Stellt euch vor, es gäbe keinen Himmel
Bekanntermaßen liebe ich das Hoftheater am Stemmerhof in München Sendling (LINK). Hierher wurde wieder Meike Fabian mit ihren Musikern eingeladen. Die Künstlerin hat mit der neuen John–Lennon-Hommage das vierte Glanzstück abgeliefert, nach „La vie en rose“, dem Chansonabend über Edith Piaf, nach „Knef“, einem Liederabend über Hildegard Knef, und „Marlene“, dem Liederabend über die große Dietrich.
Im Dezember 1980 wird John Lennon auf offener Straße in New York von einem fanatischen Fan erschossen. Sein einziges persönliches Anliegen war es, (traurige) Berühmtheit zu erlangen. Die Welt steht kurzzeitig Kopf vor Trauer. John Lennon wird, wenn er es nicht schon war, endgültig zum Mythos: Der Ex-Beatle, dieser Mann mit der Nickelbrille, er ist ein unerreichbares Idol, ein genialer Musiker, Kämpfer für Frieden, Freiheit und Gleichberechtigung, liebender Ehemann und Vater. Doch Meike Fabian fängt mit John Lennons jungen Jahren an. Seine Mutter kommt nicht klar mit ihm, er kommt zu seiner strengen Tante. Die Beatles gründen sich, sie sind alle noch so jung, doch ein Leben in der Öffentlichkeit ist nicht möglich. Er heiratet früh, die Ehe scheitert. Er verbringt eine lange Zeit mit Alkohol und Drogen. Er lernt Yoko Ono kennen, die Frau, die laut den restlichen Beatles für deren Ende verantwortlich war. Yoko Ono und das Kind mit ihr liebte er mit allen Mitteln, doch auch das verbockte er. Er war mit einer anderen Frau zusammen, und Yoko ließ ihn lange zappeln und nahm ihn letztendlich nie mehr so zurück, wie er es gerne wollte. Die Ehe scheiterte an dem, was die beiden zelebrierten: politische Kunst. John Lennon war ein Ausnahmekünstler, ein Mann, der für seine Love & Peace Botschaft bekannt war, für seine ruhigen Lieder, seine Friedenslieder. Doch hinter den Kulissen gab es Schattenseiten in diesem Leben auf der Überholspur: Drogen, Alkohol, psychische Probleme, Betrug, Gewalt. Das hat man am 8. Dezember 1980 großzügig vergessen, am Tag als John Lennon starb.
An all das erinnern Meike Fabian und Mitmusiker im Hoftheater. Es ist ein wundervoller Abend mit glänzend aufgelegten Musiker*innen! Einziger Wermutstropfen: Es waren Bilder vorbereitet, die per Beamer an die Wand gehört hätten. An diesem Abend versagt die Technik. Aber das großartige Ensemble und das begeisterte Publikum lassen einen das vergessen. Am Ende durfte man sogar noch mitsingen!

Meike Fabian: Lesung und Gesang
Ulli Forster: Piano, Musikalische Leitung und Arrangements
Rober Prill: Gitarre
Ralf Funk: Bass
Peter Asanger: Schlagzeug
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