Sammelsurium von schönen Dingen



Gibt es wirklich so minimalistische Menschen, die gar nichts sammeln? Ich kenne nur Sammler*innen: Handtaschen, Turnschuhe, Schallplatten, Weihnachtskugeln, Autogramme und vieles mehr ist ihr Begehr.
So ist es auch in der Sonderausstellung „Sammeln. Glück und Wahn“.

Beim Eintreten in den ersten Raum fliegen einem auf einer Videoinstallation obige Dinge und vieles mehr entgegen. Ein großes stilisiertes Auge sieht die Zuschauer*innen und all das an. Man kommt in einen Raum, in dem Mitarbeiter*innen ihre Sammelstücke zeigen.

Jemand kauft sich jedes Jahr ein neues Dirndl, Postkarten und Kinotickets werden aufbewahrt, Sammeltassen und Servietten, Christbaumschmuck ist des Direktors Leidenschaft, Überraschungsei-Schlümpfe sammelt seine Vertretung. Jede*n macht etwas anderes glücklich.

In jedem Raum wird ein anderes Sammelobjekt ausgestellt. Auch die Stifter einiger Privatsammlungen werden hier geehrt, beispielsweise Herr Josef Blatner (1895 – 1987). Er war Denkmalpfleger in München. Als Sammler und Bewahrer trug er das Alte wieder zusammen und hat damit einen großen Beitrag dazu geleistet, dass man München nicht einfach neu aufgebaut hat, wie andere Städte, sondern dass die Innenstadt annähernd so wurde, wie vor dem Krieg. Seine Wohnung am Platzl war mit ca. 2100 gesammelten Objekten wie ein Museum. Ein alter Röhrenfernseher zeigt eine Dokumentation über Josef Blatner. Schön, dass der Raum, den man im Röhrenfernseher vor sich sieht, hier exakt nachgestellt wurde, mit einem großen Teil seiner Sammlung, die er dem Freisinger Museum stiftete.

Eine andere schöne Geschichte ist die des Münchner Tänzers Karl-Heinz King (1929 – 2018). Als junger Mann ging er in München zu einer Ballettprobe. Nach dem Krieg war alles kaputt und trist. Da sieht er in einem Schaufenster einen strahlenden Engel, eine Krippenfigur. Der Beginn einer großen (Sammel-)Leidenschaft. Der Engel war für ihn Sinnbild und Hoffnung auf schönere Zeiten. Er kaufte sich den Engel und begann ab da zu sammeln, nicht nur Engel, auch Rosenkränze, Bilder, Fächer, Gemälde, Skulpturen, er bastelte und modellierte sogar selbst. Den größten Teil seiner Sammlung bekam das Diözesanmuseum, viele seiner Krippenfiguren zum Beispiel sind in dieser Schau ausgestellt.

Ein Raum widmet sich nur Heiligenbildern. Das hat mich irgendwie stark berührt, diese Hummelbildchen, Heiligenbildchen und Fleißbildchen haben mich meine ganze Kindheit begleitet. Sie sind immer noch herzallerliebst anzusehen. Und wer selbst früher nie ein Fleißbildchen bekommen hat, kann sich hier aus dem Automaten eines ziehen – für 50 Cent. Ist aber nicht soviel wert, wie es sich durch Fleiß verdient zu haben!

Klerikale Dinge sind auch ausgestellt, Pfarrer scheinen auch zu sammeln, Kleidungsstücke hängen aus, Kreuze und Rosenkränze.

Ein Raum ist voller verrückter Sammeldinge. Die böse Königin von Alice im Wunderland hat hier ihr Reich und hat zusammengesammelt, was das Zeug hält, man wird schwindelig vor lauter Schauen!

Dann kommt der letzte Raum. Eine stilisierte grüne Wiese, riesige Erdbeeren, die Hocker darstellen – man darf sich auch daraufsetzen – und nur ein einziges Bild, in Szene gesetzt zum Betrachten und auf sich wirken lassen. Es ist das Bild von Lucas Cranach mit der Madonna, dem Jesuskind und den Engeln mit den Erdbeeren. Die Engel auf dem Bild sammeln auch: Sie sammeln die Erdbeeren ein, um sie dem Kind geben zu können. Sollen sich die Besucher hier sammeln, bevor es wieder hinaus geht in die wuselige Welt?

Habt keine Scheu, den Domberg zu besteigen. Auch wer der katholischen Kirche kritisch gegenübersteht, kann sich für dieses Museum und seine Kunst begeistern. Der Museumsdirektor Christoph Kürzeder und sein Team verstehen stets, das Christliche mit dem Weltlichen zu verbinden. Diese Ausstellung ist wieder sehr sehenswert. Sie ist noch bis zum 3. August 2025 geöffnet.

Diözesanmuseum Freising
Domberg 21
85354 Freising
Öffnungszeiten: Di.-So. 9 bis 17 Uhr
Eintrittspreise:
Regulär 8 Euro
Ermäßigt 6 Euro

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