Das Enfant terrible und seine goldenen Steine
Rainer Werner Fassbinder war der arbeitswütigste und berühmteste Regisseur Münchens. Sein Werk umfasst über vierzig Filme („Angst essen Seele auf“, „Die Ehe der Maria Braun“, „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“), dazu: zwei Fernsehserien („Berlin Alexanderplatz“), fast zwanzig Bühnenstücke, Hörspiele und Auftritte als Schauspieler in Filmen von beispielsweise Volker Schlöndorff. Er war besessen, ein Despot beim Arbeiten. Er hatte seinen Clan um sich herum, schmückte sich mit seinen Lieblingen. Alkohol und vor allen Dingen Drogen hielten ihn aufrecht.
Er war Stammgast in der Deutschen Eiche. Genau! Da, wo auch Freddie Mercury ein- und ausging, fast zur selben Zeit. Dessen Wirt Dietmar Holzapfel und sein Lebensgefährte Josef Sattler haben schon vor einem Jahr an der Wand zu Ehren Freddie Mercurys ein Mosaik anbringen lassen, weil man Freddie so wenig Ehrerbietung zeigte. (LINK) Eine völlig entlegene Straße wurde nach ihm benannt, auf einem Klohäusl prangt sein Konterfei (LINK). Genauso war es bislang mit Fassbinder. Ein öder, zubetonierter Platz ist nach ihm benannt, und auf dem gleichen Klohäusl ist er als Graffiti verewigt. Nach seinem Tod stritt der Münchner Stadtrat übrigens wochenlang, bevor er die Bestattung von Fassbinders Urne auf dem altehrwürdigen Bogenhausener Friedhof genehmigte. Nun hat der Künstler Franco Notonica erneut losgelegt. Das Mosaik besteht aus Glas und Weißgold. Am 31. Mai, dem Tag, an dem Fassbinder 80 Jahre alt geworden wäre, gab es eine kleine Zeremonie. Musik aus „Berlin Alexanderplatz“ wurde gespielt, Presse und Prominenz waren da, auch Münchens zweiter Bürgermeister Dominik Krause. In seiner Rede meinte er: „Wir feiern heute einen Künstler und einen Teil der Münchner Geschichte … Er war unbequem und zugleich unverzichtbar für München.“ Wenn das daran erinnern soll, dass Fassbinder eine große Rolle in der queeren Szene innehatte, dann passt das zeitlich perfekt. Kurz danach begann die Gay Pride 2025 in München, das Glockenbachviertel im Mittelpunkt.
Nun prangt er auf der Fassade der Deutschen Eiche. Ich persönlich finde ihn sogar gelungener dargestellt als Freddie Mercury. Dieser prangt links, Fassbinder rechts. Ein bisschen Abstand muss wohl sein, die dicksten Freunde waren sie nämlich nicht.
Infos aus:
BR24 Kultur
tz
(910)

