Kein Banksy mehr!

c) Michael Neudecker

Im Sommer 2024 hat Banksy die Fans in London gleich mit einem halben Zoo erfreut. Zwei Elefanten schauten aus Fenstern, drei Affen schaukelten an einer Brücke, ein Wolf heulte in einer Satellitenschüssel, zwei Pelikane schnappten nach Fischen, eine Raubkatze suhlte sich auf einer leeren Werbetafel, und ein Schwarm Piranhas schwamm auf einem Glashäuschen genau vor der Polizei. Ein Nashorn schien ein echtes liegengebliebenes Auto zu besteigen. Das erste Mural dieser Serie war ein Steinbock, ausgerechnet auf einer Fassade im schicken, reichen Kew im Süden der Stadt.

Fans, Passanten und Nachbarn waren stolz wie Oskar. Hier, im idyllischen Kew im Süden der Stadt passiert nicht recht viel, deshalb war man sehr erfreut, dass der supercoole Banksy es über die Themse zu ihnen rüber geschafft hat. Er hat dort eine ihrer Wände besprüht! Über Nacht erschien auf einem Vorsprung an einer Wand eines Eckhauses am Kew Green ein Steinbock – man hatte ihn ursprünglich irrtümlicherweise für eine Ziege gehalten – dazu hinunterfallende Felsstücke. Wie man auch das Kunstwerk interpretieren wollte, den Menschen gefiel ihr Banksy. Er stand recht im Rampenlicht. Doch seit ein paar Tagen ist er weg. Wie das, und warum?
Eine ganze Woche lang haben Arbeiter das Graffiti-Tier herausgeschnitten, mitsamt den fingierten Felsbrocken. Die Firma heißt Fine Art Restoration, spezialisiert auf das Entfernen und Restaurieren von Kunst. Der Besitzer des Hauses soll angeblich ein Millionär sein. Er wollte den Banksy behalten, deshalb habe er ihn entfernen lassen. Denn angeblich sei die Entfernung nötig gewesen, weil auf dem Gebäude ein weiteres Stockwerk draufgesetzt werden soll. Hierbei könne das Kunstwerk zu Schaden kommen. Die Graffiti-Trümmer wurden nun also in ein Lager gebracht, in dem normalerweise solche Stücke aufbewahrt, präpariert und wieder ausgestellt werden. Angeblich will der Besitzer des Hauses dafür sorgen, dass die Leute den Banksy-Steinbock irgendwann wieder anschauen können. Doch die Arbeiter wissen es besser und schütteln den Kopf. „No way“, sagen sie.

c) Michael Neudecker

Jetzt kann man nur noch dieses Loch hier betrachten.

Quelle: SZ
Bildrechte: Michael Neudecker

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