Don’t be bored. Create!

(Bild vom Ausstellungsflyer)

Ich war vor kurzem in Düsseldorf und habe diesen Besuch genutzt, um „The Art of Johnny Depp“ anzusehen. Von der Innenstadt bin ich mit der Stadtbahn hinaus nach Benrath gefahren – schon die Fahrt dorthin war schön, weil man noch einmal eine ganz andere Seite Düsseldorfs zu sehen bekommt. Und dann liegt da plötzlich Schloss Benrath: ein wunderschönes Lust- und Jagdschloss aus dem 18. Jahrhundert, eingebettet in eine weitläufige Parkanlage mit Gärten, Gänsen und Wasserflächen. Richtig romantisch! Doch nicht der Park war mein Ziel, sondern die Ausstellung der Kunst Johnny Depps.

Etliche Leute waren unter der Woche mitten am Tag deswegen schon unterwegs, und man merkte schon hier, dass Johnny Depp eine Menge Fans hat. Auffällig war, dass es keineswegs nur junge Leute waren. Da waren viele Generationen vertreten, die sich die Ausstellung ansehen wollten. Ich war selbst sehr gespannt. Johnny Depp schätze ich als Schauspieler schon seit seinen frühen Rollen – vom entzückend-unschuldigen Edward mit den Scherenhänden bis hin zum völlig durchgeknallten Captain Jack Sparrow und den vielen erwachsenen, oft wunderbar eigenwilligen Rollen dazwischen. Außerdem ist er ja auch noch ein gar nicht mal so schlechter Musiker, bei den Hollywood Vampires, gemeinsam mit dem legendären Alice Cooper. Umso neugieriger war ich darauf, was dieser vielseitige Mann eigentlich malt. Schade war natürlich, dass Johnny Depp selbst nicht vor Ort war. Einige Besucher*innen hatten offenbar gehofft, ihm tatsächlich zu begegnen. Er war allerdings kurz vor der Eröffnung persönlich in Benrath gewesen, um sich die Ausstellung und Räume anzusehen. Offenbar war er von der Verbindung seiner Arbeiten mit dem Schloss ziemlich angetan – die historischen Räumlichkeiten sollen bei ihm einen ausgesprochen starken Eindruck hinterlassen haben. „Shocking! Shocking beautiful!“ muss er alles wohl gefunden haben.

Die Ausstellung selbst hat mich dann tatsächlich überrascht. Johnny Depp ist als bildender Künstler erstaunlich vielseitig. Es gibt Selbstporträts und Porträts anderer Persönlichkeiten, Blumenbilder, Schriftzüge und kunstvoll gestaltete Buchstaben, aber auch collageartige Arbeiten und Motive, die sehr stark an die Welt des Rock ’n‘ Roll erinnern: Totenköpfe, Kronen, Stars und Symbole. Besonders interessant fand ich den Bunnyman. Die Figur taucht in Depps Arbeiten immer wieder auf und hat für ihn eine persönliche Bedeutung. Sie geht auf eine wiederkehrende Traumvorstellung aus seiner Kindheit zurück und ist inzwischen fast zu einer Art persönlichem Markenzeichen geworden. Auch die Idee, diese Geschichte an die nächste Generation weiterzugeben, macht das Motiv noch einmal persönlicher.



Die Verbindung zwischen Depps Bildern und Schloss Benrath fand ich ausgesprochen gelungen. Die Räume sind so prachtvoll und teilweise selbst schon fast Kunstwerke, dass die Bilder erstaunlich gut darin funktionieren. Seine Blumenbilder hängen beispielsweise in einem opulent mit floralen Ornamenten ausgestatteten Raum, während andere Arbeiten in wieder ganz anders wirkenden historischen Räumen präsentiert werden. Dadurch entsteht nicht einfach eine Ausstellung von Bildern, sondern ein ständiger Dialog zwischen Depps moderner, persönlicher Bildwelt und der barocken Umgebung.

„Don’t be bored. Create.“ Also: Sei nicht gelangweilt – sei kreativ. Und genau das darf man am Ende der Ausstellung sogar selbst ausprobieren. Im letzten Raum können die Besucher*innen eigene kleine Kunstwerke gestalten und sie anschließend zu einer gemeinsamen Collage an einer großen Pinnwand hinzufügen.

Ich bin jedenfalls mit einem sehr positiven Eindruck wieder hinausgegangen. Und offenbar hat mich der Bunnyman besonders überzeugt: Am Ende musste sogar noch ein T-Shirt mit seinem Konterfei mit. Don’t be bored. Create. Das ist doch eigentlich eine ziemlich schöne Botschaft, die man aus einem Schlossbesuch mit nach Hause nehmen kann.

Ausstellung: The Art of Johnny Depp
Ort: Schloss Benrath, Düsseldorf
Laufzeit: 30. August bis 27. September 2026
Zu sehen: Originalkunstwerke und ausgewählte Editionen von Johnny Depp
Umfang: rund 60–65 Werke

 

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