Schamlos schön

Was ist schön? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Ist Schönheit Geschmackssache? Bin ich schön? Diese persönliche, intime Frage haben sich insgeheim die meisten von uns schon gestellt.

Die Ausstellung „Ich bin schön“ rüttelt auf. Hier werden keine etablierten Schönheitsideale gezeigt, hier wird gezeigt, welche Themenbereiche die Auseinandersetzung mit Schönheit heute prägen. Gelten die traditionellen ästhetischen Konzepte noch? Inwieweit beeinflussen uns die (sozialen) Medien? Wir leben schließlich in einer Welt, in der man sich erst zeigt, wenn auf Instagram ein (gnädiger) Filter über uns liegt.
Schönheits-OPs sind gang und gäbe. Doch schön kann auch „anders“ sein, grotesk, ungewohnt, unverständlich, so, dass man es erst bei genauer Betrachtung versteht und sieht. Hier setzt die Ausstellung in der Pasinger Fabrik an. Schon beim Betreten des Cafés ist erkennbar, dass hier auch mit Humor und Ironie gearbeitet wird. Über dem Fahrstuhl steht in spiegelartigen dicken Buchstaben „Liften“, dicke Zerrspiegel begleiten dich zum Treppenaufgang.
Studierende der Bildredaktion 2025/26 an der Ostkreuzschule für Fotografie aus Berlin haben sich unter der Leitung von Nadja Masri mit der Andersartigkeit von „schön“ befasst, ebenso wie Studierende für Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste München bei Anke Doberauer. Zwei ähnliche Gedankengänge, völlig anders dargestellt, was ich sehr spannend finde. Auf der einen Seite werden mit bildender Kunst gängige Schönheitsideale hinterfragt, auf der anderen Seite zeigen die Studierenden für Fotografie aus Berlin mit ihren Porträts andere Vorstellungen von Schönheit.

Der letzte Raum lädt zum Ruhen ein, hier läuft der Film „Beauty is Life“ in Dauer-Loop. Frauen demonstrieren hier unterschiedlichste „Beauty-Gadgets“. Albernheiten, denen man ganz klar ansieht, dass sie keine OP und keine Straffung oder ein Lifting ersetzen können. Schade um die vertane Zeit, möchte ich ihnen zurufen. Auf dem Fensterbrett liegen wie zufällig lauter Bücher, die sich mit Schönheit befassen.

Bin ich schön, seufzt vielleicht die eine oder der andere beim Hinausgehen. Auf jeden Fall ist mein Spektrum in dieser Hinsicht erweitert worden.
Ein sehr interessantes Rahmenprogramm, das bis in den März hineingeht, rundet die Ausstellung ab. Sehenswert!
Ich bin schön
Kuratiert von Stefan-Maria Mittendorf M.A. und Annette Hempfling
Pasinger Fabrik
August-Exter-Straße 1, 81245 München
Laufzeit: 05.12.25 – 29.03.2026
Öffnungszeiten: Di – Sa 15 – 19 Uhr, So 14 – 18 Uhr
Eintritt: 6 Euro, ermäßigt 4 Euro
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