Bekanntes und Unbekanntes
neu aufgestellt
Im März 2026 wurde die Ausstellung „Über die Welt hinaus. Der Blaue Reiter“ im Lenbachhaus München eröffnet. Sie findet im Rahmen der Vorbereitungen des Jubiläums „100 Jahre Lenbachhaus 1929/2029“ statt. Die Künstlervereinigung begleitet mich gefühlt schon mein ganzes Leben lang, ihre Werke habe ich schon oft gesehen (auch dank Jahreskarte – lohnt sich!). Laut Social Media soll das Lenbachhaus die Räume neu gestaltet haben, und neue Werke wurden hinzugefügt, ich bin gespannt …
Der Blaue Reiter hat sein gewohntes Zuhause im zweiten Stock des altehrwürdigen Lenbachhauses. Ich steige die Treppen hinauf, vorbei an dem überdimensionalen Glasspitz, der von der Decke hängt und die Besucher*innen funkelnd begrüßt. Der Eintritt in die Ausstellung ist (für mich) noch wenig spektakulär, aber in den weiteren Sälen bin ich dann doch von der Wirkung der frischen Wandfarbe überrascht. Vor allem dieses satte Blau, es hebt zum Beispiel das Bildnis von Marianne von Werefkin (Künstlerin: Gabriele Münter) viel besser als in der Vergangenheit heraus! Informationen zu den Werken und der Kunstgemeinschaft gibt es beim Eintritt an den Wänden zu lesen oder werden einem beim Gebrauch von eigenem Handy und Kopfhörern (!) dank QR-Codes oder hauseigenen Audioguide vermittelt.
Vorbei geht es an bekannten wie unbekannteren Werken von Erma Bossi, Wladimir Burljuk, Heinrich Campendonk, Robert Delaunay, Elisabeth Iwanowna Epstein, Otto Freundlich, Maria Franck-Marc, Alexej von Jawlensky, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Moissey Kogan, Alfred Kubin, Else Lasker-Schüler, August Macke, Franz Marc, Gabriele Münter, Jean-Bloé Niestlé, Alexander Sacharoff, Marianne von Werefkin und anderen. Neuzugänge gibt es zu entdecken: Albert Bloch, Emmy Klinker und Wilhelm Morgner. Jedes einzelne Groß- und Kleinformat hat seine individuelle Wirkung, vor einigen bleibt man länger stehen, studiert das Motiv und die Farbauftragung, und man lässt sich vom Audioguide informieren. An anderen streift man nur vorbei, je nach eigenem Geschmack. Am Ende der Ausstellung gibt es Sitzmöglichkeiten und Lektüre zur Ausleihe sowie eine große Übersichtskarte, wie sich Der Blaue Reiter in der Welt verteilt hat.
„Zu Beginn des 20. Jahrhunderts formierte sich in München ein Kreis von Künstlerinnen und Künstlern mit einer Vision. Sie hatten das gemeinsame Ziel, die Kunst zu erneuern und die Gesellschaft zu verändern. Besonders wichtig in diesem Unterfangen waren die beiden Ausstellungen der Redaktion Der Blaue Reiter in München 1911–12. Der Titel nahm explizit Bezug auf das Vorhaben des Almanachs: Dieses programmatische Jahrbuch etablierte den Blauen Reiter als Teil eines weltweiten, epochen- und gattungsüberschreitenden Kunstschaffens. Der Blaue Reiter war jedoch mehr als das: Er basierte auf einem Netzwerk des Austauschs, das kulturelle Unterschiede als kreative Ressource verstand. In einem transnationalen Dialog – vom Deutschen Kaiserreich und Frankreich bis ins Russische Reich und in die USA – schufen die Beteiligten neue Bildsprachen für eine sich wandelnde Welt. Viele von ihnen lebten unkonventionelle Lebensentwürfe, stellten Geschlechterrollen in Frage und suchten nach neuen Formen der Darstellung jenseits bürgerlicher Normen.
Die Ausstellung rückt ihre wegweisenden Errungenschaften in den Mittelpunkt – von Franz Marcs symbolischer Farbtheorie über Wassily Kandinskys Abstraktionen bis hin zu Alexander Sacharoffs performativen Grenzüberschreitungen. Besonderes Augenmerk gilt den Künstlerinnen, die – für ihre Zeit ungewöhnlich sichtbar – eine zentrale Rolle in der Bewegung spielten. Neben Gabriele Münters expressiver Malerei treten ausdrucksstarke Selbstporträts von Elisabeth Epstein, die dramatischen Gemälde der Kosmopolitin Marianne von Werefkin und Maria Franck-Marcs hintergründige Stillleben und utopische Kinderwelten.“
„Der Blaue Reiter verstand Kunst als Botschaft und nicht als bloßes Problem der (schönen) Form. So beschreibt Else Lasker-Schüler 1911 in einem Gedicht die Suche nach einem weiteren Horizont mit den Worten: ‚Über die Welt hinaus.‘“ (Quelle www.lenbachhaus.de)

Welch ein Kunstspektakel in all seinen Facetten und in sehr gut akzentuierten räumlichen Gegebenheiten, die Wartezeit auf die Eröffnung hat die Spannung erhöht, die zurückgekehrten und neuen Kunstwerke sind einen Besuch wert! Einmal, zweimal … es ist ja noch über ein Jahr Zeit.
Über die Welt hinaus. Der Blaue Reiter
10. März 2026 – 5. September 2027
Eine Kooperation des Lenbachhauses und der Gabriele Münter- und Johannes-Eichner-Stiftung. Mit freundlicher Unterstützung von Förderverein Lenbachhaus e.V.
Kuratiert von Melanie Vietmeier und Matthias Mühling, kuratorische Assistenz: Johannes Michael Stanislaus
Öffnungszeiten
Montag: geschlossen
Dienstag bis Sonntag und feiertags: 10–18 Uhr
Donnerstag: 10–20 Uhr
In der Wartungswoche von 8. Juni bis 12. Juni ist das Lenbachhaus geschlossen.
Eintrittspreise
Regulär: 10 Euro
Ermäßigt: 6 Euro
Jahreskarte regulär: 25 Euro / reduziert: 15 Euro
extra+ im Lenbachhaus: Jeden ersten Donnerstag im Monat von 18 bis 22 Uhr freier Eintritt
Der Audioguide ist im Preis inbegriffen oder kann auch online genutzt werden.
Bericht in zdfheute
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