Back from the grave

DEMM-2026-Header-Sonntag-2Pünktlich zur Wiederauferstehung (Jesus’ oder unserer) scheint nach dem gestrigen sehr verhangenen Karsamstag heute die Sonne und verwöhnt uns mit bestem Biergartenwetter und Temperaturen um die zwanzig Grad. Das lockt, so hört man jedenfalls, noch mehr Besucher als am Vortag ins Backstage, auch wenn das kaum möglich erscheint (es lag wohl an den dieses Jahr angebotenen Tageskarten, von denen noch ein paar zu haben waren). Dass es möglich ist, merken wir vor allem daran, dass gerade die beiden kleineren Bühnen Halle und Club noch schneller als sonst an ihre Grenzen stoßen und sich eine Pinkelpause zwischen Bands schnell rächt, weil dann kein Reinkommen mehr ist – und das trotz des großzügigen Biergartenbereichs, der am Ostersonntag zu allen Tages- und Nachtzeiten gut gefüllt ist.
DSC_4690Aber von Anfang an: Normalerweise wird der DEMM-Sonntag von eher ungewöhnlichen Bands, die auf den ersten Blick nicht immer unbedingt ins Line-up passen und uns etwas sanfter in den zweiten Festivaltag geleiten, eröffnet. Darauf wird 2026 verzichtet, denn Lik aus Schweden verpassen uns einen musikalischen Kaltstart, und so schleppen sich alle überpünktlich ins Werk, um an Ostern der einzig wahren Leiche zu huldigen. Lik haben den klassischen Schweden-Death brutal gut in die neue Generation überführt und reißen mit „Deceased“ gleich mal alles ein, was zwischen dem verkaterten Publikum und der guten Laune steht. Danach schreddert sich der Stockholmer Dreier mit neuem Schlagzeuger Emil Wiksten (der sonst bei Tsjuder die Stöcke schwingt und angeblich nur zwei Wochen Vorbereitungszeit auf diesen Gig hatte) fröhlich durch die seit 2014 aufgelaufene Diskografie. Die musikalische Entsprechung eines Triple-Espresso macht auch den müdesten Besucher munter, was Lik mit einem fröhlichen „Sie sind superklasse!“ kommentieren, ehe sie uns den nächsten Hammer um die Ohren hauen. Zwischendrin behauptet Sänger Tomas Åkvik, dass man jetzt mal kurz vom Gas gehen würde, aber „They“ erweist sich nicht gerade als stimmungsvolle Midtempo-Ballade, sodass uns der Verdacht befällt, er könnte gelogen haben. Das proppenvolle Werk weiß Liks energiegeladenen Auftritt zu schätzen – ganz großes Kino zu früher Stunde. (Shoutout to Robert, den wir am Ende des Tages noch am Merch-Stand getroffen haben – best festival meeting ever! Thank you och tack som fan for the short history of snus and surströmming!)

DSC_4761Nicht minder energetisch geht es mit Thron in der Halle weiter: Das Quintett aus Baden-Württemberg ist seit 2015 aktiv, hat inzwischen fünf Alben im Gepäck – und feiert am Ostersonntag die Münchner Live-Premiere, die so gelungen ausfällt, dass wir hoffentlich auf den nächsten Auftritt nicht noch mal so lange warten müssen. Geboten wird rasend schneller Black Metal mit dem gewissen Etwas, und wie viele Fans sich Thron erarbeitet haben, ist am großen Andrang zu sehen. Trotz des perfekten Wetters zwängen sich Massen in die Halle und erfreuen sich am kurzweiligen Set. Aus der Konserve klingt das alles noch viel kurzweiliger, denn Thron schrecken auch nicht vor dem Einsatz von Blasinstrumenten und Synthesizern zurück – Elemente, die live nicht ganz so zur Geltung kommen, zumal das Schlagzeug recht prominent abgemischt ist. Jede*r, der und die nach schnellem Black Metal mit interessanten Ideen sucht, ist bei Thron jedenfalls gut aufgehoben und sollte ins aktuelle Album Vurias reinhören, aus dem unter anderem „Astral materia“ und das wuchtige „The serpent’s path“ gegeben wurden.

DSC_4853Parallel dazu spielen Schreigarm im Club, die technisch gesehen aus Nordrhein-Westfalen kommen, auch wenn die beiden Bandmitglieder Ingvarr und Styrr (die auch beide singen) aus der Ukraine stammen. Live werden die Herren, die ihre schwarzen Outfits um geflochtene Ketten mit Knochen darin ergänzt haben, von der Ex-Funeral-Pile-Drummerin Alina unterstützt, ebenfalls aus der Ukraine. Geboten wird erhaben-schöner, folkig angehauchter Black Metal mit jeder Menge Emotion – kaum zu glauben, dass wir gerade ein Live-Debüt sehen. Dazwischen gibt es Sprechgesang und eine Dame in Roben, die sich mit einem Opferdolch diverse Kultgegenstände vornimmt; alles passend zur Musik und eine wirklich stimmige Ergänzung des Auftritts. Insgesamt eine der Überraschungen des diesjährigen Dark Easter Metal Meetings und eine junge Band (aus erfahrenen Musiker*innen), die wir im Auge behalten werden!

DSC_4927-1Keine fünf Minuten später erwartet uns die nächste Dampfwalze – dieser Ostersonntag kennt wahrlich keine Gnade, denn Enthroned stehen im Werk auf der Bühne. Inzwischen ist auch der letzte Anwesende wach und stimmt freudig in die „Hail Satan!“-Sprechchöre mit ein, die Sänger Nornagest vor den „Rites of the northern fullmoon“ fordert – einem der ersten Songs, die Enthroned je geschrieben haben. (Dass inzwischen keiner der Gründer noch in der Band ist, tut der Sache keinen Abbruch; Nornagest ist immerhin seit 1995 am Start, das muss reichen.) Mit unglaublichem Tempo und gnadenlosem Hass fräst sich der musikalische Panzer dann eine Stunde lang durch die jubelnde Menge, die sich auch von dem leicht matschigen Sound das Haareschütteln nicht verderben lässt. So macht Ostern Spaß!

DSC_4954-1So vertraut den meisten Enthroned sein dürften, so unbekannt sind Vollmondprozession, die danach im Club auftreten. Laut den Metal Archives kommen sie aus der Schweiz, sind seit 2023 aktiv und haben ein Album namens Lazarus veröffentlicht. Wie viele Mitglieder hat die Band? Keine Angabe. (Aber auf der Bühne stehen fünf Personen.) Wer steht am Mikro, Mann oder Frau? Keine Angabe. Gibt es eine Setlist? Natürlich nicht. Das Geheimnis scheinen sehr viele lüften zu wollen, denn der Club ist schon vor Beginn des Auftritts übervoll, sodass wir uns nur ein paar Minuten hineinquetschen können, um uns ein Ohr des oldschoolig-rumpeligen Sounds abzuholen, der klingt, als müsste man ihn ausschließlich auf Musikkassette konsumieren, natürlich in einem düsteren Keller und mit Haaren vor dem Gesicht. Dem Publikum gefällt’s, der introvertierte, monoton-rohe Sound wird mit frenetischem Jubel quittiert.

DSC_4973_Décembre-NoirWenn man sich auf der Suche nach Atemluft aus dem Club herausgekämpft hat, kann man sich das musikalische Gegenprogramm in der Halle gönnen, wo die Thüringer Décembre Noir ihren doomigen Atmospheric Black Metal kredenzen – nicht zum ersten Mal auf dem DEMM und immer willkommen. Trotzdem ist wesentlich weniger los als erwartet, aber wer da ist, will das auch unbedingt sein – Spitzenstimmung in der Halle, und die sympathischen Erfurter um Sänger Lars sind wie immer grundsolide und sympathisch auf der Bühne. Zu „The forsaken earth“ bittet Lars dann zur „Wall of Doom”, bei der man nichts weiter machen muss als dastehen und nicken, was jeder anwesenden Person auch unfallfrei gelingt, selbst in den schnelleren Passagen. Wir freuen uns über die uncharakteristisch warme Stimmung in der Halle, die nach dem Geballer der ersten Bands des Tages sehr willkommen ist.

DSC_5049-1Ohne Pause geht es zurück ins Werk, wo uns die Veteranen des heidnischen Schwarzmetalls erwarten: Thyrfing aus Schweden laden zum gepflegten Kopfschütteln und gemeinsamem Fäusterecken; ein recht mitmach-intensives Konzert, bei dem das Publikum fast genauso viel zu tun hat wie die fünf Stockholmer auf der Bühne. Allein der Sound ist recht knarzig und wirkt, je nach Standort, so übersteuert und laut, dass einige der Folk-Feinheiten verloren gehen. Der Stimmung der Hardcore-Fans direkt vor der Bühne tut das keinen Abbruch, und auch in den hinteren Reihen werden Klassiker wie „Sweoland conqueror“ vom bahnbrechenden Album Urkraft (2000) so enthusiastisch abgefeiert wie auch „Fredlös“ vom aktuellen Album Vanagandr (2021). Thyrfing rasen munter gut eine Stunde lang durch sechsunddreißig Jahre Bandgeschichte, sodass keine Wünsche offen bleiben. Nur schade, dass die multimediale Inszenierung, vor allem die große Videoleinwand hinter der Bühne, im Backstage-Schummerlicht und mit viel Nebel kaum zur Geltung kommt.

DSC_5163Bei uns beiden haben die Schotten Cwfen (gesprochen „coven“), die danach im Club auftreten, höchste Priorität. Umso größer ist die Enttäuschung, als der Sound – trotz intensivem Soundcheck – direkt vor und neben der Bühne eine Katastrophe ist: die Gitarren viel zu laut, der Gesang streckenweise nicht vorhanden. An anderen Stellen im Raum und oben auf der Galerie muss er hervorragend gewesen sein, so große Unterschiede in einem so kleinen Raum wie dem Club sind aber dennoch sehr schade. Unbenommen ist dagegen die Leistung von Cwfen, die ihre Mischung aus Goth und Doom (die auch gut aufs WGT passen würde) charismatisch auf die Bühne bringen, und wenn Sängerin Agnes Alders Stimme zu hören ist, ist sie ganz fantastisch. Die Band und das Debütalbum Sorrows sei allen ans Herz gelegt, die nicht nur puristisch unterwegs sind und auf mehr als kalte Raserei Wert legen. Der Club ist gut gefüllt, aber nicht zu voll, die Reaktionen sind begeistert. Cwfen – eine tolle Entdeckung, die uns hoffentlich bald noch einmal mit einem Live-Auftritt beglücken, dann mit stabilerem Sound.

DSC_5248Parallel dazu treten Ruïm in der Halle auf – laut Bandgründer, Gitarrist und Sänger Blasphemer (ex-Mayhem, derzeit bei Aura Noir) ein aus dem Portugiesischen entlehntes Wort, das „ruimed“ ausgesprochen wird und so viel wie „böse“ oder „schlecht“ bedeutet. Böse geht es auf der rot ausgeleuchteten Bühne sehr wohl zu – von „schlecht“ ist man allerdings weit, weit entfernt. Ruïm warten zwar nicht mit einer eher statischen Bühnenshow auf, aber musikalisch wird es recht komplex, und die Riffs sind allerfeinste Sahne. Und damit nicht genug: Mit Unterstützung von Enthroned-Sänger Nornagest am Mikrofon covert Blasphemer dann die alten Mayhem-Gassenhauer „I am thy labyrinth“ und „Fall of Seraphs“ von der Wolf’s lair abyss (letzteres ist auch auf dem Debütalbum Black royal spiritism zu hören), was mit großem Jubel in der Halle und auch oben auf der Galerie quittiert wird. Blasphemer gibt sich allerdings nicht einfach mit einer Coverversion zufrieden, sondern hat hier und da ein bisschen gedreht und geschraubt – prominentere Gitarren, andere Intros – und damit die alten Songs in prächtige neue Gewänder eingekleidet, die jede*n im Publikum vollends zum Ausrasten bringen. Eine wirklich schöne Oster-Überraschung!

Der Geist ist willig, das Fleisch braucht Nahrung und einen Sitzplatz – wir müssen die Ukrainer von 1914, die danach im Werk aufspielen, leider ausfallen lassen und gönnen uns eine Pause im Schatten bei stärkender Breze. Den glücklichen Gesichtern nach zu urteilen, war es großartig, dass 1914 (nach der wegen Ausreiseverbot gecancelten Tour 2025) spielen konnten. Slava Ukraini!

DSC_5285-1Zu den Italiener*innen von Ponte del Diavolo sind wir wieder auf dem Gelände und im Club – ein bisschen bange, wie die Soundsituation sein wird, denn auch diese Band wollen wir unbedingt sehen. Zum Glück klappt hier alles, und wir können den rotzigen Doom-Punk mit Goth-Anleihen, den Sängerin Erba del Diavolo und ihre Mitstreiter uns gekonnt um die Ohren hauen, rundum genießen. Ironisch lächelnd und mit voller Bühnendominanz führt sie durch den Auftritt, flüstert, singt und schreit, dass es eine Freude ist. Seit 2020 gibt es die Formation erst, zwei Alben sind erschienen, von denen der größte Teil der Setlist stammt. Wie vielseitig und spannend Ponte del Diavolo sind, zeigt auch das Bauhaus-Cover „In the flat fields“, womit sie auch hervorragend aufs WGT passen würden. Das Publikum dankt den energiegeladenen Auftritt mit viel Jubel und Hingabe. Stark!

DSC_5365Parallel zu diesem Ausflug in experimentellere Gefilde reißen Whoredom Rife gekonnt die Halle ab. Es wird geboten, was draufsteht: norwegischer Black Metal ohne künstlerische Schnörkel, Melodien oder Sonstiges, was vom musikalischen Schlag in die Fresse ablenken könnte. Das machen Whoredom Rife auch richtig gut, die Halle geht mit bis nach hinten gereckten Fäusten mit, und für die enthusiastischen Fans in der ersten Reihe gibt es Fistbumps von Sänger K. R. (der offenbar ein genauso großer Gaahl-Fan ist wie wir, so erhaben, wie er über die Bühne schreitet und finster-sinnierend ins Publikum starrt). Eine Setlist gibt es nicht, wir vermuten aber stark, dass Whoredom Rife sich durch ihre letzten Veröffentlichungen geknüppelt haben, die wir hiermit weiterempfehlen.

DSC_5450„Erhaben“ und „finster“ sind die passenden Stichworte für den nächsten Act im Werk, denn dort steht niemand Geringeres als Tom G. Warrior/Thomas Gabriel Fischer auf der Bühne, der wohl kaum noch einer längeren Einführung bedarf. Ein echtes Szeneurgestein, das mit Hellhammer und Celtic Frost zwei legendäre Bands geschaffen hat und dieses Erbe auf seine eigene Weise mit Triptykon fortführt. Er ist eine Konstante des DEMM und hat vor diversen Jahren den legendären Spruch geprägt, wie schön es sei, hier am Ostersonntag für den Herrgott zu spielen. Dieses Jahr haben die Schweizer ein besonderes Schmankerl mitgebracht und eine Setlist mit Celtic-Frost-Schwerpunkt angekündigt, um das zwanzigjährige Jubiläum des Albums Monotheist zu feiern. Dementsprechend rappelvoll ist das Werk, als sich Tom G. Warrior bescheiden wie immer für die Einladung zum Festival und den großen Zuspruch bedankt, und er kann sogar V. Santura als bayrischen Einheimischen dazu bewegen, erstmalig einen Gruß ans Publikum zu richten. Zwei Gästen dankt er noch für seine Gitarre, und einen Moment lang herrscht eine wirklich schöne familiäre Stimmung. Allzu gefühlsduselig wird es aber nicht, keine Sorge, denn sofort gibt’s wieder bretthart gespielte Riffs, die dank extrem transparentem Sound bis nach hinten durchs Werk knallen. Dazu Toms donnernder Gesang, Vanjas Bass des Todes und das fantastische Songmaterial sowohl von Triptykon („Aurorae“!) als auch Celtic Frost („A dying god coming into human flesh“ oder „Synagogae Satanae“) – fertig ist ein rundum beeindruckender Auftritt, der nicht wenigen eine ordentliche Gänsehaut samt Nackenschmerzen bereitet haben dürfte. Darauf ein herzhaftes Ugh!

DSC_5603Eigentlich könnten wir jetzt heimgehen, so viele Eindrücke im Kopf, so viel gute Musik in den Ohren – aber ein paar Highlights warten noch auf uns, weswegen wir unsere müden Knochen schnell in den Club schleppen, denn da spielen gleich Griechen, und was griechisch ist, ist erfahrungsgemäß gut. Dieser Weisheit folgen anfangs bei Hail Spirit Noir noch nicht ganz so viele, was aber sicher auch der Uhrzeit geschuldet ist. Nach und nach füllt sich der Club dann jedenfalls noch mit diversen Connaisseuren. Hail Spirit Noir sind musikalisch so vielseitig, dass wir gespannt sind, was uns erwartet – synthwavige Klänge? Das volle (Psychedelic-Prog-)Metal-Brett? Möglich ist alles. HSN entscheiden sich fürs volle Metal-Brett, das uns ordentlich die Haare nach hinten föhnt. Sänger Arne Vandenhoeck ist erst seit Kurzem dabei, was man ihm und der Band aber in keinster Weise anmerkt. Der Bewegungsspielraum für die sechs Musiker ist auf der winzigen Bühne recht eingeschränkt, gegeben wird jedoch alles (Propellerhaare auf engstem Raum gehen immer). Waren Lik am Anfang des Tages der musikalische Triple-Espresso, sind HSN jetzt der Energy-Drink, der uns fit für die Nacht macht. Nur sehr viel schmackhafter. Songs wie „The cannibal tribe came from the sea“, „Against the curse, we dream“ oder „Crossroads“ schaffen eine ganz eigene Atmosphäre musikalischer Komplexität und Vielseitigkeit, die aber trotzdem direkt in den Nacken geht, was mit lautem Jubel vom Publikum belohnt wird. Danke, HSN, für die bitter nötige Energie für den Endspurt!

Parallel zu diesem fröhlich alle Genregrenzen überschreitenden Sturm gibt es in der Halle ein so ähnliches wie komplett unterschiedliches musikalisches Programm. Darkher – Jayn Hanna Wissenberg und ihr Drummer – schaffen wir leider nicht mehr, hören danach aber von Anwesenden, wie wunderschön der Auftritt war und wie verzaubert das zahlreiche Publikum den ätherisch-doomigen Klängen gelauscht hat.

DSC_5726-1Nach dem griechischen Tritt in den Hintern sind wir wieder einigermaßen fit und freuen uns sehr auf Grave – nachdem wir uns vor drei Jahren auch schon sehr auf die Schweden gefreut hatten, die da aber im letzten Moment absagen mussten und von Martin Schirenc/Pungent Stench ersetzt wurden. Heute klappt es aber mit dem oldschool-deathigen Schleudergang, wenn auch mit der kleinen Änderung, dass nicht Jörgen Sandström am Mikro steht (Firespawn mussten schon zum Inferno weiterreisen), sondern wie in den letzten Jahren auch schon Ola Lindgren. „We’re Grave from Sweden, and we are way past our bedtime!”, begrüßt uns Ola, und wie recht er hat. Aber dieses Brett lassen wir uns nicht entgehen – und was für ein Brett sie uns da um die Ohren hauen! Neben den Grave-Klassikern – man konzentriert sich auf die ersten beiden Alben Into the grave und You’ll never see -, gibt es heute auch die drei Corpse-Songs vom 1987er Demo, und wer um diese Uhrzeit noch steht und einigermaßen ansprechbar ist, geht voll ab. Die vielen Jahre, die die Songs – und wir – schon auf dem Buckel haben, sind wie weggewischt, es ist ein wahres Death-Metal-Fest!
Zwischendurch merkt man, dass die Band nicht mehr allzu oft gemeinsam auf der Bühne steht, ein paar kleinere Abstimmungspausen gibt es zwischen den Stücken, aber wenn sie spielen, rummst es gar vorzüglich. Das lange Warten hat sich gelohnt, und Grave demonstrieren eindringlich, dass sie mit Recht zu den Big 4 des schwedischen Death Metals gehören. Der Ostersonntag begann mit einer Leiche (Lik) und endet mit einer (Corpse) – ein schöner Bogen.

Auch das dreizehnte Dark Easter Metal Meeting hat unsere Knochen und Frisuren ordentlich durchgeschüttelt, und das auf die bestmögliche Weise. Ein Line-up zum Träumen mit der einzigartigen Mischung aus großen Namen, Untergrund-Nachwuchs und wunderbar abseitigen Bands, mit der sich das Festival seinen Namen gemacht hat und das völlig verdient auch dieses Jahr ausverkauft war. Großer Dank geht an MRW Concerts und Michael Sackermann für die fantastische Orga (und den immensen Aufwand in den Monaten zuvor), vielen Dank an sein Team, das an den Bühnen, am Merch und überall sonst alles reibungslos am Laufen gehalten hat, vielen Dank ans Backstage für alle Techniker*innen, Secus und Barkräfte und natürlich die gemütliche Location. Ein großer Dank geht an alle Bands, alle Presse/Foto-Kolleg*innen und das internationale Publikum, die dieses kleine-aber-feine Festival so besonders machen.

War die Stimmung am Samstag – sicher wetterbedingt – bei einigen Auftritten noch ein wenig verhalten, waren am Sonntag dann alle auf Betriebstemperatur. Ein großes Plus war natürlich der lauschige Biergarten, in dem sich dieses Jahr auch noch mehr Merch-Stände versteckt haben, an denen man Runen-Accessoires, umfunktionierte Bandshirts oder ganz klassisch Tonträger nebst Patches etc. erwerben konnte.

Herrlich skurril war am Samstag die Pausenmusik in der Halle, und so mancher Metaller wippte ein bisschen mit zu dem klassischen Soul/Jazz, der aus den Boxen klang. Auch die Musik auf dem Gelände lud zu später Stunde mit Synth- und Pop-Klassikern zu einem Tänzchen ein. (Wir haben allerdings unsere Gebeine geschont und diverse neue Lieblingsbänkchen neben unserer Stammbank im Bambus gefunden, auf denen wir die Festivalatmosphäre richtig schön aufsaugen konnten).

Die Essenssituation hatte sich mit mehreren Ständen in den letzten Jahren ja schon entspannt, sodass es auch dieses Jahr zwar zu Schlangen, aber nicht gleich zwei verpassten Bands wie ganz früher gekommen ist – sehr schön! Auch die (Frauen-)Toiletten waren selbst spätabends noch problemlos nutzbar – vielen Dank allen Beteiligten dafür!

Apropos Frauen: Nachdem diese in der Extrem-Metal-Szene ja nach wie vor noch eher spärlich vertreten sind, ist der relativ hohe Frauenanteil dieses Jahr bei den Bands ein weiterer großer Pluspunkt (KYI, Nornír, TodoMal, Triptykon, Darkher, Schreigarm, Vollmondprozession, Cwfen, Ponte del Diavolo).

DSC_3910-1Liebenswert machen das DEMM auch die Sachen, die man ein bisschen suchen muss – zum Beispiel die Ausstellung in der Reitknechtbar, bei der wie im letzten Jahr auch schon Afra von Metal1.info ihre fantastischen DEMM-Fotos gezeigt hat, neben den Illustrationen von Manuel Scapinello und Voices from the Crypt. Eine sehr schöne Geste war auch der kleine Gedenkaltar mit Fotos von Nisse Karlén und Jürgen Bartsch.DSC_3909-1 (Außerdem konnte man sich am DEMM-Merch-Stand Pins aus einem Kaugummiautomaten ziehen, sein Bier aus Festivalbechern schlürfen, und auf dem Gelände waren Eastereggs in Form von Early-Bird-Tickets fürs nächste Jahr versteckt.)

Wir haben die zwei Tage mit allem, was sie geboten haben, wieder sehr genossen und freuen uns schon aufs nächste Jahr: Merkt euch 27./28. März 2027 im Kalender vor!

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Text: Nekrist, torshammare
Bilder: torshammare

Setlisten Sonntag:

Lik

  • Deceased
  • War praise
  • Serum 141
  • Morgue rat
  • Decay
  • Funeral anthem
  • Dr. Duschanka
  • Ghoul
  • They
  • Worms
  • Le morte homme
  • (To kill)

Thron

  1. To dust
  2. Astral materia
  3. The tyranny of I
  4. One truth, one light
  5. A paradox
  6. The serpent’s path
  7. The hunter and the prey
  8. The prophet
  9. Return …

Enthroned

  • Raviasamin
  • Deathmoor
  • Ashspawn
  • Hosanna Satana
  • Rites of the northern fullmoon
  • Through the cortex
  • Sightless
  • Basilisk triumphant
  • Of feathers and flames

Décembre Noir

  1. Intro: Pale serenades
  2. Hope/Renaissance
  3. Small.Town.Depression
  4. Against the daylight
  5. The forsaken earth
  6. Streets of transience
  7. Your sunset / My sunrise

Thyrfing

  • Farsotstider
  • Vansinnesvisan
  • Sweoland conqueror
  • Veners förfall
  • Fredlös
  • Jag spår fördärv
  • … Ty mörkret skall falla
  • Digerdöden
  • Från stormens öga

Cwfen

  • Bodies
  • Wolfsbane
  • Reliks
  • Revenge
  • Whispers
  • Penance
  • Embers
  • Rite

Ruïm

  • Blood.Sacrifice.Enthronement
  • The triumph of (night and fire)
  • The black house
  • Black royal spiritism
  • Evig dissonans
  • I am thy labyrinth (Mayhem cover with Nornagest from Enthroned on vocals)
  • Fall of seraphs (Mayhem cover with Nornagest …)
  • O sino da ingreja

Ponte del Diavolo

  • Spirit, blood, poison, ferment!
  • Every tongue has its thorns
  • Lunga vita alla necrosi
  • Zero/Nocturnal veil
  • Il veleno della natura
  • In the flat field (Bauhaus-Cover)
  • Demone
  • Covenant

Triptykon

  • Intro: Totengott (Celtic Frost)
  • Progeny (CF)
  • Ground (CF)
  • A dying god (CF)
  • Goetia (CF)
  • Altar of deceit
  • Sorrows of the moon (CF)
  • Aurorae
  • Circle of the tyrants (CF)
  • Domain of decay (CF)
  • Synagoga Satanae (CF)
  • Outro: Winter

Hail Spirit Noir

  • Starfront promenade
  • I mean you harm
  • The cannibal tribe came from the sea
  • Oi magoi
  • Against the curse, we dream
  • Crossroads
  • Fossil gardens
  • Haire pneuma skoteina

Grave

  • Deformed
  • Day of mourning
  • Morbid way
  • For your god
  • Christ
  • Black dawn (Corpse cover)
  • Life in disgrace (Corpse cover)
  • Rise again (Corpse cover)
  • Into the grave
  • Extremely rotten flesh
  • Brutally deceased
  • You will never see
  • And here I die

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