Straßennamen und Erinnerungskultur
in München
Manchmal ist ein Arbeitstag lang und anstrengend, danach schafft ein bisschen Münchener Stadtgeschichte Abwechslung. „Um-benannt. Straßennamen und Erinnerungskultur in München nach 1945“ war das Ziel, eine Ausstellung über Erinnerungskultur, Straßennamen und den Umgang mit dem NS-Erbe.
An der Ecke Ludwig-/Schellingstraße in München befindet sich die Universitätsbibliothek, ein schöner alter Backsteinbau, drinnen in der Ausleih- und Ausstellungshalle eher typische Bibliotheksatmosphäre, und am Spätnachmittag ein eher seltenes Kommen und Gehen der Student*innen. Gleich nach dem Eintritt befinden sich auf der linken Seite die Schaukästen der Ausstellung, die sich mit den politischen und gesellschaftlichen Debatten über den Umgang mit dem Erbe des Nationalsozialismus, Ehrungen und Erinnerungskultur unmittelbar nach Kriegsende 1945 befassen. Studierende der LMU haben unter Anleitung der Historikerin Constanze Jeitler Schriftstücke zusammengetragen, die dazu einladen, den Stadtplan als Spiegel historischer Debatten und aktueller Deutungskämpfe zu entdecken.
Mithilfe von alten Briefen, Sitzungsprotokollen etc. kann man sich in die damalige Zeit hineindenken, in der nach April 1945 Straßennamen abgeändert werden mussten, auch auf Druck der amerikanischen Militärregierung. Die in den Schaukästen befindlichen QR-Codes geben weitere Auskünfte. Es gibt Sitzgelegenheiten, um die Informationen vor Ort zu lesen.
Unter anderem geht es um die Münchener Freiheit (Link), die kontroverse Diskussion um den Platz der Opfer des Nationalsozialismus (Link), den umstrittenen Wechsel von Promenadestraße zu Kardinal-Faulhaber-Straße, der bis heute anhält, (Link) und auch um den Umgang mit dem Ehrentempel am Königsplatz, der zur nationalsozialistischen Inszenierung beitrug (Link).
Die Ehrung von Opfern des NS-Regimes, Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfern durch die Benennung von Straßen und Plätzen sollte Ausdruck der politischen Neuordnung und der Abkehr vom Nationalsozialismus in München sein. Vergangenheit und Gegenwart mussten in Einklang gebracht werden, unter den strengen Augen der amerikanischen Militärregierung, und auch die Ehrenpflicht ist ein gewichtiges Thema.
Es gibt viel zu lesen und zu entdecken, Begriffe wie zum Beispiel „Ehrenpflicht“ werden erklärt und Erläuterungen zur Stadtgeschichte Münchens nach dem Zweiten Weltkrieg beigetragen. Ein Dank geht an die Student*innen für diese sicher umfangreichen Recherchen. Es ist eine informative und sehr übersichtliche Ausstellung gelungen.
Ausstellung: „Um-benannt.“ vom 13.07.- 17.10.2026
In Kooperation mit dem Lehrstuhl für Neueste Geschichte und Zeitgeschichte, der Weiße Rose Stiftung e.V. und dem Stadtarchiv der Landeshauptstadt München
Ausleih- und Ausstellungshalle der Universitätsbibliothek (F015)
Geschwister-Scholl-Platz 1, 80539 München
Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag 6:30 – 22 Uhr
Samstag 8 – 22 Uhr
Sonntag 8 – 20 Uhr
Weitere Infos und interaktiven Karten: https://www.um-benannt.gwi.uni-muenchen.de/
(390)

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