Sommer, Sonne, Subkult

Nach dem Festival ist vor dem Festival: Ziemlich genau vier Wochen nach dem WGT wollen wir erneut Festivalluft schnuppern, dieses Mal in Schweden. Ankalætha ist ja Stammgast auf dem legendären Subkult festivalen (und hat in den letzten Jahren auch immer wieder davon berichtet, hier zum Beispiel 2024), und dieses Jahr klappt es – pünktlich zum zehnjährigen Jubiläum des Festivals – endlich auch für torshammare mit einem Besuch. Doppelte Anwesenheit – doppelt so viel Spaß! Lest nach, was wir alles an den drei Festivaltagen im beschaulichen Trollhättan erlebt haben.

Donnerstag:

Anka
Man mag es kaum glauben, aber hier oben im Norden war der Winter 2026 lang, der Frühling spät und der Frühsommer ungewöhnlich kalt. Und so war ich nach kurzem Schwitzen auf dem WGT wieder voll im Hoodie-Modus, als gerade noch rechtzeitig vor dem Subkult die Nachricht kam, dass die nächste Hitzewelle es bis nach Skandinavien schaffen würde. Gepackt habe ich allerdings noch bei 12 Grad und Regen, weshalb das Gepäck mal wieder etwas größer als notwendig wurde – aber egal, wenn man mit dem Zug fährt, kann man‘s ja machen. Genau genommen muss man sogar, die neueren Züge hier sind nämlich sehr gut klimatisiert, und auf dem ersten Teil der Fahrt habe ich alle unterwegs in Strandklamotten einsteigenden Sommerurlauber durchaus bemitleidet – ziemlich genau bis zu dem Moment, als mir beim Aussteigen in Trollhättan die Hitze entgegenschlägt, als wäre alles außerhalb des Zuges ein gut vorgeheizter Backofen.
ST_Folkets-EingangAber egal – endlich wieder in Trollhättan! Nach vier Jahren in Vänersborg ist das Subkult wieder daheim, wo – zehn Jahre vorher – alles angefangen hat. Mich freut es – Vänersborg ist okay, und das Gelände dort hatte seinen Reiz, aber alles andere, von Hotelzimmer über „auf dem Weg noch schnell nen Burger“ bis zum Nachtleben, ist in Trollhättan einfach eine andere Hausnummer.
Am Bahnhof wartet torshammare schon auf mich, und wir warten dann noch gemeinsam auf den Dritten im Bunde, bevor wir uns auf den Weg ins Hotel machen – und ein Abstecher zu Max Burger darf natürlich auch nicht fehlen, Tradition ist Tradition!
So gemütlich wie früher, als die Vorparty noch aus ein paar Gigs in der Fußgängerzone gelegenen Kellerbar namens “Backstage” war, ist es aber natürlich zum zehnjährigen Jubiläum nicht mehr, der Donnerstag ist inzwischen schon fast ein vollwertiger Festivaltag, und auch sonst ist einiges anders. Es wird sogar schon auf zwei bis drei Bühnen gespielt, die größte davon, Stella, ist dieses Jahr zum ersten Mal open air und genauso neben dem Eingang zum Gelände platziert wie es die letzten Jahre die Mainstage namens Aura war. Die diesjährige überdachte Bühne, also genau dieselbe Location, die früher Stella hieß, heißt jetzt Helgon – so wie die letzten Jahre das kleine Zelt, in dem unter anderem die DJs aufgelegt haben. Das wiederum findet dieses Jahr in einem Holzpavillon statt und heißt Pluto. Verwirrt? Ja, das war ich auch. Das alles ist aber trotzdem erst das halbe Gelände im frisch renovierten Folkets Park, der hintere Teil mit Hauptbühne Aura, Food Court und VIP-Bereich ist noch abgesperrt.
Likk-1Nach etwas Hin und Her zwischen Einlass und Merch, weil die freiwilligen Helfer das mit den unterschiedlichen Ticket-Kategorien und wer jetzt was wo ausgibt, wohl noch nicht so ganz verinnerlicht haben, machen wir einen kurzen Gelände-Rundgang (mit Kaffee vom diesjährigen Kaffeemobil, leider ein anderes als früher, aber auch nett) und sind dann pünktlich um 15:45 Uhr zu Likk vor der Stella-Bühne. Likk ist ein Projekt von Abu Neins Andreas Andersson und Alice in Videolands Toril Lindquist, und die wilde Mischung aus Industrial EBM und Synth animiert schon mal ganz ordentlich zum Tanzen – trotz Sandalen an den Füßen, und obwohl es ja durchaus auch ohne Bewegung noch mehr als warm genug gewesen wäre.
Danach gehe ich noch mal kurz zurück ins Hotel, ich möchte die Sachen aus der Goodiebag weglegen und nicht zuletzt jetzt doch auch meine Stiefel anziehen – für offene Schuhe in einer tanzenden Menschenmenge sind meine Zehen nicht hart genug im Nehmen. Auch wenn die Wege in Trollhättan glücklicherweise wirklich nicht weit sind, ein bisschen dauert das natürlich, und so bekomme ich von Eddie Dark leider nur noch die letzten zwei, drei Songs mit. Schade, das klang sehr vielversprechend, aber der Bub ist ja noch jung, den sieht man vielleicht hoffentlich bald mal wieder irgendwo …
Danach geht es weiter zu The Primitives, die mir zunächst mal gar nichts sagen und dann auch eher etwas vorbeiplätschern, aber manchmal passt es halt auch einfach grade nicht. Außerdem stelle ich fest, dass es jetzt doch etwas windig wird, und ich hatte im Hotel ein Handtuch zum Trocknen auf den Balkon gehängt – der Gedanke, dass sich das selbstständig machen und alleine die Fußgängerzone erkunden könnte, ist mir doch ziemlich unangenehm und treibt mich also nochmal ins Hotel zurück. Bis das Handtuch wieder hinter Schloss und Riegel ist und ich zurück auf dem Gelände bin, habe ich Pink Turns Blue auch noch zur Hälfte verpasst.
Kettil-1Aber immerhin bin ich danach mehr als pünktlich im Pluto-Pavillon und kriege noch das Ende vom Set von DJ Monstera mit, bevor Kettil an den Reglern übernimmt. Irgendwie ist es ja eigentlich noch viel zu früh, zu hell und nicht zuletzt zu warm für Hard Techno, aber natürlich muss ich jetzt die ganze nächste Stunde tanzen, das geht nun mal nicht anders.
Dafür nutze ich danach nicht nur den ein Glück vorhandenen Outdoor-Wasserhahn zum Auffüllen von Bechern und Flaschen mit Leitungswasser, sondern auch den „Hintereingang” zur Stella, nein, jetzt ja Helgon-Bühne, wo man wie immer dank des kräftig zur Bühne hin abfallenden Bodens zwar weniger gut tanzen, aber dafür hervorragend die Band sehen und bei Bedarf auch fotografieren kann.
A-Projection-1Hier ist jetzt mit A Projection schon ein anderer alter Favorit am Start. Mit nur noch drei Leuten auf der Bühne und deutlich synthigerem Sound als bei ihrem letzten Subkult-Auftritt 2019, dafür aber deutlich mehr Publikum, ist das zwar nicht mehr ganz dasselbe, aber die Stimmung ist sehr gut und das Energielevel hoch. Macht Spaß!
Aesthetic-3Das gleiche kann man über Aesthetic Perfection zum Abschluss des Tages auf der Stella-Bühne leider nicht unbedingt sagen, aber vielleicht geht es auch nur mir so – zu gut erinnere ich mich nicht nur an den grandiosen Auftritt der Band auf dem Subkult 2017, sondern eben vor allem auch an den auf dem diesjährigen WGT, und der war leider in viel zu starkem Ausmaß genau der gleiche wie jetzt hier. Nicht nur die Setlist, das hatte ich erwartet, auch die Ansagen wiederholen sich sehr oft im Wortlaut. Die wenigen Änderungen, die dann doch vorkommen (zum Beispiel ist „Love like lies” nicht mehr im Set), sind für mich leider auch eher keine Verbesserung. Bis auf die Beachbälle – aufblasbare Gummidinge kann es auf dem Subkult tatsächlich nie zu viele geben!

torshammare
Ich bin schon ein wenig länger in Schweden unterwegs und konnte mich nach Stationen in Stockholm (heiß) und Göteborg (etwas luftiger) bereits etwas akklimatisieren. Allerdings schleppe ich trotzdem genauso viel Gepäck mit wie Ankalætha, denn als ich in Deutschland gestartet bin, war die Wettervorhersage für zwei Wochen Schweden großteils eher 15 Grad und Regen. Gut, dass ich jetzt eine vernünftige Outdoor-Jacke und feste Schuhe dabeihabe, kann bei angekündigten über 30 Grad bestimmt nichts schaden.
ST_Vampy-EingangNachdem sich das bewährte WGT-Trio in Trollhättan am Bahnhof getroffen und im entzückenden, familiären Hotel eingecheckt hat, stärken wir uns noch bei Schwedens beliebtester Burgerkette (die wirklich gut ist und auch sehr viele vegane Alternativen hat). Nach luxuriösen 10-15 Minuten Fußmarsch sind wir am Gelände, bringen den freundlich-chaotischen Einlass hinter uns und orientieren uns erstmal auf dem zwar übersichtlichen – im Prinzip einmal im Kreis um die Grünanlage -, aber eben auch neu angelegten Gelände. Ich bin sehr beeindruckt und freue mich, dass alles so nah beieinander ist – hier muss man definitiv nicht herumhetzen.
ST_LIKKWir sind vor allem deshalb überpünktlich vor Ort, weil ich unbedingt Likk sehen möchte, die das Festival als erste Band eröffnen. Andreas Andersson kenne ich von Abu Nein, seine Bandkollegin Toril Lindquist am Mikro (der Wahnsinn! Diese Energie!) sehe ich zum ersten Mal live, und was die beiden da ins schon ordentlich vertretene Publikum jagen, macht richtig Spaß. Electro/Synth der aggressiveren Art, genau richtig zum Aufwärmen und eine dringende Empfehlung.
ST_KöttgrottornaDanach ist mir dann nach schwedischem Punk – was traditionell beim Subkult etwa ein Drittel des Line-ups ausmacht. Köttgrottorna sind Ikonen der schwedischen Punkszene und ziehen zur frühen Stunde ein großes Publikum. Die Herren – alle keine fünfundzwanzig mehr – machen sympathische Witze über ihre pinken Bühnen-Shirts, die zufällig die gleiche Farbe wie die der Festivalcrew haben, punkrocken routiniert und holen auch ein ehemaliges Bandmitglied für ein paar Songs auf die Bühne. Schwedischer Punk ist eigentlich immer auch auf Schwedisch, und die Texte lohnen sich meistens, aber auch ohne Sprachkenntnisse machen Köttgrottorna (und Konsorten) richtig Spaß, wer auf angenehmen Punk(rock) steht.
ST_Helgon-Bühne-DachGleich neben der Stella-Bühne befindet sich das „Theater-Haus“ des Folkets Park, ein altes Holzgebäude mit grandios bemalter Decke, das man an den Seiten öffnen kann. Anka hat ja schon den zur Bühne hin abschüssigen Publikumsbereich beschrieben, und zusammen mit der Frischluftzufuhr von den Seiten ist das ziemlich perfekt.
ST_Eddie-DarkVor allem wenn Eddie Dark – ein junger Grieche – über die Bühne tobt, dass man schon Angst hat, er verrenkt sich was. Mit offenem Mund verfolge ich den Irrwisch und seinen (für mich) überraschend harten, sehr tanzbaren Electro, während um mich herum ordentlich gehüpft und getanzt wird. Sehr, sehr cool!
ST_PrimitivesMeine nächste Muss-Band ist dann wieder auf der Stella-Bühne, bei der man zwar so bisschen im Weg steht (etwa wie die Parkbühne beim NCN, wer das kennt), dafür von überall auch gut sieht. The Primitives aus England gibt es schon sehr lange, trotzdem dürfte den meisten nur ein Song von ihnen bekannt sein – und oft auch nur der, ohne zu wissen, wer der Interpret ist. Das ist schade, denn die Band hat natürlich noch viel mehr beschwingten Indie-Wave-Pop zu bieten, den die wunderbare Frontfrau Tracy Tracy mit bestem britischem Humor und toller Stimme zusammen mit ihren Bandkollegen auf die Bühne bringt. Am Ende kündigt sie noch trocken „a new song“ an, und das ist natürlich der Überhit „Crash“. Schön!
ST_Pink-Turns-BlueDanach gehe ich die paar Schritte zur Helgon-Bühne, wo gleich Pink Turns Blue auftreten werden – perfekt für den frühen Abend, auch wenn es in Schweden gerade so gut wie nicht dunkel wird. Ein bisschen komisch ist es schon, diese Band statt in Deutschland jetzt auf einem kleinen schwedischen Festival zu sehen, nichtsdestotrotz passen Pink Turns Blue perfekt zur leicht nostalgischen Helgon-Atmosphäre und liefern ein gewohnt melancholisch-tanzbares Set ab, bei dem der Sound ein klein wenig klarer hätte sein können, aber das ist letztendlich egal. Augen schließen und genießen.
ST_Lastkaj-14Nach einem kurzen Abstecher zu Lastkaj 14 (feinster schwedischer Punk, hier nehme ich vor allem den Schlachtruf „Sverigedemokrater – det är inte jag“ / „Schwedendemokraten – das bin ich nicht“ mit. Die Sverigedemokrater sind in etwa das Gegenstück zur AfD, also wirklich ganz übel) bin ich eigentlich recht satt an Musik und Eindrücken und würde gern ein bisschen Pause machen, nachdem Anka aber nachdrücklich DJ Kettil empfohlen hat, marschiere ich zur kleinen Pluto-Bühne, die sich in einem Nebengebäude befindet – und muss tanzen (zumindest so lange es die Hitze erlaubt, denn hier drin ist es brutal stickig).
Superlässig und hochkonzentriert jagt DJ Kettil einen Hard-Techno-Knaller nach dem anderen ins – nicht so zahlreiche – Publikum, Stillstehen ist da kaum möglich. Ich muss mich zwar dann trotzdem mal hinsetzen, zappele da dann aber gleich weiter. Absolute Empfehlung und gern auch mal außerhalb Schwedens!
ST_A-Projection-1Nachdem die Wege auf dem Subkult sehr kurz sind, schaffe ich es auch pünktlich zu A Projection auf der Helgon-Bühne, die kurzfristig für die verhinderten Traitrs eingesprungen sind. Mir ist das sehr recht, bei A Projection kann ich sehr viel besser tanzen und zu einigen Lieblingssongs („No control“ zum Beispiel, hach) schwelgen. Außerdem wirbelt Rikard wie immer so mitreißend über die Bühne, da muss man einfach mitmachen. Dank blauem Düsterlicht sieht man zwar nicht so viel von der Band, der Sound ist auch etwas matschig, das mindert den Spaß aber keineswegs. Wieder mal ein toller Auftritt des Trios!
ST_Aesthetic-PerfectionHeadliner des heutigen Tages ist Aesthetic Perfection, was für mich ebenfalls ein wenig skurril ist, weil das Subkult für mich vor allem durch die vielen schwedischen Bands so reizvoll ist. Aesthetic Perfection habe ich schon so oft gesehen und schaue sie mir daher von weiter hinten an – was aber auch cool ist, im mittsommerlichen Dämmerlicht und mit dem leuchtend gelben Mond hinter der Bühne. Daniel Graves und seine zwei Mitstreiter*innen liefern die gewohnt energische Show ab, das Publikum geht dankbar mit, die Songs sind catchy – aber ich bin dann doch echt müde, weshalb ich mich nach dem halben Set auf den Weg ins Hotel mache. Eigentlich wäre noch Aftershowparty in der Backstage Rockbar (schräg gegenüber vom Hotel) mit Octolab, die ich gern mal sehen würde, aber ich bin durch mit dem Tag. Auch im BG’s – direkt neben dem Hotel – wird noch gefeiert, aber es liegen ja noch zwei Tage Festival vor uns.
ST_alle-Plakate

Hier geht’s zum Freitag. 

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