrorfilmausschnitt? Will die Künstlerin einen Einblick in die Krankheit ihrer Mutter geben? Ist dieser „Sleep“ ein Alptraum? Hier ist jemand in etwas gefangen, aus dem er nicht mehr herauskommt. „Anchor us to seabed floor“ spielt nur mit wenigen Instrumenten und himmlisch hingehauchten menschlichen Tönen, ohne Text. „Red Dove“ verströmt am ehesten noch klassische Filmmusik-Atmosphäre. Im Video lässt einen Penelope Trappes hier an das langhaarige Mädchen aus dem Brunnen von The Ring denken, an den Exorzisten, an Poltergeist, an Menschen in den Fängen einer schrecklichen Sekte. In „Caro“ verlässt einen die Stimmung nicht. Hier wird hauptsächlich mit der Stimme gespielt, was nicht minder düster ist. „A Requiem“, das für Trappes kranke Eltern geschrieben wurde, beginnt düster, mit nur einem dunklen Streichelement und ihrer ausdrucksstarken, nachhallenden Stimme, die hier fast ein Sprechgesang ist. Wenn ich meine Phantasie ein wenig spielen lasse, höre ich plötzlich Musik von Badalamenti aus Twin Peaks und eine JuleeCruise-ähnliche Stimme, die etwas heller ruft. Eine fast klerikale Stimmung, jemand lebt noch, vielleicht schon sehr dem Tode nahe. Bei „Torc“ hört man Regen, düstere, teils wütende Streichinstrumente, keine Vocals. „Thou Art Mortal“, nach „A Requiem“ das längste Stück auf dem Album, lässt einen nicht zerstört von horroresken oder traurigen/unheimlichen Melodien zurück. Ich denke es drückt aus, was es auf Deutsch heißt: Remember, thou art mortal, Remember, you must die, momento mori. Es soll einen nicht zerstört zurücklassen, sondern einen erinnern, dass wir alle sterben werden, an die Motivation, die Inspiration, die Freude auf das, was kommen wird. Sicherlich eine Inspiration für Penelope Trappes kranke Eltern.

Ein sehr intimes, persönliches, schönes Album. A Requiem, das fünfte Album von Penelope Trappes, erscheint am 4. April.

:mosch: :mosch: :mosch: :mosch: :mosch2:

Penelope Trappes: A Requiem
One Little Independent / Bertus Musikvertrieb, Vö. 4. April 2025
CD 22,77 €, MP3 8,99 €
Bandcamp

Tracklist:
01. Bandorai
02. Platinum
03. Second spring
04. Sleep
05. Anchor us to Seabed floor
06. Red dove
07. Caro
08. A requiem
09. Torc
10. Thou art mortal

(695)